Vizepräsidentschaftskandidatin
Sarah Palin – Superstar oder Witzfigur?

Anfangs sorgte Sarah Palin für viel Euphorie bei den US-Republikanern - doch die Vizepräsidentschaftskandidatin hat an Glanz verloren. Ihre gebündelte Unkenntnis über Russland, Afghanistan, Irak und vor allem über die Lage der US-Wirtschaft hat größte Zweifel an ihre Nominierung geweckt.

WASHINGTON. "Ich sprang von meinem Stuhl auf und schrie vor Freude. Ich war wie elektrisiert." Sharon Neufeld aus Great Falls in Virginia ist eine selbsterklärte stramme Republikanerin. Doch mit John McCain als Präsidentschaftskandidaten konnte sie nicht recht warm werden. Zu sprunghaft war er ihr, zu liberal. Schon dachte sie daran, ihrer Partei den Rücken zu kehren. Da kam die Nominierung von Sarah Palin für das Amt der Vizepräsidentin gerade recht. "Sie ist eine ganz normale Mutter, und sie wird gegen die Energiekonzerne kämpfen", sagt die 54-Jährige Neufeld.

Es ist gerade einmal einen Monat her, dass Sarah Palins Stern aufstieg. Während halb Amerika noch über Barack Obamas Rede auf dem Parteitag in Denver sprach, ließ John McCain die Bombe platzen und überraschte mit der Nominierung der Gouverneurin aus Alaska für das Amt der Vizepräsidentin. Die Wahl der unbekannten Politikerin galt schnell als Geniestreich, weil die Dame für all das stand, was der republikanischen Kampagne so sehr fehlte: Palin war ein neues Gesicht, sie wirkte unverkrampft und war noch dazu derart konservativ, dass die republikanische Basis ihre Freude an ihr hatte. Die 44-Jährige verkörperte nicht weniger als eine Frischzellenkur für den 72-Jährigen McCain.

Doch viel von diesem Glanz ist inzwischen abgeblättert. Denn mit der Finanzkrise beherrscht nicht nur ein ganz anderes Thema die Diskussion. Palins wenige Fernsehauftritte haben auch für spürbare Ernüchterung gesorgt: "Ich denke sie hat ziemlich gründlich - und wahrscheinlich unumkehrbar - bewiesen, dass sie nicht für den Job geeignet ist", zog George W. Bushs ehemaliger Redenschreiber David Frum eine vernichtende Bilanz. Andere Kritiker verlangen sogar von McCain, dass er Palin zurückzieht.

Dass es tatsächlich so weit kommt, gilt zwar als nicht gerade wahrscheinlich, weil ein Rückzieher McCains Kampagne einen massiven, möglicherweise tödlichen Rückschlag versetzte. Doch sollte sich Palin heute Abend in der Fernsehdebatte mit ihrem demokratischen Gegenspieler Joe Biden erneut blamieren, dann würde wohl kaum noch jemand für ihre Zukunft garantieren wollen.

Richtig angefacht haben die Diskussion Palins Auftritte bei CBS. Im Gespräch mit Moderatorin Katie Couric warf die Gouverneurin so vieles durcheinander, dass ihre Einlassungen zum Hit in den Comedy-Sendungen wurden. So kann etwa die Palin-Imitatorin Tina Fey inzwischen Millionengagen für Auftritte verlangen. Palins gebündelte Unkenntnis über Russland, Afghanistan, Irak und vor allem über die Lage der US-Wirtschaft hat größte Zweifel an McCains Auswahl geweckt. Dabei beschäftigt die Politik nicht so sehr, dass sie als Vizepräsidentin ebenfalls im Weißen Haus residieren würde. Vielmehr besorgt die Aussicht, dass sie als Vize automatisch US-Präsidentin würde, sollte dem betagten McCain eines Tages etwas zustoßen. Dieser Fall ist in der amerikanischen Geschichte immerhin schon mehrfach eingetreten.

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