Völler: "Ich bin bestürzt“
„Emma“ hat den letzten Kampf verloren

Der frühere Fußball-Nationalspieler Lothar Emmerich hat den Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren. Am späten Mittwochabend erlag der ehemalige Spieler von Borussia Dortmund im Alter von 61 Jahren seinem Krebsleiden in der Lungenklinik Hemer.

HB/dpa DORTMUND. "Ich bin bestürzt. Ich habe ihn vor wenigen Wochen getroffen, da war er guter Dinge und hat gehofft", sagte DFB-Teamchef Rudi Völler. Der ehemalige Dortmunder Trainer Ottmar Hitzfeld meinte: "Emmerich hinterlässt beim BVB eine große Lücke." Um das große Idol der 60er Jahre trauern seine Lebensgefährtin Roswitha und die Kinder Nicole und Michael.

Bereits im Januar wurde bei Emmerich Lungenkrebs diagnostiziert. In der Spezialklinik ließ sich der 61-Jährige behandeln und zeigte sich nach erster überstandener Chemotherapie optimistisch und kämpferisch. "Ich habe alle Chancen, wieder ganz gesund zu werden. Ihr kennt doch Emma - der war immer ein Kämpfer", sagte der legendäre Dortmunder Torjäger. Emmerich war sogar in seinen Job als hauptamtlicher Fan-Beauftragter beim BVB zurückgekehrt. Vor etwa vier Wochen erlitt "Emma", wie ihn seine Fans liebevoll nannten, einen Rückschlag, von dem er sich nicht mehr erholte.

Berühmt machte den Linksaußen ein Tor für die Ewigkeit. Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England drosch der Stürmer beim 2:1 gegen Spanien den Ball aus unmöglichem Winkel zum Ausgleich für die deutsche Nationalmannschaft ins Netz. Das "Jahrhundert-Tor" war geboren, der Name des Schützen fortan in aller Munde. Bis zuletzt wurde der sympathische Sportsmann immer wieder auf diese Szene vom 20. Juni in Birmingham angesprochen.

Die große Popularität des Vizeweltmeisters von 1966 und zweimaligen Bundesliga-Torschützenkönigs machte sich auch der BVB zu Nutze. Von 1999 an arbeitete der gebürtige Dortmunder gemeinsam mit seinem ehemaligen Teamkollegen "Aki" Schmidt als Fan-Beauftragter. "Bessere Leute hätten wir für diesen Job nicht finden können", begründete BVB-Manager Michael Meier damals die Personalie.

Begonnen hat die Karriere des Bergmannssohns und gelernten Autoschlossers beim SC Dorstfeld 09, ehe 1963 die damals gegründete Bundesliga lockte. Mit einer außergewöhnlichen Bilanz von 115 Toren in 183 Spielen war der Dortmunder Stürmer in den 60er Jahren einer der Besten seiner Zunft. "Ich habe seine Spiele mit 15, 16 Jahren im Stadion Rote Erde verfolgt. Es hat mich immer mit Stolz erfüllt, dass er so viel für die Beliebtheit des BVB und der Region getan hat", sagte Borussia Clubchef Gerd Niebaum.

Das Toreschießen war "Emmas" große Leidenschaft und Stärke. Selbst als er gegen Ende seiner Karriere nach Aufenthalten in Belgien (AC Beerschot) und Österreich (Austria Klagenfurt) nach Deutschland zurückkehrte, ließ der Linksaußen noch ein Mal seine Klasse in der 2. Liga aufblitzen. Für die Würzburger Kickers erzielte der damals 37- Jährige 28 Treffer. Sein Motto machte ihn berühmt: "Gib mich die Kirsche", heißt ein vor zwei Jahren erschienenes Buch über den Borussen-Torjäger.

Auch bei seinen Auslandsaufenthalten sorgte "Emma" für Furore, nicht nur vor des Gegners Tor. 1970 in Belgien geriet er vor einem Spiel gegen Royal Antwerpen in die Hände von Kidnappern. Erst 24 Stunden nach der Partie wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Wohin und von wem er entführt wurde, ist bis heute nicht bekannt geworden.

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