Voice XML macht Daten für das Telefon verfügbar
Der Computer versteht den Anrufer

Internetsurfer können sich bald das Eintippen von Stichworten in Suchmaschinen sparen. Sie telefonieren mit dem Computer, sagen, was sie suchen und erhalten Sekunden später die Antwort - ebenfalls als Sprache. Der Computer wandelt die Informationen entsprechend um.

HB DÜSSELDORF. In dieser Woche startet in Berlin ein neuer Stadt-Informationsdienst. Dieser ist nicht per Computer im Internet erreichbar, sondern per Telefon. Mit dem Handy oder normalen Telefon können sich die Berliner und Besucher der Bundeshauptstadt unter 030/520051 nach den neuesten Kinofilmen erkundigen, Restaurants empfehlen lassen oder die neuesten Nachrichten empfangen. Die Informationen, die der Stadtlotse bereithält, werden aus einer Datenbank generiert. Ein Telefoncomputer wandelt die Daten in Sprache um.

Erstellt wurde das so genannte Voice-Portal von der Berliner Mundwerk AG. Das Technologieunternehmen hat einen Sprach-Browser entwickelt, über den der Anrufer die gewünschten Informationen aufrufen kann. Der Computer findet die Angaben anhand der gesprochenen Begriffe in seiner Datenbank. Damit das funktioniert, müssen jedoch die Informationen über das Kinoprogramm und der Restaurantführer in Voice XML - einer standardisierten Datenbeschreibungssprache - aufbereitet sein.

"Der Vorteil dieses Standards besteht darin, dass man ohne großen Programmieraufwand alle bereits vorhandenen Daten für die Sprachabfrage verfügbar machen kann", sagt Mario Ellebrecht, Gründer des Berliner Unternehmens und zuständig für die Entwicklung der Technologie. Das Sprachportal der Berliner ist jedoch nur ein Demonstrationsprojekt. "Wir wollen zeigen, was man mit Voice XML und Sprachverarbeitung schon heute alles realisieren kann", erläutert Christian Weiss, Mitgründer der Mundwerk AG. Das eigentliche Ziel des Unternehmens sei es, Informationsprozesse, die heute über ein Call-Center abgewickelt werden, mit Voice XML neu zu gestalten und zu automatisieren. Voice XML ist eine Erweiterung zu XML (Extended Markup Language), dem neuen Standard zur Speicherung komplexer Dokumente. XML legt fest, wie Texte, Bilder und Grafiken gespeichert werden, damit alle Softwareanwendungen einfach darauf zugreifen können.

Designer von Internetseiten können mit dieser Technik Inhalte so aufbereiten, dass Informationen von verschiedenen Endgeräten abgefragt werden können: Der Browser auf dem Arbeitsplatzrechner präsentiert die bunte Welt des Internets in der bekannten Form. Bei einer Abfrage per Telefon wird der Seiteninhalt dagegen von dem Computer vorgelesen. "Auf diese Weise können auch Informationen aus der Datenbank einer Firma abgerufen und der Status von Geschäftsprozessen kontrolliert werden", zeigt Kevin Dick, Analyst und XML-Fachbuchautor, weitere Anwendungen auf. Obwohl inzwischen in fast jedem Haushalt ein PC zu finden ist und viele Menschen bereits regelmäßig im Internet surfen, ist das Telefon immer noch das Kommunikationsmittel Nummer eins: "In der Welt findet man zehnmal mehr Telefone als Rechner. Wenn die als Internetzugang genutzt werden, bringt das viele neue Anwender", sagt Jim Larson, Manager in Intels Architektur Labor und Vorsitzender des zuständigen Web-Konsortiums.

Entstanden ist VoiceXML aus Forschungsprojekten bei den AT&T Bell Labs und bei dem Telekommunikationskonzern Motorola sowie der Entwicklung von interaktiven Sprachdiensten. Inzwischen haben alle etablierten Softwarehersteller angekündigt, dass sie den Standard Voice XML unterstützen werden.

Die Mundwerk AG ist mit ihrer Voice XML-Plattform und ihrem Stadtlotsen für Berlin Vorreiter in Deutschland. Das Unternehmen setzt dabei auf die Spracherkennung des amerikanischen Partners Nuance aus Kalifornien. Doch auch in anderen Ländern arbeiten inzwischen zahlreiche Firmen an Lösungen, die einen - wie sie hoffen - lukrativen Markt versprechen. Dabei handelt es sich um über 500 Firmen, darunter auch Giganten wie IBM, Cisco, Oracle oder auch die Brokerfirma Charles Schwab.

Erste Dienste wurden realisiert bei den American Airlines, United Parcel oder E-Trade. Über Telefon werden Flugauskünfte erteilt, Lieferzeiten avisiert oder über Börsenkurse informiert. Net2Phone denkt sogar darüber nach, die Telefonwahl überflüssig zu machen. Zum Aufbau der Verbindung reicht es dann, den Hörer abzunehmen und den Namen des Gesprächspartners zu sagen. Das wird jedoch schwierig, wenn der Name nicht eindeutig ist.

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