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Völler baut gegen Lettland zweite Sturmspitze ein

Almancil (dpa) - Rudi Völler bricht seine Beton-Abwehr auf und will die Letten im Sturm erobern. Kevin Kuranyi bekommt im zweiten EM-Gruppenspiel im Angriff Fredi Bobic an die Seite gestellt, denn bei der in Porto befürchteten Hitzeschlacht fordert der DFB-Teamchef einen Sieg.

Almancil (dpa) - Rudi Völler bricht seine Beton-Abwehr auf und will die Letten im Sturm erobern. Kevin Kuranyi bekommt im zweiten EM-Gruppenspiel im Angriff Fredi Bobic an die Seite gestellt, denn bei der in Porto befürchteten Hitzeschlacht fordert der DFB-Teamchef einen Sieg.

«Es kommt eine zweite Sturmspitze rein. Wir müssen ein bisschen mehr Torgefahr entwickeln», verkündete der Teamchef. Während Völler schon ein knapper Erfolg gegen den krassen Außenseiter der Gruppe D genügen würde, weckt der im Sturm als Alleinunterhalter erlöste Kuranyi Hoffnungen auf ein Schützenfest: «Ich glaube, gegen die Letten müssen wir viel Druck machen und viele Tore schießen», erklärte der 22-jährige Stuttgarter.

Für Bobic, dem Völler öffentlich gute Chancen auf den offenen Platz in der Anfangsformation einräumte, muss aus dem Mittelfeld wohl Frank Baumann weichen. Der Bremer gab sich zwar optimistisch, in der Startelf zu bleiben, würde sich aber klaglos auf die Bank setzen: «Ich werde jede Entscheidung des Teamchefs akzeptieren.» Denn wie bei der WM 2002 gilt auch in Portugal schon nach dem ersten Spiel gegen die Niederlande (1:1) wieder die mannschaftliche Geschlossenheit als der vermeintlich größte deutsche Trumpf. Völler verlangt gegen die defensiven Letten aber mehr als nur gute deutsche Wertarbeit: «Nur mit Teamgeist und Laufen kannst du keine Spiele gewinnen. Wir werden gegen die Letten mehr Ballbesitz haben, darum müssen die Spieler auch ihre spielerischen Qualitäten ausspielen.»

Die Rückkehr zum gewohnten 4-4-2-System wird besonders von Kuranyi gut geheißen. «Gegen die Niederlande war die Taktik mit einer Spitze richtig, aber gegen die Letten müssen wir mehr Druck machen», sagte der Stuttgarter. Eine Priorität, wer neben ihm stürmen sollte, mochte er nicht äußern. Aber die aktuelle Form und die Vergangenheit spricht eindeutig für Bobic, wie auch Völler einräumte: «Er ist im Moment in ganz guter Verfassung.» Mit drei Treffern des Sturmduos Bobic/Kuranyi löste der Vize-Weltmeister in den letzten zwei entscheidenden Qualifikations-Spielen gegen Schottland (2:1) und Island (3:0) das EM-Ticket. Weiteres Indiz: Gegen die Niederlande kam als Stürmer Bobic für Kuranyi ins Spiel.

Für Völler wird die Auseinandersetzung mit dem vermeintlich leichtesten Gegner zum absoluten Charakter-Test. Nach dem Abendspiel gegen die Niederlande müssen die Deutschen dieses Mal um 17 Uhr Ortszeit in der prallen Nachmittagssonne antreten. «Das ist eine Willensfrage, wer bereit ist, bei der Hitze an die Grenze zu gehen», betonte der 44-Jährige. Die Spieler wüssten genau, was klimatisch auf sie zukommt, versicherte Baumann: «Da verliert man vier, fünf Kilo. Man muss mehr trinken, schon am Tag zuvor. Die Hitze ist ein Nachteil für die Mannschaft, die das Spiel machen muss und darum weitere Wege gehen muss.»

Während Kapitän Oliver Kahn und Co. nach dem freien Tag wieder trainieren mussten, bastelte Völler im Quartier ununterbrochen mit dem Trainerstab am Erfolgsrezept gegen Lettland. Der Turnier-Neuling hatte ihn trotz der 1:2-Niederlage im Auftaktspiel gegen die Tschechen beeindruckt. Auch wenn sie defensiv ausgerichtet seien, «haben sie ihre große Stärke gerade in der Offensiv-Bewegung. Da müssen wir höllisch aufpassen», warnte Völler. Beim Video-Studium machte er am Donnerstag auch sein Team mit den unbekannten Balten vertraut und ermahnte seine Akteure eindringlich, den Gegner nicht zu unterschätzen: «Das wäre fatal. Wir können keine Mannschaft mit 80 oder 90 Prozent schlagen. Das könnte bei diesem Turnier nur eine Mannschaft: Frankreich, aber die tun es auch nicht.»

Überhaupt versucht Völler, den positiven Turnierstart gegen die Niederlande nicht überzubewerten. Nachlegen sei angesagt, «um es in unserer Gruppe bis zum Ende der Vorrunde spannend zu halten». An Rechenspielen, dass bei einem Sieg über die Letten mit mindestens zwei Toren Unterschied im letzten Vorrundenspiel gegen Tschechien bereits ein Unentschieden zum Einzug ins Viertelfinale reichen würde, will sich Völler im Vorfeld partout nicht beteiligen: «Es wird schon schwer genug, das Spiel überhaupt zu gewinnen.»

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