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Völler kämpft um WM 2006 - Hitzfeld drückt die Daumen

Winden im Elztal (dpa) - Für Rudi Völler hat im idyllischen Elztal auch der Kampf um seine persönlichen Zukunfts-Chancen begonnen. In zwölf Tagen Vorbereitungslager und in drei Testspielen muss der DFB-Teamchef die angeschlagene Nationalmannschaft wieder auf Vordermann bringen.

Winden im Elztal (dpa) - Für Rudi Völler hat im idyllischen Elztal auch der Kampf um seine persönlichen Zukunfts-Chancen begonnen. In zwölf Tagen Vorbereitungslager und in drei Testspielen muss der DFB-Teamchef die angeschlagene Nationalmannschaft wieder auf Vordermann bringen.

Das ist auch dringend nötig, damit vom 15. Juni an in Portugal im Konzert der europäischen Spitzenteams mithalten kann. Mit einer ordentlichen EM-Endrunde würden die Spieler auch Völlers historische Möglichkeit sichern, 2006 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land den Takt anzugeben. «Als Trainer wirst du an Turnieren gemessen», weiß Völler. Die erste große Bewährungsprobe als Verantwortlicher des dreimaligen Welt- und Europameisters hat seinen Heldenstatus zwar untermauert, doch nun lauern anders als bei der WM vor zwei Jahren in Asien einige Gefahren für das «Denkmal» Völler.

«Rudi hat Hitzfeld im Nacken», titelte am Tag des EM-Tests gegen Malta Deutschlands größte Boulevard-Zeitung («Bild»). Schon 19 Tage vor dem ersten Spiel gegen die Niederlande sind damit Spekulationen eröffnet für den Fall, das Unternehmen EURO würde in Portugal ebenso kläglich scheitern wie bei der Endrunde 2000. Damals war Erich Ribbeck nach dem Vorrunden-Aus zurückgetreten. Und hätte in jenen turbulenten Tagen nach dem abschließenden 0:3-Desaster gegen Portugals B-Team Ottmar Hitzfeld vom FC Bayern die Freigabe bekommen, würde der erfolgreichste deutsche Trainer wohl schon jetzt für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) arbeiten. Nach seinem Abschied aus München wäre es für Hitzfeld selbst nur eine «logische Folge», dass in seiner Karriere nach Dortmund und Bayern in Deutschland nun die Station Bundestrainer folgt.

«Für uns ist das gar kein Thema, weil klar war, dass nicht nur bei der Nationalmannschaft viel spekuliert wird, wenn ein Mann wie Hitzfeld auf dem Markt ist», reagierte der DFB nach außen unaufgeregt. «Ich sehe das ganze gelassen, unabhängig von Ottmar Hitzfeld», sagte Völler. Und auch «Schattenmann» Hitzfeld versuchte, die Brisanz aus der Geschichte zu nehmen: «Ich drücke Rudi Völler die Daumen, dass er es auch bis zur WM 2006 schafft.» Die Chancen dafür stehen auch deshalb gut, weil Völler anders als sein Vorgänger Ribbeck bei den Spielern, im DFB, bei Experten und in der großen Öffentlichkeit eine breite Unterstützung findet. Rudi ist vier Jahre nach seinem überraschenden Amtsantritt trotz einiger Fehler in der Vergangenheit noch immer der Sympathieträger schlechthin.

In den vergangenen Monaten hatte Völler mehrfach und auf verschiedene Weise jedoch auch deutlich gemacht: Er will zwar bis mindestens 2006 in jenem Job arbeiten, der wie kaum ein anderer im öffentlichen Focus steht. Spätestens nach seiner legendären Wutrede von Reykjavik gegen die «Gurus» wie Günter Netzer ist aber auch klar, dass es für Völler Grenzen gibt. Es könnte durchaus eine Situation entstehen, da wäre es ihm «das Ding nicht mehr wert», ließ der 44- Jährige damals durchblicken.

Selbst ein «normales» Vorrunden-Aus in Portugal würde nach jetzigem Stand die Position Völlers nicht gefährden. «Da können die Schlagzeilen noch so groß sein. Für uns ist klar, dass Rudi Völler bis mindestens 2006 Teamchef ist», erklärte DFB-Sprecher Harald Stenger. «Unabhängig von Sieg und Niederlage ist entscheidend, dass sich die Mannschaft als Einheit präsentiert», setzte Völler die für ihn entscheidende Prämisse.

Weitere Vorstellungen wie beim jüngsten 1:5 in Rumänien könnten aber nur noch schwer zu korrigierende Abläufe in Gang setzen, wie sie Hitzfeld zuletzt bei der vorzeitigen Ablösung durch Felix Magath beim FC Bayern zu spüren bekam. Auch deshalb spricht der 55-Jährige lieber über positive Möglichkeiten für die DFB-Elf: «Bei der letzten WM standen wir auch nicht auf der Rechnung. Aber das Team ist wieder fähig, über sich hinaus zu wachsen.»

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