Vizepremier John Prescott
Der Narr und sein Cowboy-Outfit

18 Monate lang hat Großbritaniens Vizepremier John Prescott die Urlaubsvertretung für Premier Tony Blair in den vergangenen Jahren gemacht. Trotz Skandalen und Affären will er im Augst erneut die Regierung übernehmen. Doch die Briten verlieren langsam das Vertrauen.

LONDON. Leichthin, als sei es nichts, bestätigte Großbritanniens bulliger Vizepremier John Prescott in einem Fernsehinterview, dass er, trotz Skandalen und Affären, im August wieder die Regierung zu übernehmen gedenkt: "Zwei Monate im Jahr bin ich in dieser Verantwortungsposition". Entsetzt rechneten die Briten zurück: Insgesamt 18 Monate lang hat "Prezza" die Urlaubsvertretung für Tony Blair in den vergangenen Jahren gemacht. Das ist länger, als mancher Premier im Amt war. Der Gedanke machte viele im Nachhinein schwindelig. Immerhin halten 45 Prozent Prescott, laut einer Umfrage der "Daily Mail", für einen "Narren". Mehr als drei Viertel der Inselbewohner haben kein Vertrauen in die Regierungsfähigkeiten ihres Vizepremiers.

Zu einer Spottfigur wurde Prescott erstmals, als er im Wahlkampf 2001 einen Bürger per Kinnhaken niederstreckte. Dabei blieb es nicht, immer neue Skandale kamen hinzu: die Affäre mit seiner Sekretärin, Gerüchte über weitere Seitensprünge, Kritik an seiner Amtsführung, Verstöße gegen Dienstgesetze und Ehrenregeln sowie die dubiose Freundschaft mit dem Kasino-König Phillip Anschutz, der im Londoner Dome ein Super-Kasino bauen will. Prescott werde nur noch als Aushängeschild für die Arbeiterklasse überhaupt im Kabinett geduldet, schrieb der "Guardian".

Nun soll Prescott wieder das Zepter übernehmen, wenn Blair im August in Ferien geht. Nie war die Diskussion darüber so leidenschaftlich wie in diesem Jahr. Erst vergangene Woche erstattete eine Unterhauskommission Bericht über den jüngsten Prescott-Skandal. Es ging um ein Cowboy-Outfit, das der Vizepremier als Geschenk von Casinokönig Anschutz akzeptiert hatte. "Er ist nicht mehr fit für das Amt", lautete da das trockene Urteil der "Times".

"Number 10" soll für den Fall neuer Enthüllungen bereits Notprozeduren für die Vertretung in der Schublade haben. Kabinettskollegen stehen um die Ehre des Stellvertreters Schlange. Die Opposition forderte offiziell, einen Anderen zu benennen. Prescott die Verantwortung zu übertragen sei "unverantwortlich", schimpfte Oppositionschef David Cameron.

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