Vizeminister zurückgetreten
Finanzskandal belastet spanische Regierung und Börsenaufsicht

Ein Finanzskandal um das Verschwinden von umgerechnet 212 Mill. DM belastet zurzeit die spanische Regierung und die Börsenaufsicht. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Jose Maria Aznar kündigte am Wochenende die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses an.

ap MADRID. Dieser soll die Hintergründe des Skandals aufdecken und klären, ob auch Regierungsmitglieder in das Geschehen verstrickt sind. Das Finanzministerium und die Börsenaufsicht wollen eigene interne Ermittlungen einleiten.

In dem seit Wochen schwelenden Skandal war die Regierung bisher untätig geblieben. Wirtschaftsminister Rodrigo Rato sagte nun, Aznar habe Anweisung gegeben, den Skandal ohne Rücksicht auf Beteiligte rückhaltlos aufzuklären. Im Zentrum der Vorgänge stehen das 1992 gegründete Unternehmen Gescartera und dessen Chef Antonio Rafael Camacho, der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzt.

Gescartera hatte etwa 2 000 Anlegern - darunter gemeinnützige Organisationen - Renditen in Höhe von zehn Prozent versprochen. Zweifel an der Seriosität des Unternehmens kamen auf, als immer mehr Anleger, die den Fonds verlassen wollten, ihr Geld nicht zurück bekamen. Mitte Juni setzte die Börse die Aktien des Unternehmens aus.

Krisensitzung der Börsenaufsicht

Danach stellte sich heraus, dass Camacho schon 1999 wegen Unregelmäßigkeiten verwarnt wurde. Dennoch ließ die Börsenaufsicht im gleichen Jahr Unterlagen über den Verbleib 18 Mrd. Peseten (rund 212 Mill. DM/108 Mill. ?) durchgehen, die sich mittlerweile als Fälschungen herausstellten. Camacho selbst sagte zunächst aus, das Geld in zwei amerikanische Unternehmen investiert zu haben. Später korrigierte der 35-Jährige diese Version und gab an, er habe den Betrag bei Spekulationen verloren.

Vor wenigen Wochen trat der stellvertretende Finanzminister Enrique Gimenez-Reyna zurück, offiziell aus persönlichen Gründen. Gimenez-Reyna hatte Geld in Gescartera investiert, seine Schwester gehört der Geschäftsleitung des Unternehmens an. Zudem wurde bekannt, dass die Präsidentin der Börsenaufsicht sich im vergangenen Jahr wiederholt mit Camacho traf - auf Vermittlung des damaligen Vizeministers Gimenez-Reyna.

Ferner wurde enthüllt, dass zwei führende Gescartera-Mitarbeiter von der Börsenaufsicht direkt zu dem Unternehmen wechselten. Die Führung der Börsenaufsicht kam am vergangenen Samstag zu einer Krisensitzung zusammen, für die mehrere Mitglieder ihren Urlaub unterbrachen und nach Madrid reisten.

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