Völler gibt Erholung Vorrang
Völler gönnt Spielern eine Atempause

So spät wie nie zuvor in seiner Amtszeit zieht Rudi Völler die deutsche Fußball-Nationalmannschaft an diesem Mittwoch vor einem Länderspiel zusammen. Erst zwei Tage vor dem Testspiel am Freitag in Sarajevo gegen Bosnien-Herzegowina versammelt der Teamchef sein Personal in Neu-Isenburg.

dpa NEU-ISENBURG. Mit dieser zeitlichen Selbstbeschränkung in der Vorbereitung trägt Völler den schlauchenden "englischen Wochen" Rechnung, die hinter den meisten der 22 nominierten Akteure liegen: "Genau das ist der Hintergrund. Die Spieler sollen nach den anstrengenden letzten Wochen einmal etwas länger abschalten und sich erholen können."

Der 42-Jährige verriet noch ein weiteres Argument für sein Freizeit-Geschenk an Kapitän Oliver Kahn und Co.: "Der zweite Grund ist, dass das EM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer-Inseln das wichtigere Spiel ist", so Völler. Erst am kommenden Mittwochabend geht es in der noch nicht ausverkauften AWD-Arena in Hannover im letzten Pflichtspiel des Weltmeisterschafts-Jahres um drei Punkte für die Teilnahme an der Europameisterschaft 2004 in Portugal.

Der Countdown für die Länderspiel-Premiere gegen die bosnische Auswahl um Bayern-Profi Hasan Salihamidzic dauert zwischen dem Treffpunkt am Mittwoch und dem Anstoß im "Olimpijski Stadion Kosevo" gerade 56 Stunden. Lediglich zwei Trainingseinheiten hat Völler vor der Partie anberaumt. Im engen Zeitplan steht dafür am Donnerstag nach der Anreise nach Sarajevo sogar noch ein Besuch der DFB-Auswahl bei den in der bosnischen Hauptstadt stationierten deutschen Soldaten der SFOR auf dem Programm.

Die Dienstreise soll allerdings auch sportlich ihren Zweck erfüllen, betonte Völler. "Wir wollen unsere Sache ordentlich machen und einiges ausprobieren", kündigte der Teamchef einige Experimente für das 31. Länderspiel unter seiner Führung an. Aus diesem Grund hat Völler auch einen großen Kader mit 22 Akteuren berufen, in dem lediglich hinter dem Dortmunder Christoph Metzelder (Achillessehnen- Beschwerden) ein Fragezeichen steht.

Talente wie der Berliner Arne Friedrich (22 Jahre/1 Länderspiel), die Bremer Tim Borowski (22/1) und Fabian Ernst (23/2) sowie Paul Freier (23/2) vom VfL Bochum sollen eine weitere Bewährungschance in der DFB-Auswahl erhalten, in der die bewährten Kräfte allerdings auch nach der Weltmeisterschaft weiter erste Wahl sind.

Noch 15 der 22 Vize-Weltmeister von Japan und Südkorea stehen im Aufgebot. Und die drei WM-Teilnehmer Christian Ziege (Tottenham Hotspur), Jörg Böhme (Schalke 04) und Frank Baumann (Werder Bremen) fehlen gegen Bosnien und die Färöer allein aus Verletzungsgründen. Außerdem kehren nach ihren langwierigen Verletzungen die beiden 30 Jahre alten Routiniers Christian Wörns (Borussia Dortmund) und Marko Rehmer (Hertha BSC) in den Kreis der Nationalmannschaft zurück, was auch nicht für einen radikalen Verjüngungsprozess im Hinblick auf die EM 2004 spricht. Zumal Völler sogar "Standby"-Nationalspieler Thomas Linke (32) vom FC Bayern München, der ursprünglich nach der WM seinen Rücktritt aus der DFB-Auswahl erklärt hatte, noch nicht endgültig in den Ruhestand verabschieden will: "Thomas Linke wird ein Thema bleiben, wenn Not am Mann ist. Das ist jetzt nicht der Fall."

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