"Vogts kann nicht kommunizieren"
Pragmatismus statt Einfühlungsvermögen

Schottische Medien fordern die Ablösung von Nationaltrainer Berti Vogts - und Rainer Bonhof als Nachfolger.

GLASGOW. Schottische Journalisten können ganz schön gemein sein. Schon vor einem Jahr, nach der 0:2-Heimniederlage gegen Irland, rieten die Kollegen vom Glasgower Boulevard ihrem Fußball-Nationaltrainer zu einem beruflichen Neuanfang. In fingerhohen Buchstaben druckten sie die Telefonnummer des Berliner Arbeitsamtes ab.

Vielleicht wünscht sich Berti Vogts heute im Stillen, er hätte den Rat damals befolgt. Es wäre ihm manche Kränkung erspart geblieben. Nach dem jüngsten Fiasko - dem 0:4-Debakel in Wales - lastet der Erfolgsdruck mehr denn je auf Vogts. Heute treffen die Schotten in Glasgow auf Rumänien, und wenn es diesmal kein Erfolgserlebnis gibt, wird Vogts nur noch schwer zu halten sein.

Zwei Jahre nach seinem Start als erster ausländischer Trainer lässt die öffentliche Unterstützung bedenklich nach. Der schottische Fußballverband (SFA) stellt sich zwar hinter den Deutschen, aber zu einer Bewertung der Leistungen seines Spitzenmannes ist er nicht bereit. Stephen Halliday, Sportjournalist bei der Tageszeitung "The Scotsman", meint, die Ursache des Problems erkannt zu haben: "Vogts kann nicht kommunizieren. Weder mit den Spielern noch mit der Presse."

Es liege nicht an der fremden Sprache, sondern an einem Defizit an klaren Konzepten. Halliday glaubt auch, dass der Deutsche die Mentalität der Spieler nicht erfasst: "Schottische Fußballer brauchen Ermutigung und Einfühlungsvermögen, Vogts ist zu pragmatisch." Schließlich gehe es darum, einer fußballbegeisterten Nation den Erfolg in einem Sport zurückzugeben, den sie nach eigener Auffassung selbst erfunden hat. Die Stimmung ist so schlecht, dass Vogts auch seine bis dato als positiv anerkannte Eigenschaft - den Mut, junge und unerfahrene Spieler zu testen - nachteilig ausgelegt wird: "Vogts verbraucht die jungen Talente", kritisiert Halliday.

Während die Medien auf Vogts einhämmern, das schlechteste je gegen Wales erzielte Ergebnis beweinen und über Nachfolger spekulieren, arbeitet Rainer Bonhof an seiner Mission. Der 52-jährige Ex-Gladbacher, der seinem langjährigen Freund und Kollegen vor anderthalb Jahren als Coach der U 21 nach Schottland gefolgt war, genießt höchsten Respekt. "Das Talent ist da", sagt der erste Vollzeit-Trainer der Junioren. "Zwischen der Mannschaft und Bonhof herrscht tiefes Vertrauen. Man spürt ihren Respekt vor dem Trainer, ihre enge Verbindung", sagt Halliday.

Eine Entlassung von Vogts würde teuer werden, der Vertrag läuft noch bis 2006. Bei Bonhof sieht es anders aus, sein Vertrag läuft nur bis zum Saisonende. Bonhof möchte bleiben, aber die Verhandlungen mit dem Verband brachten noch kein Ergebnis. Für Darryl Broadfoot, Sportreporter bei der Tageszeitung "The Herald", liegt die Lösung auf der Hand: "Können Vogts und Bonhof nicht einfach die Jobs tauschen ?"

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