Völler und Beckenbauer contra Mayer-Vorfelder
Raueres Klima für Nationalteam

Mit der Ankunft in Schottland wurde für die deutschen Fußballer das Klima rauer: Nach einer Woche Trainingslager im tropisch-heißen Wolfsburg begrüßten dicke Regenwolken und deutlich kühlere Temperaturen den Vize-Weltmeister in Glasgow. Doch auch intern herrschte zwei Tage vor dem vorentscheidenden EM- Qualifikationsspiel gegen die Mannschaft von Ex-Bundestrainer Berti Vogts längst nicht überall eitel Sonnenschein.

HB/dpa GLASGOW. Teamchef Rudi Völler sorgte sich noch immer um seinen offensichtlich schwerer angeschlagenen Abwehrchef Carsten Ramelow und um die Erwartungshaltung seines Verbandspräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder.

"Ich erwarte sechs Punkte aus den Spielen gegen Schottland und Färöer. Das muss schon drin sein", unterstrich der DFB-Chef, der als Delegationsleiter den Sonderflug LH 4564 von Hannover nach Glasgow anführte. Völler wollte sich dieser Diktion nicht vorbehaltlos anschließen. "Natürlich ist unsere Zielsetzung der Sieg. Aber manchmal gibt es Spiele, in denen man sich mit etwas weniger zufrieden geben muss", deutete der 43-Jährige dass er sich bei entsprechendem Spielverlauf am Samstag (16.00 Uhr/ARD) im Hampden Park auch mit einer Punkteteilung begnügen würde.

Unterstützung erhielt Völler von Franz Beckenbauer. Auch der "Kaiser" könnte mit einem Unentschieden leben, zumal mit einem Sieg vier Tage später auf Färöer die Tabellenführung in der Gruppe fünf gefestigt wäre. "Ich bin überzeugt, dass wir gegen Schottland auf keinen Fall verlieren werden. Aber das heißt nicht, dass wir unbedingt gewinnen werden", sagte Beckenbauer. Vogts wisse, "dass er die schlechtere Mannschaft hat. Aber nicht immer gewinnt der Bessere."

Völler räumte am Donnerstag erstmals ein, dass es bei dem Doppelspieltag nicht nur um Qualifikations-Punkte und ums Prestige gegen Ex-Bundestrainer Berti Vogts geht, sondern um die Bewertung der der ganzen Saison. "Mit zwei positiven Ergebnissen können wir einen ganz großen Schritt machen. Mit einer Niederlage würde alles wieder in Frage gestellt werden", sagte Völler. Nach den zahlreichen dürftigen Vorstellungen, unter anderem das 1:1 vor gut zwei Monaten gegen Qualifikationsgegner Litauen, würde ein erneuter Nackenschlag nicht nur die Tabellenführung kosten. Auch Völlers Verjüngungskur stünde zur Diskussion.

Viel dringlicher aber scheinen Völlers aktuelle personellen Probleme, denn auch zwei Tage vor dem Anpfiff waren Abwehrchef Carsten Ramelow und sein Stellvertreter Frank Baumann wegen hartnäckiger Beschwerden nicht voll einsatzfähig. Zwar tat Völler die Zwangspausen als "reine Vorsichtsmaßnahmen" ab, doch konnte er damit die zunehmenden Zweifel nicht zerstreuen. "Carsten hat Reizungen an beiden Achillessehnen, vor allem am linken Bein. Es ist eine Folge der Überbelastung in dieser Saison", berichtete Mannschaftsarzt Josef Schmitt, der am Donnerstag noch keine Garantie für eine rechtzeitige Genesung abgeben wollte. Ramelow selbst gab sich zuversichtlich: "Ich gehe davon aus, dass ich es bis Samstag schaffe. Ich werde rund um die Uhr behandelt." Noch kritischer ist die Situation bei Baumann, der an einer Bänderdehnung im Knie laboriert.

Trotz des Klimawechsels stieg die Betriebstemperatur im Team spürbar an. "Die Mannschaft ist heiß, das weiß ich", sagte Michael Ballack, der nach verletzungsbedingter Pause erstmals seit dem 20. November (1:3 gegen die Niederlande) wieder in der deutschen Elf steht. Mit seiner Rückkehr erhofft sich Völler auch mehr Spielkultur und vor allem mehr Zielstrebigkeit als in den letzten Spielen. Zusammen mit Schneider soll Ballack die Akzente in der Offensive setzen, abgeschirmt von Jens Jeremies. Den Abwehrverbund sollen Ramelow, Christian Wörns und der wieder genesene Arne Friedrich bilden. Torsten Frings wird wie bei der WM die rechte Seite übernehmen, auf links ist Tobias Rau ohne Konkurrenz. Und im Angriff vertraut Völler auf Miroslav Klose und Fredi Bobic.

Voraussichtliche Aufstellung: Kahn - Friedrich, Ramelow, Wörns - Frings, Schneider, Jeremies, Ballack, Rau - Bobic, Klose

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