Völler optmistisch für 2004 und 2006
Kritik an Daums Schelte gegen deutschen Fußball

Spieler der deutschen Nationalmannschaft und Verantwortliche haben mit Unverständnis auf eine Pauschalkritik von Christoph Daum am System des deutschen Fußballs reagiert. Daum ist der Meinung, dass Deutschland bei der EM 2004 und bei der WM 2006 keine überragende Rolle spielen wird.

HB DÜSSELDORF. "Ich schätze ihn als Trainer, aber ich weiß nicht, ob er zu diesem Thema richtig informiert ist. Ich glaube nicht, dass wir uns bei den nächsten Turnieren verstecken müssen", sagte Nationalstürmer Fredi Bobic mit Hinweis auf die Entwicklung jüngerer Akteure wie Kevin Kuranyi oder Andreas Hinkel gerade in den vergangenen Monaten. "Wir werden am Samstag trotzdem ein Länderspiel haben", erklärte Teamchef Rudi Völler und ergänzte mit Blick auf die Partie gegen Frankreich: "Ich hoffe, dass wir ihn eines Besseren belehren können."

"Ich gehe davon aus, dass wir bei der EM im nächsten Jahr und bei der WM 2006 keine überragende Rolle spielen werden", hatte der ehemalige Leverkusener Trainer Daum in einem Interview mit dem Kölner "Express" gemeint. Erst 2010 könne Deutschland wieder im "Konzert der Großen" mitspielen. "Aber auch nur dann, wenn wir im Nachwuchs neue Wege gehen", sagte Daum, der im Jahr 2000 wegen einer Kokain-Affäre das Bundestraineramt nicht übernehmen konnte.

"Ich weiß nicht, was er damit bewirken will", entgegnete Völler, wollte aber die Aussagen Daums "nicht auf die Goldwaage legen". Auch Jens Jeremies blieb gelassen: "Es darf jeder sagen, was er möchte." Der Münchner betonte aber auch: "Wir haben das absolute Potenzial, mit jeder Mannschaft mithalten zu können. Ob es reicht für die EM, wird nicht nur die Frage des fußballerischen Vermögens sein, sondern auch der mentalen Stärke." Völler ist schon für die EM 2004 optimistisch, dass sich vor allem die jungen Leute gut präsentieren. "Noch optimistischer bin ich für 2006", so der Teamchef.

Daum hält das Konzept des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit landesweiten Fußball-Stützpunkten für den falschen Weg. "Da werden Millionen aus dem Fenster geworfen. Mit diesem Gießkannenprinzip, hier mal ein Tröpfchen, da mal ein Tröpfchen, erreichst du doch nichts", sagte Daum. Der heutige Chefcoach des türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul fordert daher radikale Veränderungen in der Nachwuchsarbeit: "Ich weiß, dass dieser Begriff in Deutschland kritisch gesehen wird. Aber ich sage es trotzdem. Es müssen Eliteschulen für Fußballtalente her."

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