Vize-Weltmeister lahmt
Frankreich legt "Zeitlupenstart" hin

Nach dem müden 0:0 gegen Rumänien waren sich die meisten Protagonisten einig. Auch die Presse sprach von einem „langweiligen Zeitlupenstart" des Vize-Weltmeisters. Das größte Problem der Équipe tricolore: Der kreativen Schaltzentrale um Franck Ribery fehlen die Abnehmer.

ZÜRICH. Uefa-Präsident Michel Platini nahm die Leistung seiner Erben mit versteinerter Miene zur Kenntnis und Franck Ribery schüttelte fassungslos den Kopf - doch Raymond Domenech klatschte. 90 Minuten hatten seine Franzosen beim 0:0 in ihrem EM-Auftaktmatch gegen die Rumänen die Zuschauer mit Fußball zum Einschlafen gequält. Die Fans pfiffen sich anschließend die Seele aus dem Leib und die Presse sparte nicht mit Kritik, doch der Coach wollte sich seine gute Laune partout nicht nehmen lassen.

Zwar hatte Ribery wieder vor Spielfreude gesprüht, getrickst und gewuselt wie bei Bayern München, doch in der Nationalmannschaft fehlten ihm am Montag die passenden Abnehmer. "Es gibt eine ganze Menge zu verändern", sagte der Spaß-Fußballer, der in der leidenschaftslosen Elf wie ein Fremdkörper wirkte. Anschließend war der "Kaiser Franck", wie ihn nun auch die Franzosen nennen, offenbar auch der einzige "Blaue", der sich richtig ärgerte. Nach einem kurzen TV-Interview durchlief er nicht die Pressezone, sondern setzte sich schmollend in den Bus.

Die Qualität des bis dahin mit Abstand schlechtesten EM-Spiels wurde ansonsten nur von Fans und Medien treffend kommentiert. "Es war einfach langweilig", schrieb L'Equipe. Liberation urteilte, dass die Franzosen "ohne jeden Esprit" gespielt hätten und "unfähig waren, ein Tor zu schießen". Und Le Figaro sah "einen Zeitlupenstart".

Trotz und Sturheit des ungeliebten, aber bisher zumindest erfolgreichen Trainers gingen aber so weit, dass er die klassische Nullnummer als gutes Omen wertete. In die WM 2006, bei der Franzosen bekannterweise das Finale erreichten, sei man schließlich mit einem 0:0 gegen die Schweiz gestartet. Und alles, einfach alles habe ihn daran erinnert.

"Es war dieselbe Zeit, dasselbe Wetter, ein ähnliches Stadion und Claude Makelele war wie damals Spieler des Spiels", meinte der Coach, mit sich und der Welt zufrieden. Bis ihm ein Journalist mit der These bremste, dass die weiteren Gegner diesmal nicht Togo und Südkorea heißen, sondern Niederlande und Italien...

Doch den inneren Frieden mit dem schwachen Spiel - für das allenfalls die verletzungsbedingten Ausfälle von Kapitän Patrick Vieira sowie Rekord-Torjäger Thierry Henry als nachvollziehbare Ausreden gelten durften - hatte der Coach offenbar auch seinen Spieler eingeimpft.

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