Volatile Aktienmärkte belasten Unternehmensbonds
Hochprozentige Anleihen fallen tief

Die Anleihen von Unternehmen mit einer schwachen Kreditwürdigkeit haben sich in diesem Jahr schlecht entwickelt. Die Verluste an den Aktienmärkten, die Bilanzskandale um Worldcom und Co und hohe Ausfallraten belasten das Segment. Kurzfristig wird sich nach Ansicht von Experten daran nichts ändern - langfristig schon.

FRANKFURT/M. Für hochverzinsliche Unternehmensanleihen haben Experten das Jahr bereits mehr oder weniger abgeschrieben. Mit einer positiven Wende des Gesamtmarkts rechnet niemand mehr, obwohl sich die Anleihen in den vergangenen Tagen im Zuge steigender Aktienkurse zumindest etwas erholt haben. Hochverzinsliche Unternehmensanleihen - auch High-Yield- Bonds, Junkbonds oder Schrottanleihen genannt - sind Anleihen, die von den Ratingagenturen Standard & Poor?s, Fitch und Moody?s schlechtere Bonitätsnoten als BBB- bzw. Baa3 bekommen und damit als spekulative Investition eingestuft werden.

In diesem Jahr haben die spekulativen Bonds nach Indizes von Merrill Lynch in den USA einen negativen Gesamtertrag (Total Return) von 9,6 % eingebracht. Die Kursverluste überstiegen somit die hochprozentigen Zinsscheine der Bonds. Die Renditeaufschläge (Spreads) kletterten im Oktober im Schnitt auf 1 070 Basispunkte (10,7 %) gegenüber US-Staatsanleihen und damit auf den höchsten Stand seit 1991.

In Europa sieht es noch schlimmer aus. Der Gesamtverlust liegt bei 16,4 %, die Spreads gegenüber europäischen Staatsanleihen stiegen im Oktober bis auf gut 1 460 Basispunkte (14,6 %). "Der Markt in den USA ist wesentlich diversifizierter, älter und größer als der in Europa", erklärt Klaus-Peter Schmitz, der bei der Fondsgesellschaft DWS die High-Yield-Gruppe leitet, die unterschiedliche Entwicklung.

Gründe für die schlechte Performance der High-Yield-Bonds diesseits und jenseits des Atlantiks gibt es viele. Die Bilanzskandale um Enron im vergangenen und um Worldcom und Tyco in diesem Jahr haben Investoren verschreckt. Dazu kommen die unsichere wirtschaftliche Lage und die Angst vor einem Krieg gegen den Irak. "Alles zusammen hat dazu geführt, dass Anleger Sicherheit in Staatsanleihen gesucht und riskantere Papiere wie Aktien und Unternehmensanleihen abgestoßen haben", erklärt Michael Ludwig, der bei der auf High-Yield-Bonds spezialisierten Asset Management Gesellschaft Muzinich & Co in New York institutionelle Kunden in Deutschland betreut.

"Sobald irgendwo das Wort Bilanzunregelmäßigkeit auftauchte, verkaufen Investoren wahllos Bonds der betroffenen Firmen und fragen erst danach, was wirklich passiert ist", sagt Ludwig. Außerdem sei die gesamte Versorgerbranche in den USA im Zusammenhang mit den Folgen der Energiekrise in Kalifornien "kollektiv verprügelt" worden - auch ein Zeichen für die Nervosität der Märkte.

Besonders schlecht entwickelten sich neben Energieversorgern und Telekombonds auch Kabelbetreiber - Branchen, die Muzinich in seinen Fonds untergewichtet hat und deshalb bislang einen Verlust von im Schnitt nur 1,5 % ausweist. Statt dessen setzte die Vermögensverwaltung auf Bonds der Öl- und Gasversorger wie Amerigas oder Stone Energy, Anleihen von Hotels wie Mariott oder Bonds von Hausbauern wie Kaufman & Broad. In Europa hält Ludwig viel von defensiven Namen wie der Bäckereikette Kamps und dem britischen Kekshersteller United Biscuits. Schmitz von der DWS setzt ebenfalls auf defensive Titel wie United Biscuits, den deutschen Industriegasehersteller Messer Griesheim oder die niederländische Verpackungsgesellschaft Kappa Packaging.

Aus technischer Sicht sieht Ludwig den High-Yield-Markt derzeit als überverkauft an, doch das allein sei kein Grund für eine Erholung. Auch Thomas Mercier, Kreditstratege bei Goldman Sachs in London glaubt nicht, dass die Spreads trotz ihrer hohen Niveaus kurzfristig deutlich sinken werden. Schlechte Nachrichten von konjunktureller und geopolitischer Seite - sprich einem Krieg gegen den Irak - zusammen mit volatilen Aktienmärkten könnten die Junkbonds zunächst noch belasten, schreibt Mercier in einer Studie.

DWS-Mann Schmitz sieht eine Stabilisierung der Aktienmärkte als Grundvoraussetzung für eine bessere Entwicklung der High-Yield-Bonds. Dabei käme es gar nicht unbedingt darauf an, dass die Aktienmärkte einen Aufwärtstrend einschlügen, sondern darauf, dass die hohe Volatilität nachlasse. Ludwig von Muzinich macht es Hoffnung, dass die Ausfallraten oder Default Rates der als spekulativ eingestuften Unternehmen rückläufig sind, wenn auch langsamer als erwartet.

Im September konnten 9,2 % aller von der Ratingagentur Moody?s als spekulativ eingestufte Unternehmen ihre Anleihen bzw. Zinsen nicht oder nicht pünktlich zahlen. Im August waren es noch 9,6 %. In diesem Jahr ist die Ausfallquote immerhin in sieben Monaten leicht gefallen. Insgesamt erwartet David Hamilton, Director für Default Research bei Moody?s, dass die Ausfallrate für das gesamte Jahr 2002 bei 8,4 % liegen wird. Vor einem Monat hatte er noch eine Ausfallquote von 9,8 % prognostiziert. Bis Ende September nächsten Jahres rechnet er damit, dass die Ausfallrate auf 7,4 % fallen wird. Hamilton warnt jedoch vor Euphorie: Die Kreditqualität vieler Unternehmen stehe weiter unter Druck.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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