"Völlig undurchführbares System"
Yahoo will Urteil zu NS-Auktionen voraussichtlich anfechten

Reuters PALO ALTO. Der amerikanische Internet-Anbieter Yahoo wird das französische Urteil gegen Auktionen von NS-Memorabilien nach Angaben seines Anwalts voraussichtlich anfechten. Ein Pariser Gericht hatte die Firma am Montag angewiesen, französischen Nutzern der US-Website www.yahoo.com den Zugang zu diesen Auktionen zu sperren. "Das ist ein Präzedenzfall für ein völlig undurchführbares System", sagte Anwalt Greg Wrenn. Eine Website könne nicht den Gesetzen der ganzen Welt standhalten. Derzeit arbeite er allerdings noch die Übersetzung der 20-seitigen Urteilsbegründung durch.

Yahoo muss es nach dem Urteil gelingen, einerseits den Zugriff für Nutzer aus Ländern, in denen NS-Memorabilien verboten sind, auf den betreffenden Bereich zu verhindern. Andererseits will Yahoo den Zugriff für Nutzer anderer Länder erhalten. Auf den Yahoo-Sites in Frankreich (http://fr.yahoo.com) und Deutschland (http://de.yahoo.com) sind solche Auktionen wegen nationaler Verbote ohnehin bereits ausgeschlossen.

Yahoo vertritt nach eigenen Angaben eine Firmenpolitik, die das Angebot und den Verkauf von Objekten untersagt, die Rassenhass oder Gewalt anstacheln könnten. Nazi-Flaggen oder Kriegsorden will das Unternehmen jedoch nicht in diese Kategorie einbeziehen.

Andere Internet-Firmen haben ähnliche Probleme. Der Online-Händler Amazon hatte sich zwar in Deutschland an das dortige Verkaufs-Verbot des Buches "Mein Kampf" von Adolf Hitler gehalten. Allerdings konnten deutsche Kunden es in der englischen Version erstehen, die nicht offiziell verboten war. Vergangenen Herbst stand der Titel sogar auf der Liste der meistverkauften Bücher von Amazon. Zudem bietet das automatische Computerprogramm von Amazon Interessenten eine Empfehlungsliste von ähnlichen Büchern an. Auf Betreiben des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles änderte Amazon seine Politik und verschickt "Mein Kampf" nicht mehr nach Deutschland.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum überwacht Material - unter anderem auch im Internet -, dass Rassenhass anstacheln könnte. Die meisten Internet-Anbieter mit internationalem Publikum beriefen sich auf die Meinungsfreiheit und auf technische Schwierigkeiten, Zugriff für bestimmte Gruppen einzurichten, sagte Rabbi Abraham Cooper vom Wiesenthal-Zentrum. Dabei gehe es darum, solches Material freiwillig nicht anzubieten. Yahoos Anwalt Wrenn hingegen sagte, Yahoo billige diese Produkte zwar nicht, könne aber die Menschen nicht bevormunden.

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