Vodafone setzt Verkäufe von Beteiligungen fort
Verwirrung um Infostrada-Käufer

Anleger, Analysten und die italienische Börsenaufsicht rätseln: Verhandelt Vodafone noch exklusiv mit Wind oder mit Winds Mehrheitsgesellschafter Enel über den Verkauf der Telekomgesellschaft Infostrada?

mab/fmd MAILAND/LONDON. Die italienische Börsenaufsichtsbehörde Consob hat genug: Sie forderte den italienischen Stromversorger Enel SpA, Rom, jetzt offiziell auf, Anleger und Öffentlichkeit darüber zu informieren, wer nun mit dem britischen Telekomkonzern Vodafone über die Übernahme von Italiens zweitgrößten Festnetzbetreiber Infostrada verhandelt: Enel selbst oder dessen Telefontochter Wind SpA, Rom.

Wind ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Enel (56%) und France Telecom (44%). Zeitungen hatten berichtet, dass - entgegen der bisherigen Darstellung der Beteiligten - France Telecom kein Interesse mehr an der Übernahme von Infostrada habe. Enel verhandele inzwischen allein weiter.

Enel wollte die Berichte nicht kommentieren. Der frühere Monopolist befindet sich nach wie vor mehrheitlich im Besitz des italienischen Staates. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte dem Handelsblatt: "Nur Kreise, die den Verhandlungen nicht nahe stehen, können entsprechende Spekulationen in die Welt setzen. Daher kommentieren wir die Gerüchte nicht." Man habe die Exklusiv-Verhandlungen von Vodafone mit Wind vor knapp drei Wochen öffentlich gemacht, danach habe es zur Sache keine weiteren Stellungnahmen gegeben.

Auch France Telecom und Vodafone äußerten sich zu den Gerüchten nicht. Die italienische Wirtschaftszeitung "Il sole 24 ore" schrieb, dass Enel den Preis für Infostrada hauptsächlich über einen syndizierten Großkredit in Höhe von 10 Mrd. Euro bezahlen will. Experten schätzen die insgesamt erforderliche Summe auf etwa 12 Mrd. Euro. Drei Banken sollen die Transaktion koordinieren: die Madiobanca aus Italien, Barclays aus England und ein drittes Institut, möglicherweise Deutsche oder Dresdner Bank.

Vodafone sieht in Festnetzgesellschaft keinen Nutzen

Mit dem absehbaren Verkauf von Infostrada setzt Vodafone die Strategie fort, sich von Mannesmann-Beteiligungen zu trennen, die der Konzern nicht als Kerngeschäft ansieht. Im Gegensatz zu Mannesmann sieht Vodafone keinen strategischen Vorteil darin, parallel zum Mobilfunkgeschäft Festznetzgesellschaften zu betreiben.

Den Anfang machte Vodafone mit dem Verkauf des Automobilzuliefergeschäfts Atecs an die deutschen Unternehmen Siemens und Bosch für 5,8 Mrd. £. Es folgte der Verkauf des Mobilfunkunternehmens Orange an die France Telecom für 25 Mrd. £. Auf 4,6 Mrd. £ wurde der Preis geschätzt, den die französische Vivendi-Gruppe für Vodafones 15%ige Beteiligung an Cégétel zahlte.

Im Juli veräusserte das britische Unternehmen außerdem die Mannesmann-Uhrengruppe, zu der so bekannte Marken wie IWC, Jaeger-Le-Coultre, A. Lange & Söhne gehören, für 1,12 Mrd. £ an den Schweizer Luxusgüter-Konzern Compagnie Financiér Richemont.

Noch nicht endgültig klar sind die Pläne von Vodafone für die deutsche Festnetzgesellschaft Mannesmann Arcor AG & Co. Im Mai hieß es, dass bis zu einem Fünftel der Gesellschaft an die Börse geführt werden soll. Mittlerweile will sich Vodafone mit gut der Hälfte zufrieden geben. Derzeit führt der Konzern mit der Deutschen Bahn, die 18 % an Arcor hält, Verhandlungen über einen Börsengang. Durch eine Kapitalerhöhung bei Arcor im Zuge des Going Public könnte sich der Anteil der Bahn verringern. Eine weitere Option ist, dass Vodafone wie bei Infostrada einen Börsengang kippt und das Unternehmen direkt verkauft.

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