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Völler zwischen zwei Lieben: Rom oder Bayer

Trainer beim AS Rom oder im Management von Bayer 04 Leverkusen - beim beruflichen Neuanfang muss sich Rudi Völler möglichst schnell zwischen zwei alten Fußball-Lieben entscheiden.

dpa ROM/HAMBURG. Trainer beim AS Rom oder im Management von Bayer 04 Leverkusen - beim beruflichen Neuanfang muss sich Rudi Völler möglichst schnell zwischen zwei alten Fußball-Lieben entscheiden.

"Es gibt zwei Straßen, und ich bin im Moment in einer Phase, in der ich nicht weiß, wo mein Weg hingeht", räumte der 44-Jährige am Wochenende seinen Gewissenskonflikt ein. Der italienische Vize-Meister AS Rom, für den Völler fünf Jahre lang auf Torejagd gegangen war, erhofft sich zum Wochenbeginn Völlers Zusage für den vakanten Trainer-Job. Demgegenüber steht die langfristig ausgerichtete Offerte der Leverkusener, als Sportchef maßgeblich die Geschicke des Clubs mitzubestimmen.

"Ich sitze ein bisschen zwischen den Stühlen", gestand Völler zwei Monate nach seinem Rücktritt als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft. Zwar habe er "keine offizielle Anfrage" aus der italienischen Hauptstadt erhalten: "Aber ich weiß, dass ich dort ein bisschen im Gespräch bin und auf der Liste ganz oben stehe." Italiens Zeitungen flehten förmlich um den einstigen Publikumsliebling. "Forza Rudi, habe Mut, du musst wieder fliegen. Roma braucht jetzt echte Freunde", schrieb der in Rom erscheinende "Il Messaggero". Auch Kapitän Francesco Totti bat Völler: "Komm und hilf uns."

Zwei Wochen vor dem Saisonstart ist der AS Rom in Zugzwang geraten, nachdem Trainer Cesare Prandelli (46) wegen der schweren Erkrankung seiner Frau zurückgetreten war. Sollte Völler absagen, steht der beim FC Porto gefeuerte Luigi del Neri als Alternative bereit.

"Ich habe zum AS Rom immer eine besondere Bindung, wie ich sie auch zu Bayer Leverkusen habe. Und ich weiß, dass die Römer in einer schweren Phase sind", betonte der mit einer Römerin verheiratete Völler seine Verbundenheit zum italienischen Champions-League-Teilnehmer, für den er zwischen 1987 und 1991 in 142 Spielen 45 Tore erzielt hatte und italienischer Pokalsieger wurde.

Angeblich hat Roma-Präsident Franco Sensi Völler einen Einjahres- Vertrag mit anschließendem Eintritt ins Club-Management angeboten. Denkbar ist auch, dass der fließend Italienisch sprechende Völler als Interimscoach bei den Römern aushilft und so Prandelli den Wiedereinstieg ermöglicht. Ähnlich hatte auch sein vierjähriges Intermezzo beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) begonnen, doch nach der Drogenaffäre des als Bundestrainer ausgewählten Christoph Daum wurde die Verlegenheitslösung Völler zum Teamchef befördert.

Besonders pikant ist, dass der AS Rom und Bayer Leverkusen am 19. Oktober als Gruppengegner in der Champions League aufeinander treffen. Mit der Bayer-Konzernspitze hatte Völler nach eigenen Angaben "konkrete" und "sehr gute" Gespräche, wie sein künftiges Arbeitsfeld aussehen könnte. Das war aber, bevor der AS Rom in Bedrängnis geriet. "Die Wahrheit ist", sagte Völler, "dass ich mich einfach noch nicht richtig entschieden habe, was ich tun will."

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