Vodafone an französischer Mobilfunkbeteiligung interessiert
Vivendis fette Beute lockt Investoren

Der zweitgrößte Medienkonzern der Welt droht auseinander zu brechen. Doch noch bleiben die Interessenten in der Deckung.

abo/hps/juf/slo DÜSSELDORF. Um die Zukunft von Vivendi Universal, dem zweitgrößten Medienkonzern der Welt, deutet sich innerhalb des Unternehmens ein Machtkampf an. Geht es nach den Managern in den US-Sparten des Konzerns und US-Aktionären, dann soll sich Vivendi schnell von Teilen des Unternehmens trennen oder sogar ganz zerschlagen werden. Nur so können das Unternehmen die Liquidität angesichts eines Schuldenbergs von 42 Mrd. Euro sichern, heißt es. Der neue Vorstandschef Jean-René Fourtou, der diesen Mittwoch Abend bestellt werden soll, werde dagegen versuchen, ein Auseinanderbrechen von Vivendi in einen europäischen und einen US-Block zu verhindern, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Im Falle einer Zerlegung erwarten Branchenexperten, dass das Vivendi-Telekomgeschäft bestehend aus Cegetel und SFR sowie der Bezahlfernsehsender Canal Plus ganz oben auf der Verkaufsliste stehen wird. "Das Kunstgebilde wird praktikabel zerlegt", sagte der Manager einer Vivendi-Beteiligung in den USA. "Es wird dann zusammengefasst, was zusammen gehört." Jo Groebel, Präsident des Europäischen Medieninstituts, erwartet ebenfalls eine Aufteilung des Konzerns. "Damit kehrt wieder Effizienz ein", sagte er gestern.

Zu den ersten Interessenten für Teile des Konzerns zählt Ruper Murdochs News Corp. Das Medienunternehmen war schon vor Wochen bereit, 1,4 Mrd. $ für Vivendis italienischen Pay-TV-Sender Telepiu zu bezahlen. Man habe jetzt ein revidiertes Angebot gemacht und warte auf eine Entscheidung von Vivendi, sagte ein News-Corp-Sprecher.

Bei französischen Investoren gibt es Überlegungen, bei Vivendis TV-Sparte Canal Plus einzusteigen. So werden der Medien- und Rüstungskonzern Lagardere sowie der Film- und TV-Produzent Pathé genannt.

Die Telekom-Branche beobachtet gespannt, ob der britische Mobilfunkkonzern Vodafone sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt und seinen Anteil an dem zweitgrößten französischen Mobilfunker SFR erhöht. Der Weg dahin wäre eine Übernahme der SFR-Muttergesellschaft Cegetel, die Vivendi gehört. Aus dem Vodafone-Umfeld heißt es nur, man werde jede Chance dazu nutzen, solange der Preis stimmt. Chris Gent, Chef des britischen Mobilfunkkonzerns, will schon seit längerem seine SFR-Minderheitsbeteiligung aufstocken. Man wolle den freien Cash-Flow von 2,3 Mrd. Pfund am Ende des vergangenen Geschäftsjahres als Akquisitionswährung nutzen, unter anderem um den Anteil an SFR zu erhöhen, sagte Gent jüngst bei der Vorlage der Bilanz Ende Mai.

Vodafone besitzt zurzeit 32 % an SFR, wovon 20 % direkt gehalten werden und der Rest über eine 15-Prozent-Beteiligung an Cegetel. Nach Analystenschätzungen müsste Vodafone etwa 7 bis 9 Mrd. Euro für den Vivendi-Anteil an dem Mobilfunkbetreiber zahlen. Das wäre ein Aufschlag von 15 bis 30 % auf den derzeitigen Wert des Unternehmens - unter Umständen zu viel Geld für einen Mobilfunkkonzern, der angesichts der Telekom-Baisse an den Börsen kein Geld vergeuden und auch seine Schulden nicht erhöhen darf, sagen Analysten. Gegen einen Verkauf von SRF spricht auch, dass das Telekomunternehmen zu den umsatzstärksten Vermögenswerten bei Vivendi gehört.

Auch das Portfolio der Wasser- und Umwelttochter Vivendi Environnement gilt als verlockend. Als Wasserversorger steht Vivendi gemeinsam mit der französischen Suez Lyonnais des Eaux weltweit an der Spitze. Allerdings drücken das Unternehmen hohe Schulden. Vor rund zwei Jahren hatte sich RWE vergeblich um die Vivendi-Sparte bemüht. Die Fusion scheiterte, weil sich die Unternehmen nicht über die Führung einigen konnten.Vivendi brachte die Sparte an die Börse. Ob RWE nach wie vor Interesse an Vivendi-Teilen hat, gilt in der Branche aber eher als unwahrscheinlich. RWE-Chef Dietmar Kuhnt hat wiederholt betont, dass jetzt die Integration der jüngsten Zukäufe Priorität habe.

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