Völlig neue Finanzdienstleistungen
Japanische Banken sehen sich vor harter und neuartiger Konkurrenz

Japans große Banken stecken in großen Schwierigkeiten. Neulinge mit Namen, die so gar nicht nach traditionsreichen Finanzhäusern klingen - zum Beispiel Sony Corp, Softbank Corp, Nippon Telegraph & Telephone Co (NTT), alle Tokio - bieten bereits Finanzdienstleistungen an oder planen dies.

vwd TOKIO. Schon heute kann man Rechnungen mit Mobiltelefonen via Internet bezahlen und an Geldautomaten in Geschäften Geld abheben. Bald werden immer mehr Japaner neuartige Bankkonten benutzen, um Musik oder auf Videospielkonsolen von Sony heruntergeladene Spiele zu bezahlen oder auch, um Lebensmittel auf der Webseite von Toyota Motor Corp, gazoo.com, zu bestellen.



Banken haben neue Bedürfnisse ihrer Kunden verpasst

Dieser Umbruch ist Teil der sich zur Zeit vollziehenden großen Reformen im japanischen Bankwesen, mit denen die Regulierung gelockert und der Wettbewerb gefördert werden. Derartige Veränderungen öffnen auch Unternehmen außerhalb des Bankensektors den Zugang zur Finanzbranche. Vor alllem aber verdeutlichen sie, dass die traditionellen Banken es versäumt haben, sich auf neue Bedürfnisse vor allem jüngerer Privatkunden einzustellen. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem enormen wirtschaftlichen Aufschwung waren die Banken mächtig und gediehen durch enge Verbindungen zu Unternehmen und Regierung, statt den privaten Sparern mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Doch mit dem Platzen der sich in den 80er Jahren gebildeten Spekulationsblase und der allzu leichtsinnigen Kreditvergabe kam das böse Erwachen, und noch heute sitzen viele große Banken auf einem Berg fauler Kredite (nach Regierungsangaben insgesamt 30 Bill Yen). Heute sind die Banken gezwungen, die Kosten zu kürzen und sich in Fusionen zu flüchten. Größe an sich ist jedoch nach Einschätzung von Analysten keine Lösung für die Probleme der Banken. Das Zusammenlegen von Ressourcen wird allerdings positiv gesehen im Kampf um das Angebot neuer Finanzdienstleistungen, insbesondere Online-Banking.



Finanzdienstleistungen rund um die Uhr sind sehr beliebt

So gehört die Sakura Bank Co Ltd zu den großen Banken, die "i-mode" von NTT DoCoMo Co, beide Tokio, übernommen haben, um den Benutzern Internet-Zugang und einfache Finanzdienste für Privatkunden anzubieten. Mit wenigen Tastendrücken auf ihren Mobiltelefonen können sie Geld überweisen oder ihren Kontostand abfragen. i-mode benutzen aktuell neun Millionen Menschen. Das Nutzen von Finanzdienstleistungen rund um die Uhr stößt in Japan auf große Resonanz, denn die Banken schließen um 15.00 Uhr, und die meisten Geldautomaten sind ab 17.00 Uhr außer Betrieb.

Das japanische Handelshaus Ito Co-Yokado Ltd, Tokio, das die Ladenkette Seven-Eleven mit 8 000 Filialen betreibt, hat ehrgeizige Pläne: Durch das Aufstellen von Geldautomaten in seinen Läden will es ins Bankgeschäft einsteigen. Auch andere Unternehmen wollen im Bankgewerbe Fuß fassen: Das Handelshaus Itochu Corp, Tokio, gehört zu einer Gruppe von Gesellschaften, die sich um eine Banklizenz für Online-Banking (genannt ebank) bewerben. Der Internetbanking-Riese Softbank Corp, Tokio, führt ein Konsortium an, das die Erlaubnis erhalten hat, die liquidierte Nippon Credit Bank zu kaufen. Mit diesem Schritt dürfte Softbank im Online-Banking einen Vorsprung herausgeholt haben, meinen Analysten.

Sony hat sich im Verbund mit der Sakura Bank und der US-Investmentbank J.P. Morgan & Co Inc, New York, im März um eine Banklizenz beworben. Wenn diese erteilt ist, können Kunden Überweisungen mittels Sonys Videospielkonsole PlayStation 2 vornehmen, die Internetzugang ermöglicht. Das japanische Elektronikunternehmen NEC Corp unterstützt die französische Bank Societe Generale SA, Paris, beim Aufbau eines Online-Handelssystems für japanische Anleger mit Namen SG Online. Und als einen der interessantesten Neulinge im Bereich Finanzdienstleistungen sehen Branchenbeobachter die Secom Co. Der Hersteller von Alarmanlagen nutzt die Computermonitore, die er in Häusern für Notfälle installiert hat, um Internet-Banking anzubieten.



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