Vivendi-Chef forciert den Schuldenabbau
Murdoch macht sich in Italien breit

Seit Monaten kämpfen der französische Vivendi-Konzern und der australische Medienunternehmer Murdoch um die Führung in Italiens Pay-TV. Nun muss die schwache Vivendi klein bei geben.

HB/Dow Jones ROM/PARIS. Der australisch-amerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch will den italienischen Bezahl-Fernsehsender Telepiu kaufen. Murdochs australische Medienholding News Corp. würde damit eine Monopolstellung im italienischen Pay-TV bekommen. Denn Murdoch plant offenbar, Telepiu mit dem zu seinem Konzern gehörenden Sender Stream zu verschmelzen. Beide Sender kämen dann auf 2,35 Millionen Abonnenten. Telepiu gehört bislang dem defizitären französischen Sender Canal Plus, einem Unternehmen des hoch verschuldeten Konzerns Vivendi Universal. Dessen Vorsitzender Jean-Marie Messier bemüht sich derzeit, den Konzern zu sanieren um damit auch seinen Kopf zu retten. Deshalb will er sich von stark defizitären Unternehmen trennen.

Mit dem Verkauf von Telepiu nehmen die Auseinandersetzungen um die Zukunft des italienschen Bezahlfernsehens eine überraschende Wendung zu Gunsten Murdochs. Seit Jahren streiten Messier und Murdoch über die Führungsrolle im europäischen Geschäft mit Pay-TV. Dabei kontrolliert Murdoch das expansive britische BSkyB, während Vivendis französische Kette Canal Plus Schwächezeichen zeigt.

Da der einstige Mischkonzern Vivendi Universal nach Jahren ungebremster Expansion ins Mediengeschäft gegen einen Berg von Schulden kämpft und jetzt auch in Frankreich unter Druck steht, konnte Murdoch in Italien die Gunst der Stunde nutzen. Zuvor schien Telepiu lange Zeit die besseren Karten im Kampf um Zuschauer und Einnahmen zu besitzen. Monatelang lieferten sich die beiden Gesellschaften harte Auseinandersetzungen, sowohl per Preiskrieg als auch vor Gericht. So ist es erst drei Wochen her, dass Vivendi-Chef Messier ein zuvor vollmundig verkündetes Übernahmeangebot an Murdochs italienische Gesellschaft Stream unter dem Druck seiner Aktionäre zurückziehen musste.

Nun haben die beiden bislang verfeindeten Gruppen vereinbart, sämtliche Streitigkeiten beizulegen. Dennoch bleiben aktuell Unstimmigkeiten, so etwa über die Angaben zur genauen Höhe des Kaufpreises. Laut Vivendi werden Murdoch und Finanzinvestoren 1,5 Mrd. ? für Telepiu bezahlen. Bei der australischen News Corp war dagegen nur von 1 Mrd. ? die Rede.

Die Schulden von Vivendi Universal würden nach Anschluss des Geschäfts um 1,2 Mrd. ? sinken, hieß es in Paris. Übrig bliebe dann immer noch ein Minus von rund 16 Mrd. ?. Die Vereinbarung zeige, dass er die Schulden von Vivendi Universal schnell abbauen wolle, bekräftigte Messier.

Vor allem die großen US-Aktionäre dürften hier jedoch besonders kritisch zuhören. Denn sie gelten als entschiedene Kritiker des Franzosen. Schließlich haben die Großaktionäre mit ihrem Vivendi-Engagement viel Geld verloren. So ließ sich der US-Kabelkönig John Malone seinen Anteil an USA Networks Inc. mit Vivendi-Universal-Aktien abkaufen. In einem halben Jahr musste Malone mehr als 1 Mrd. $ Wertverlust hinnehmen.

Noch schlimmer sieht es bei der Familie Bronfman aus, den früheren Eigentümern von Universal und dem größten Aktionär bei Vivendi Universal. Obwohl sie sich nach der Fusion im Jahr 2000 von einem Teil der Aktien rechtzeitig trennte, schmolz der Wert dieses milliardenschweren Engagements allein seit Jahresbeginn um mehr als die Hälfte.

Der Telepiu-Verkauf ist überdies noch nicht definitiv. Denn das geplante Geschäft hat die italienische Opposition auf den Plan gerufen. Politiker forderten am Wochenende die Kartellbehörden auf, das Vorhaben des Murdoch-Unternehmens sorgfältig zu prüfen.

Der italienische Oppositionspolitiker Vincenzo Vita, ein ehemaliger Kommunikationsminister, erklärte in Rom, ein Verkauf Telepius an Murdoch würde eine große Gefahr für das italienische Mediensystem und die kulturelle Autonomie des Landes bedeuten. Es sei deshalb unerlässlich, dass die Kartellbehörden die Lage sorgfältig prüften.

Den Aktienkursen der beiden Unternehmen half die Mitteilung am Freitag wenig. Vivendi-Papier verloren gut 4 % während News Corp in Sydney um 1,7 % nachgaben.

Quelle: Handelsblatt

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