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Völler will Auszeit nach „Hölle von Rom“

Ein warmer Abschiedsapplaus in Italien und die Aussicht auf eine Rückkehr nach Leverkusen haben Rudi Völler das unglückliche Ende seines Trainer-Abenteuers beim AS Rom erträglicher gemacht.

dpa ROM/LEVERKUSEN. Ein warmer Abschiedsapplaus in Italien und die Aussicht auf eine Rückkehr nach Leverkusen haben Rudi Völler das unglückliche Ende seines Trainer-Abenteuers beim AS Rom erträglicher gemacht.

"Jetzt werde ich erst mal durchatmen", sagte Völler der dpa. Während der 44-Jährige nach den höchst turbulenten 25 Tagen in Rom eine Auszeit nimmt, wird in Leverkusen bereits über seine Rückkehr zu Bayer spekuliert. Die Römer, die mit Luigi Del Neri als Nachfolger verhandeln, versinken derweil vor dem Champions-League-Spiel bei Real Madrid in einem Sumpf von Meuterei-Gerüchten und Schuldzuweisungen.

"Ich mache jetzt die Pause, die ich sowieso machen wollte", versuchte der ehemalige Teamchef der deutschen Nationalmannschaft nach seinem zweiten Rücktritt innerhalb von drei Monaten einen Schlussstrich zu ziehen. Eine sofortige Rückkehr zu Bayer Leverkusen ist derzeit kein Thema. Gleichzeitig betonte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser aber, dass für den bereits im Sommer als Sportdirektor vorgesehenen Völler die Türen offen stehen. "Möglich ist, dass wir uns irgendwann positiv unterhalten werden", sagte Holzhäuser.

Nach der "Hölle von Rom" würden Völler die Arbeitsbedingungen bei dem Bundesligisten sicher paradiesisch vorkommen. Die "La Gazzetta dello Sport" sprach offen von einer "Spieler-Meuterei", der Völler zum Opfer gefallen sei. "Meuterei, das stimmt nicht", entgegnete Völler. Die Zerrissenheit und Undiszipliniertheit der römischen Mannschaft aber ist offenkundig. "Völler war schuldlos. Hier sind Leute auf dem Platz, die nicht laufen", sagte Roms Mittelfeldspieler Daniele De Rossi.

"Die Mannschaft hat in Bologna ohne Einsatz und Seele gespielt. Ich habe mich dafür vor unseren Fans geschämt", gab Völler zu. Nach dem 1:3-Debakel gegen zeitweise nur noch neun Bologneser hatte der Weltmeister von 1990 die Notbremse gezogen.

Dass der von seinen eigenen Spielern im Stich gelassene Völler nicht nachtrat, brachte ihm vom Club, den Fans und den Medien großes Lob ein. "Gewisse Dinge sollten in der Familie beziehungsweise in der Kabine bleiben, auch wenn ich hier den Eindruck gewonnen habe, dass etwas nach außen dringen wird", deutete Völler an, dass er noch ein Hauen und Stechen in Rom befürchtet.

Kapitän Francesco Totti, der sich noch vor einem Monat bei der Frage Del Neri oder Völler für den Deutschen entschieden hatte, aber offenkundig die eigene Mannschaft nicht in den Griff bekam, begeistert sich nun plötzlich für den ehemaligen Trainer von Chievo Verona. Del Neri war nach wenigen Tagen beim Champions League-Sieger FC Porto noch vor dem Ligastart gefeuert worden. "Ich würde mich freuen, wenn er käme. Mit ihm würde sich Rom wieder fangen", sagte Totti an seinem 28. Geburtstag.

"Ich stehe bereit", bekundete Del Neri, der mindestens einen Zweijahresvertrag fordert, weil er "kein Übergangstrainer" sein wolle. Der AS Rom hat den Vertrag für Del Neri angeblich schon in der Schublade. Eine Million Euro soll der 54-Jährige pro Jahr kassieren. Gehalt oder Schmerzensgeld - die Meinungen darüber gehen in Rom auseinander.

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