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Vogts kritisiert DFB: „Die Versäumnisse sind groß“

Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts hat dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) gravierende Fehlentwicklungen vorgeworfen und den aktuellen Nationalspielern die nötige Willenskraft abgesprochen.

dpa BERLIN. Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts hat dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) gravierende Fehlentwicklungen vorgeworfen und den aktuellen Nationalspielern die nötige Willenskraft abgesprochen.

Vor allem in der Trainer-Ausbildung seien Kreativität und Flexibilität nicht mehr vorhanden, monierte Vogts. "Die Versäumnisse sind so groß, dass ich mich manchmal frage: In welchem Buschland sind wir denn gelandet?", fragte der Europameister- Coach von 1996 in einem Interview mit "Sport Bild".

"Das sind Schubladen", reagierte DFB-Präsident Gerhard Mayer- Vorfelder auf die Aussagen. "Die letzten drei Jahre kann er nicht gemeint haben, sonst hat er das nicht verfolgt", wies der DFB-Chef in der ARD auf die Aktivitäten des Verbandes - vor allem im Nachwuchsbereich - hin. Natürlich sei noch nicht alles perfekt, meinte Mayer-Vorfelder mit Hinweis auf das Ziel, ein nationales Leistungszentrum zu schaffen.

Der aktuellen Generation der Nationalspieler warf Vogts vor: "Es ist keine Willenskraft mehr vorhanden." Deshalb müsse die entsprechende Schulung wieder eingeführt werden. "Bei uns genügt doch mittlerweile schon eine offene Schranktür, dass sich ein Spieler erkältet", erklärte der Ex-Bundestrainer, der von 1990 bis 1998 das DFB-Team in 102 Länderspielen geführt hatte. Über die Zeit nach seinem Rücktritt äußerte er sich drastisch: "Beim DFB sind sechs Jahre verschlafen worden."

In den Vorstellungen des neuen Bundestrainers Jürgen Klinsmann erkenne er Gedanken, die er selbst nach dem WM-Ausscheiden 1998 schon geäußert habe, meinte Vogts. "Fundamentale Dinge" in der Entwicklung seien nicht gesehen worden, wozu auch die Vize-Weltmeisterschaft 2002 beigetragen habe. Das Ergebnis: "Alle sind aggressiver als unsere Spieler. Bei uns heißt es allzu oft: Wattebällchen, ooh." Gegen Top- Gegner wie Brasilien oder Argentinien könne der Schalter dann nicht umgelegt werden.

Dortmunds Manager Michael Meier kritisierte die Haltung des DFB bei der Amtsübernahme von Klinsmann. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass beim DFB niemand klar Stellung bezieht gegen die Kritik von Herrn Klinsmann an der konzeptionellen Arbeit des Verbandes." Der DFB könne viel selbstbewusster auftreten, da auch mit Hilfe der Vereine Konzepte für eine bessere Nachwuchsarbeit auf die Bahn gebracht worden seien. Die Trainingsbedingungen hätten sich verbessert, die Task Force habe gute Ideen eingebracht, zählte Meier auf und wies damit indirekt auch einige Vogts-Vorwürfe zurück.

Der BVB-Manager lobte zwar den Mut von Klinsmann, sich für die Nationalmannschaft zu engagieren und wünschte ihm die ganze Unterstützung des deutschen Fußballs sowie der Bundesliga. Allerdings müsse Klinsmann aufhören, alles in Frage zu stellen. "Mit seiner Aussage, beim DFB muss jeder Stein umgedreht werden, rückt er den Verband - bildlich betrachtet - in die Nähe der Steinzeit", betonte Meier. Mayer-Vorfelder verteidigte den Einfluss von Klinsmann, die der vom DFB bei der Auswahl von weiteren DFB-Trainern eingeräumt bekam. "Das hat ja mit Steine-Umdrehen nichts zu tun. Jürgen kann sich sein Umfeld aussuchen", erklärte der DFB-Präsident.

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