Vodafone signalisiert Interesse an Tochter
Vivendi-Chef Fourtou verliert Vertrauen

Während er die Banken durch immer neue Zugeständnisse zur Kreditvergabe drängt und die Kleinanleger per Aktionärsbrief beruhigt, wächst die Skepsis bei Großanlegern und Analysten.

abo HB PARIS. Mehr als ein Hoffnungsschimmer ist es bislang nicht: Am Montag bestätigte der britische Telefon-Riese Vodafone, dass das Unternehmen mit dem angeschlagenen Medienkonzern Vivendi Universal S.A. über die vollständige Übernahme des Internet-Portals "Vizzavi" verhandelt. 150 Mill. Euro könnte das in die leeren Kassen von Vivendi bringen - im Moment nicht viel mehr als ein Tropfen Wasser auf einen heißen Stein. Die Vivendi-Aktie konnte darauf hin zwar recht deutlich zulegen, doch Analysten bezeichnete den Anstieg um 20 % lediglich als technische Reaktion. In der Vorwoche hatte das Vivendi-Papier mit weniger als 9 Euro einen historischen Tiefstand erreicht.

Eine mögliche komplette Übernahme von "Vizzavi" durch Vodafone lässt Börsen- und Finanzkreise weitestgehend kalt. Trotzdem wachsen vielmehr die Sorgen, dass das neue Vivendi-Management um den früheren Aventis-Manager Jean-René Fourtou den angekündigten Umschwung nicht erreichen wird. Fourtou hatte seinen erfolglosen Vorgänger Jean-Marie Messier erst vor wenigen Wochen abgelöst.

"Messier hat ein halbes Jahr gebraucht, um den Kurs um 70 Prozent abstürzen zu lassen", sagte ein Pariser Banker mit Blick auf den Kursverfall der Vivendi-Aktie in der vergangenen Woche, "Fourtou hat für weitere 45 Prozent nur drei Tage gebraucht." Angesichts der enttäuschenden Ergebnisse seiner ersten Amtswochen fragen sich Analysten in Paris, ob Fourtou seine Möglichkeiten nicht weit überschätzt hat. "Messier war vielleicht größenwahnsinnig, aber jeder wusste: Er wollte Vivendi zum größten Medienkonzern machen", meinte ein Analyst. Unter Jean-René Fourtou sei es unkalkulierbar geworden, welchen Kurs der Konzern steuere.

Brief an die Aktionäre

Mit einem Schreiben an seine Aktionäre versuchte der Vivendi-Chef, verlorenes Vertrauen bei den Anteilseignern zurückzugewinnen. Darin erklärt Fourtou, er sei zuversichtlich, das französisch-amerikanische Unternehmen aus der Krise führen zu können. "Trotz der schwierigen Umstände zähle ich auf die Mobilisierung aller", schrieb er an die Aktionäre. "Ich habe die absolute Überzeugung, dass wir es schaffen werden", verbreitete Fourtou Zweckoptimismus. Er rechne damit, dass der Konzern bis Ende September eine Banken-Finanzierung von etwa 2 Mrd. Euro auf die Beine stellen könne.

In dem selben Brief schloss Fourtou aber die Abgabe von Tochterunternehmen wie Vivendi Environnement, Cegetel, Canal Plus, Universal Music, Vivendi Universal Entertainment sowie von Verlagsbeteiligungen aus. Nur der Verkauf des Verlags Houghton Mifflin wird in dem Aktionärsbrief bekräftigt. In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Spekulationen um mögliche Verkäufe durch Vivendi gegeben. Das Unternehmen hatte die Spekulationen selbst durch die Ankündigung genährt, durch Verkäufe ertragreicher Töchter 5 Mrd. Euro erlösen zu wollen.

Eindruck der Ratlosigkeit

Der Eindruck der Ratlosigkeit, den Analysten bereits gewonnen haben, wird durch den Aktionärsbrief zusätzlich genährt. Zwei Optionen schlägt Fourtou darin für Vivendi vor, stellt sie aber zugleich wieder in Frage. "Wir könnten den Aufbau eines internationalen Medien- und Kommunikationskonzerns weiter verfolgen - mit welcher Strategie?", fragte Fourtou.

In dem Schreiben gab Fourtou auch erstmals eine "kurzfristig dramatische Liquiditätskrise" zu. Der Abschluss der dringend erwarteten Milliarden-Kreditlinie, die Vivendis Liquidität sichern soll, sei nur noch eine Formsache. Fourtous Begründung: Das Unternehmen haben in der vergangenen Woche weiteren Auflagen der Banken zugestimmt.

Doch der Kredit, der die Fortschreibung einer erst 2007 fälligen Kreditlinie darstellt, stand eigentlich schon Ende Juli zur Verlängerung an. Damals war dann Ende August als Datum für die angekündigte Verlängerung genannt worden. Auch das sorgte in Pariser Börsen- und Finanzkreisen für neue Skepsis.

Die Ratingagentur Standard & Poor?s hält das Zustandekommen des Kredits für so entscheidend, dass sie angekündigt hat, Vivendis Schulden nochmals herabzustufen, wenn die Banken einen Rückzieher machen sollten - auf die Stufe CCC, knapp über jener für die Insolvenz.

Auch intern hat Fourtou offenbar Schwierigkeiten

Sein neuer Finanzchef Jacques Espinasse blamierte sich bei der telefonischen Präsentation der Halbjahresergebnisse vor Analysten. Fourtous neuer Stellvertreter Jean-Bernard Lévy kommt vom Broker Oddo Pinatton. Seine Erfahrung mit dem Mediengeschäft beschränkt sich auf ein Engagement bei der Lagardère-Tochter Matra Communications.

Zudem verunsicherte Fourtou sein Mitarbeiter durch kryptische Entlassungsdrohungen. Vor Analysten erklärte er, man werde "das Leben in den Hauptverwaltungen etwas weniger komfortabel gestalten". Seither geht im Pariser, mehr noch im New Yorker Firmensitz des Konzerns die Angst um.

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