Vivendi kauft MP3.com
Musikbranche erwartet große Lizensierungswelle

Der französische Mischkonzern Vivendi kauft den Online-Dienst MP3.com. Damit ist der Musikvertrieb im Internet aufgeteilt: hier Bertelsmann, AOL Time Warner und EMI mit Napster, dort Vivendi und Sony mit MP3. Jetzt beginnt die Lizensierung. Aber auch die freien Tauschbörsen bleiben im Geschäft.

HANDELSBLATT, DÜSSELDORF/PARIS. Seit Januar saßen sie am Verhandlungstisch, jetzt ist das Abkommen perfekt: Der französische Medienkonzern Vivendi Universal SA übernimmt das Musikportal MP3.com Inc. Damit haben nun beide Lager, die sich beim Musikvertrieb im Internet gegenüber stehen, einen Internet-Dienst in ihren Reihen: Der deutsche Musikkonzern Bertelsmann AG hatte vor einiger Zeit bereits die Mehrheit an der Musiktauschbörse Napster Inc. übernommen.

Kampf der Rivalen verschärft sich

Analysten erwarten, dass sich der Kampf zwischen den rivalisierenden Allianzen nun verschärfen wird. Auf der einen Seite stehen Vivendi und der japanische Musik- und Elektronikkonzern Sony Corp. mit ihrem Portal Duet, das im Sommer ans Netz gehen und mit MP3.com zusammenarbeiten soll. Gegner ist die Allianz der Medienkonzerne AOL Time Warner Inc., EMI Group Plc. und Bertelsmann sowie des Software-Entwicklers Real Networks Inc. mit Musicnet und Napster. Musicnet deckt mit seinem Internet-Vertrieb etwa 40% des Marktes ab. Vivendi und Sony haben etwa 45% des Marktes. MP3.com soll künftig zwar als eigene Marke und Firma weiterlaufen. Der Musikkatalog von Duet soll jedoch auch MP3.com zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollen die beiden Plattformen "technologisch" zusammenarbeiten, hieß es bei Vivendi.

Weder Duet noch Musicnet werden den Nutzern allerdings nur die Werke der jeweiligen Partner anbieten können. "Das würde nur Gnutella und Aimster und diese Dienste wieder stark machen", sagt Frank Sarfeld, Sprecher der Bertelsmann eCommerce Group, BECG. "Jetzt ist der Markt aufgeteilt, jetzt kommt die große Lizensierungswelle." Gnutella, Aimster und auch Napster gehören zu den kostenlosen Musiktauschbörsen, die Computer per Internet verbinden.

MP3.com hat Lizenzvereinbarungen mit fünf Musiklabeln

MP3.com hat bereits Lizenzvereinbarungen mit den fünf großen Musiklabeln, die von der Übernahme durch Vivendi nach Angaben des Konzerns nicht betroffen sein werden. Diese Verträge sind Ergebnis der Einigung mit den Verlagen, die den Dienst - genau wie später Napster - wegen Urheberrechtsverletzung verklagt hatten. MP3.com hatte insgesamt rund 150 Mill. Euro Schadenersatz gezahlt sowie sein Geschäftsmodell geändert und nur noch Titel verkauft, die die Nutzer auch auf CD hatten. Ein Abkommen mit den Klägern - darunter Bertelsmanns BMG, Vivendis Universal und AOL Time Warner - sicherte MP3.com den Zugriff auf deren Musikarchive. Insgesamt bietet der Dienst Zugriff auf Musik von 150000 Künstlern.

Zugriffe sind zurückgegangen

Noch ist unklar, wie die Nutzer auf Musicnet und Duet reagieren. Bisher war der Vertrieb über das Internet vor allem beliebt, weil die Dienste kostenlos waren. Seit Napster auf Druck der Musikindustrie urheberrechtlich geschützte Werke sperrt, hat der Online-Dienst viele Nutzer verloren: Um 41 % ist die Nutzung laut einer Studie des Online-Informationsdienstes Webnoize zurückgegangen. Die Zahl der ständig angemeldeten Kunden sank von 1,6 Millionen im Februar auf rund eine Million im April. Gerade auf die haben es die Konzerne jedoch abgesehen; sie wollen sie in zahlende, regelmäßig wiederkehrende Kunden verwandeln. Bei Napster läuft derzeit ein Beta-Test für einen kostenpflichtigen Dienst, für den sich nach Angaben des Konzerns bisher mehr als 350000 Nutzer als Tester angemeldet haben.

Vivendi

zahlt für MP3.com 372 Millionen Dollar in bar und Aktien. Das sind 5Dollar je Aktie, ein Aufschlag von 66%. Zu den Hoch-Zeiten der Branche im Jahr 1999 kostete eine Aktie des Unternehmens 105Dollar. "Vivendi bezahlt ziemlich teuer dafür, den gleichen Kurs eingeschlagen zu haben, den Bertelsmann mit seinem Napster-Vertrag genommen hat", kritisiert einAnalyst von Paresco Futures die Übernahme. Vivendi-Chef Messier hofft dagegen auf baldigen Erfolg. Er sagte der Tageszeitung "Le Figaro": "Wir werden bei MP3.com sicherlich bald 40 Millionen Abonnenten und noch 2001 ein finanzielles Gleichgewicht erreichen."

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