Vogts: „Zweitklassig“
Schottlands Fußball im Wechselbad der Gefühle

Schottlands Fußball durchlebt ein Wechselbad der Gefühle. Die Fans befürchten, dass ihre "Bravehearts" am Samstag im EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland in Glasgow eine Packung kassieren. Dabei haben sie gerade erst das Ende der spannendsten Meisterschaft aller Zeiten erlebt, mit den Glasgow Rangers als Meister vor dem Lokalrivalen Celtic, der wenige Tage zuvor im Endspiel des UEFA-Pokals stand.

HB/dpa GLASGOW. Die Clubs top, die Nationalmannschaft ein Flop - den Sündenbock für diese Diskrepanz glauben Medien und ehemalige Nationalspieler in Nationaltrainer Berti Vogts gefunden zu haben. "Seine Verpflichtung war ein Schritt zurück", polterte Charlie Nicholas, einst Stürmer bei Celtic und Arsenal London, mittlerweile Sportkommentator bei Sky TV. Die Reaktion des für seine Empfindlichkeit bekannten Vogts: Er verbot seinen Spielern, dem Sender exklusive Interviews zu geben.

"Schottland ist nur noch eine zweitklassige Fußball-Nation", lautet das harte Urteil von Vogts, der den Qualitätsverlust an einem simplen Beispiel festmacht. Während seine Vorgänger ihre Nationalspieler früher in Duellen zwischen Manchester United und dem FC Liverpool oder Arsenal London beobachten konnten, "muss ich mir jetzt Spiele wie Bristol City gegen Wigan anschauen". Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Celtic und Rangers den Kern des Nationalteams stellten. Heute haben die beiden Glasgower Großclubs kaum noch Schotten in ihren Reihen. Hoffnungsträger sind nun Stürmer wie James McFadden von Absteiger Motherwell.

Mit seinen Ideen, die Situation zu verbessern, stößt Vogts bei den Schotten auf wenig Gegenliebe. Er forderte Fans und Spieler auf, die Scheuklappen abzulegen, über die Grenzen zu schauen und "nicht mehr typisch schottisch" zu spielen. Das hören die Schotten nicht gerne. Sie mögen ihren Fußball geradlinig und einfach. Auch die Einmischung des Deutschen in die nationale Meisterschaft kam nicht gut an. Vogts will die Liga von zwölf auf 16 Mannschaften aufgestockt haben. Doch vor allem die Präsidenten der kleinen Vereine wollen am gegenwärtigen System festhalten. Es garantiert ihnen mindestens vier Spiele pro Saison gegen die beiden Glasgower Clubs, und die bringen viel Geld.

Vogts konnte bei seinem Amtsantritt auch nicht wissen, welch große Priorität die Clubs besitzen. Das zeigt das Beispiel Barry Ferguson. Der Mittelfeldspieler wollte gegen Deutschland dabei sein, doch sein Club, die Rangers, legten ihm nahe, sich früher als geplant einer Hüftoperation zu unterziehen, damit er für die kommende Saison fit ist. Dazu reduzierten die Vereine die Freistellungs-Termine für Länderspiele. "Die Clubs haben Testspiele vor Saisonbeginn und vor dem Ende der Winterpause. Ich bitte um eine Woche, und das wird mir verweigert. Es ist überhaupt nicht hilfreich", klagte Vogts.

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