Vizechef des Währungsfonds sieht großen Spielraum für Zinssenkungen in den USA
IWF senkt seine Prognose

Die Schwäche der US-Wirtschaft schlägt auf die Weltwirtschaft durch. Der Internationale Währungsfonds erwartet ein geringeres Wachstum. Eine Rezession sei aber nicht in Sicht.

cr/HB DAVOS. Die Sorge über die Auswirkungen der schwachen US-Konjunktur auf die Weltwirtschaft haben das diesjährige Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos geprägt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) kündigte an, seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im laufenden Jahr auf 3,5 % nach unten korrigieren. Im Herbst hatte der IWF noch mit 4,2 % gerechnet. IWF-Vizedirektor Stanley Fischer begründete die Korrektur damit, dass sich die US-Wirtschaft schneller und stärker abschwäche als erwartet. Die Weltwirtschaft sei jedoch "weit von einer Rezession entfernt".

Die USA werden nach Fischers Analyse in den ersten beiden Quartalen nur ein Wachstum von knapp über Null erreichen, aber im Jahresmittel 2001 schätzt er den Zuwachs beim US-Bruttosozialprodukt auf 2,5 %. Doch könnte die US-Notenbank die Zinsen um bis zu fünf Prozentpunkte senken, wenn es absolut notwendig sei. "Die realen Zinsen in den USA sind derzeit nicht ungewöhnlich niedrig gemessen an historischen Standards", sagte Fischer: "Die USA haben weitere 400 bis 500 Basispunkte Spielraum. Ich denke aber, dass das nicht nötig sein wird." Die US-Notenbank trifft Mitte dieser Woche ihre mit Spannung erwartete Entscheidung über eine weitere Zinssenkung.

"Die US-Wirtschaft ist im Prinzip gesund"

"Die US-Wirtschaft ist im Prinzip gesund", erklärte auch Ex-Finanzminister Lawrence Summers. Doch ist die Unternehmenskrise noch lange nicht überwunden: Im ersten Quartal gaben 115 US-Firmen Gewinnwarnungen ab - sieben Mal so viel wie im vergangenen Jahr.

Der Abschwung in der US-Wirtschaft werde sich zwar auch auf die Wirtschaft in der Euro-Zone auswirken, meint Fischer, die europäische Wirtschaft sei jedoch stabil. Niedrige Inflationsraten und moderate Lohnzuwächse verliehen der Europäische Zentralbank zudem noch Spielraum zur Senkung der Leitzinsen. Auch Wirtschaftswissenschaftler und Analysten halten die Schwäche der US-Konjunktur für zeitlich begrenzt, die Auswirkungen auf Europa für marginal. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts.

Europäische Wirtschaft soll um 3 % steigen

Nach Ansicht von Bundesfinanzminister Hans Eichel dürfte die europäische Wirtschaft in diesem Jahr mit einem Anstieg von rund 3 % das globale Wachstum unterstützten. Sein französischer Amtskollege Laurent Fabius stimmte ihm zu: "Europa ist wieder da", sagte er. Fischer mahnte allerdings ebenso wie Summers beschleunigte Reformen in der EU an, um die hohe strukturelle Arbeitslosigkeit abzubauen. Eichel zufolge ist die Weltwirtschaft zwar mehr Risiken als noch vor einem Jahr ausgesetzt. Sollte sich jedoch der Ölpreis auf dem Niveau der vergangenen Wochen stabilisieren, sei dies ein "großer Gewinn". Ebenso wie Fabius appellierte er an die Mitglieder der Opec "ihrer Verantwortung bewusst" zu sein.

Große Sorge herrschte in Davos über die Schwäche der japanischen Wirtschaft. Tokio müsse größere Anstrengungen unternehmen, um die Umstrukturierungen im Finanz- und Unternehmenssektor durch eine nachhaltige Umstellung von fiskal- und geldpolitischen Instrumentarien begleiten, forderte Summers. Ansonsten sei es "naiv" von einer Belebung der Nachfrage auszugehen.

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