Vogel: Es haben mehr Leute das Zeug dazu
Streit in Union über Kanzlerkandidatur geht weiter

Trotz Mahnungen zur Geschlossenheit hält der Streit in der Union über die Kanzlerkandidatur an. Mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel brachte erstmals ein CDU-Präsidiumsmitglied den ehemaligen Parteichef Wolfgang Schäuble als Herausforderer von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) öffentlich ins Gespräch.

rtr BERLIN. Der anhaltende Zwist um die Kanzlerkandidatur führte nach Angaben von Teilnehmer zu einem heftigen Wortwechsel im Vorstand der Unionsfraktion. Erst am Montag hatte das CDU-Präsidium beschlossen, am Fahrplan für die Kandidatenkür festzuhalten.

Vogel sagte der Zeitung "Rheinpfalz", die Union habe nicht nur zwei Kandidaten, die das Zeug zum Kanzlerkandidaten hätten, sondern eindeutig mehrere. "Und zu denen gehört in der ersten Reihe zweifellos auch Wolfgang Schäuble", fügte Vogel hinzu. Gegenwärtig sei es aber nicht notwendig, über eine Kandidatur Schäubles zu diskutieren. "Das beschädigt die Union und Wolfgang Schäuble." In der vorigen Woche hatte der CSU-Landesgruppenchef Michael Glos mit der Bemerkung der Debatte eine neue Wende gegeben, er zähle Schäuble zum Kreis der möglichen Bewerber um die Kanzlerkandidatur. Bis dahin waren nur die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber im Gespräch.

Glos sagte am Dienstag, es habe in der Sitzung der CSU-Landesgruppe am Vortag keine Kritik an seinen Äußerungen in der vergangenen Woche gegeben. Dagegen kam es beim Treffen des Vorstandes der Unionsfraktion am Montag nach Angaben von Teilnehmern zu "massiver Kritik" an Glos und dem stellvertretenden Fraktionschef Horst Seehofer (CSU). Mehrere Teilnehmer hätten kritisiert, dass immer wieder vom vorgegebenen Fahrplan für die Kandidatenkür abgewichen werde. Seehofer habe daraufhin deutlich gemacht, dass er den Zeitplan für die Kandidatenkür für falsch halte und eine frühere Aufstellung des Herausforderers von Schröder für notwendig erachte. Glos habe betonte, er habe Schäuble lediglich als möglichen Bewerber um die Kanzlerkandidatur genannt.

Merkel und Stoiber haben vereinbart, erst Anfang kommenden Jahres über den Kandidaten der Union zu entscheiden. Dagegen gibt es auch Widerstand im Landesverband Baden-Württemberg, auf dessen Parteitag am Wochenende eine heftige Diskussion darüber erwartet wird. Für den Parteitag liegt ein Antrag des CDU-Kreisverbands Göppingen vor, Stoiber zur Kandidatur aufzufordern. Derzeit gilt Stoiber als der aussichtsreichste Anwärter auf die Kanzlerkandidatur. Es ist bislang aber unklar, ob der bayerische Ministerpräsident überhaupt gewillt ist, gegen Schröder anzutreten.

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