Vizepräsident Richard Cheney erneut der "Macher"
Bushs "Kriegskabinett"

Vorher mag es allen Dementis zum Trotz Positions- und gar Machtkämpfe unter ihnen gegeben gaben, doch nun ziehen die Mitglieder des so genannten "Kriegskabinetts" an einem Strang. Dies hat der internationale Terrorismus möglich gemacht. Er hat ihnen allen ein klares Feindbild gegeben.

dpa WASHINGTON. "Krieg", schrieb Colin Powell einmal, "sollte die Politik des letzten Mittels sein". Mit dem Namen des Außenministers ist die Doktrin verbunden, mit aller Macht und geringsten Verlusten den Gegner zu schlagen. Im Golfkrieg gegen den Irak 1991 konnte er es als damaliger Generalstabschef in die Tat umsetzen. Als er ins Außenministerium kam, fragten sich Skeptiker, ob er in der Lage sein werde, "Gewalt als staatsmännisches Instrument anzudrohen und einzusetzen".

Powell: "diplomatischer Militär"

Dies hat der 64-jährige Sohn jamaikanischer Einwanderer aus der New Yorker Bronx mit einem klaren Ja beantwortet. Doch als Mann mit einer Berufsgeschichte als "diplomatischer Militär" ist er erkennbar auch ein Motor der umfassenden Strategie gegen den Terrorismus. Sie setzt mindestens so sehr auf wirtschaftliche und politische Machtmittel wie Waffengewalt.

Powell war in den vergangenen Wochen so sehr in den Hintergrund getreten, dass er in den Medien bereits als Verlierer des Ringens um die Gunst des Präsidenten eingestuft wurde. Gelassen, humorvoll, pointiert tritt er jetzt wieder täglich in Erscheinung und nimmt seinen Platz ein bei der Suche nach einer internationalen Koalition gegen den Terror. Mit dem Niedergang der Politik des Alleingangs kann sein Stern wieder aufgehen. Die ebenfalls farbige 46 Jahre alte Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, die ihrem Landsmann den Rang abzulaufen schien, strahlt nicht mehr als einzige am außenpolitischen Firmament.

Die "Falken" im Beraterstab: Cheney und Ramsfeld

Aber auch die "Falken" in Bushs Beraterstab - Vizepräsident Richard Cheney (60) und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (69) - sprengen den Rahmen des Teamworks nicht. Ihre Sprache in der Öffentlichkeit ist drastischer als die Powells, und am aggressivsten drückt sich ohnehin der Präsident selbst aus, doch unterstützen diese beiden alten Kämpen in Regierungsdiensten ausdrücklich den facettenreichen Kurs. Cheney, seit Jahrzehnten herzkrank, war ähnlich wie Powell in den letzten Wochen eher unauffällig. Nun tritt er erneut als bedeutender "Macher" in Erscheinung. Wie ein "Kriegsminister" habe er messerscharfe Analysen des "schmutzigen Geschäftes" geliefert, das die USA erwarte, schrieb die "Washington Post". Den Befehl zur Evakuierung des Kapitols gab Cheney, der im bombensicheren Einsatzraum des sonst ebenfalls geräumten Weißen Hauses operierte.

Der Kreis der engen Bush-Berater wird von seinem Stabschef Andrew Card (53), den Generälen Henry Shelton und Richard Myers (beide 59) sowie dem Justiz-Tandem aus Justizminister John Ashcroft (58) und Robert Mueller (56) ergänzt. Der frühere General-Motors-Manager Card war der erste, der Bush die Schreckensnachricht über die Flugzeugentführungen zuflüsterte. Auf die "Einflüsterungen" seines getreuen Leutnants hört der Präsident schon lange.

Ashcroft: Mann an der Heimatfront

Ashcroft, bei seiner Ernennung als Erzkonservativer von den Liberalen wütend angegriffen, ist nun der Mann am rechten Platz: Er muss an der Heimatfront schärfere Gesetze gegen Terroristen und eine damit verknüpfte strengere Überwachung durchsetzen, die auf Kosten der gewohnten Bürgerrechte gehen werden. Auch Mueller hat den Ruf eines knallharten Polizisten. Generalstabschef Shelton wollte Ende September aufhören, der Angriff auf World Trade Center und Pentagon kam kurz vor seinem Ruhestand. Myers ist sein designierter Nachfolger, ein Kenner von "Star Wars", der von den Terroristen unsanft auf den Boden irdischer Gefahren zurückgeholt wurde

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