Vize-Chef Kley weist Gerüchte um Wintershall-Verkauf zurück – Hohe Investitionen geplant
BASF hat im Gasgeschäft ehrgeizige Pläne

Der Chemiekonzern BASF gehört über die Wintershall AG zu den größten Gasanbietern in Deutschland. Das Unternehmen verspricht sich von der Tochter ein hohes Wachstumspotenzial und will sie kräftig ausbauen - durch Zukäufe und hohe Investitionen. Neue Allianzen sind dagegen kein Thema.

LUDWIGSHAFEN. Der Chemiekonzern BASF will seine Energietochter Wintershall in den kommenden Jahren nachhaltig stärken. "Das Energiegeschäft ist und bleibt Kerngeschäft der BASF", sagt Konzern-Vize Max Dietrich Kley im Gespräch mit dem Handelsblatt: "Wir halten an Wintershall fest, bauen sie aus und haben entsprechende Investitionsmittel vorgesehen". Neben den Kosten für die Exploration und Zukäufe wolle sein Unternehmen pro Jahr einige hundert Mill. Euro investieren. "Damit liegt Wintershall an der Spitze unserer Unternehmensbereiche", betont Kley. Die Investitionen flössen beispielsweise in den Anschluss der Öl- und Gasfelder mit Pipelines.

Kley, der im Vorstand unter anderem den Bereich Öl und Gas verantwortet, tritt damit den immer wieder kursierenden Gerüchten entgegen, die BASF erwäge den Ausstieg aus dem Energiegeschäft. In der Branche wird insbesondere spekuliert, die Wintershall könnte an den RWE-Konzern verkauft werden. RWE ist im Gasgeschäft in Deutschland nur schwach vertreten und könnte nach Einschätzung von Analysten einen starken Partner gebrauchen. "Es hat eine Zeit lang Gerüchte gegeben", bestätigt Kley, "wir haben aber immer klar gesagt: Das ist unser Kerngeschäft und das behalten wir". Selbst für Allianzen gebe es derzeit keinen Bedarf. "Ich sehe nicht, wo wir dabei ein zusätzliches Ergebnispotenzial haben sollten".

Die 100-prozentige Tochter Wintershall ist der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent im Ausland, mit klarem Schwerpunkt auf Gas. Der Gasvertrieb ist seit 1993 in der Wingas GmbH gebündelt, einem Joint-Venture mit dem Branchenriesen Gazprom, der 35 % der Anteile hält. Die Wingas versorgt über ein 2 000 Kilometer langes Leitungsnetz Stadtwerke, größere Industriebetriebe und regionale Gasversorgungsunternehmen und setzt rund 120 Mrd. Kilowattstunden ab.

"Das Energieengagement ist sehr erfolgreich und derzeit der größte Gewinnbringer", sagt Analyst Michael Vara von der Commerzbank. Die operative Gewinnmarge liege immerhin bei rund 30 %. Für die BASF biete es vor allem aber die Möglichkeit, sich gegen Ölpreisschwankungen abzusichern. Wenn der Preis für Öl, dem wichtigsten Rohstoff in der Chemie steige, drücke das zwar auf den Gewinn im Stammgeschäft, gleichzeitig erhöhe sich aber der Ertrag aus dem Öl- und Gashandel. Die BASF habe damit einen erfolgreicheren Weg eingeschlagen als einige Konkurrenten, die eher auf das Pharma-Geschäft als Stabilisator gesetzt haben, sagt Petra Meyer von Sal. Oppenheim. Zudem profitiere man bei der eigenen Produktion vom Gasengagement.

"Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe", erläutert Kley, "wir sichern die Versorgung mit günstigen Einkaufsquellen und nehmen gleichzeitig Teil an einem Wachstumsmarkt". Zur Zeit habe der Gasabsatz in Deutschland zwar eine leichte Delle. Mittelfristig werde er aber wieder zulegen. Die BASF rechne mit einem moderaten Wachstum von rund 2 % im Jahr, wolle daran aber weiterhin überproportional teilhaben.

Wintershall soll durch Zukäufe konsequent ausgebaut werden. "Wir suchen nach Objekten, die von der Größe her unproblematisch zu integrieren sind", sagt Kley. Wintershall hat sich unter anderem an der Ausschreibung für die Energieaktivitäten der TUI AG (vormals Preussag) beteiligt. TUI prüft derzeit die Angebote und will in den kommenden Wochen eine Entscheidung fällen. Wintershall gilt in der Branche als Favorit. Der Kaufpreis wird auf rund 1 Mrd. Euro geschätzt. "Für uns ist das von großem Interesse, weil wir in Deutschland in vielen Feldern mit Preussag Energie bereits kooperieren", sagt Kley.

Interesse hat Wintershall erklärtermaßen auch an der ostdeutschen Verbundnetz Gas AG (VNG), aus der sich Eon und Ruhrgas zurück ziehen müssen, falls ihre Fusion zustande kommt. "Wir wollen den Anteil aufstocken, die Mehrheit streben wir aber nicht an", betont Kley. Die Wintershall hält derzeit 15,8 %. Eon und Ruhrgas müssten sich von 42,1 % trennen. Kley rechnet aber damit, dass die kommunalen Anteilseigner der VNG ihr Vorkaufsrecht von 10 % wahrnehmen.

Im Gegensatz zur Konkurrenz kommen für die BASF nach Kleys Worten Beteiligungen an Stadtwerken dagegen nicht in Frage. Das Unternehmen beobachte es aber mit Sorge, dass sich die Konkurrenten zunehmend in die Kommunalversorger einkaufen und sich so ihre Kundenbasis sichern. "Überall dort wo Beteiligungen bestehen wird es für uns sehr schwierig, an Lieferverträge zu kommen", sagt Kley.

Exploration und Produktion sollen nach Kleys Worten in Westeuropa verstärkt werden. "Wir können unser Pipeline-Netz eben besser auslasten, wenn wir von zwei oder drei Seiten Gas einspeisen", sagt Kley. Aber auch die Kooperation mit Gazprom werde ausgebaut. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie BP will BASF derzeit dagegen nicht in Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) investieren. "Das ist noch nicht wettbewerbsfähig", meint Kley.

Quelle: Handelsblatt

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