Volcker soll Finanzminister werden
81-Jähriger wird Obamas wichtigster Helfer

Der Posten des Finanzministers ist angesichts der aktuellen Krise sicherlich der wichtigste, den der künftige US-Präsident Barack Obama zu vergeben hat. Im Wahlkampf war Paul A. Volcker einer seiner wichtigsten Berater. Manches spricht dafür, dass er nun dafür belohnt wird – ein 81-jähriger Dinosaurier, eine Ikone der Ära Ronald Reagan, ein legendärer US-Zentralbankchef.

DÜSSELDOF. Die vielleicht drängendste Frage, mit der sich Obama konfrontiert sieht, ist die, wie er die Finanzkrise in den Griff bekommt - und das, auch in deren Folge, völlig außer Kontrolle geratene Staatsdefizit. Im Wahlkampf wich er der Antwort aus, versprach lediglich, jede zusätzliche Ausgabe zu 100 Prozent durch Einsparungen an anderer Stelle zu kompensieren.

Helfen soll dem Wahlsieger dabei nun im konservativen Paul Volcker sein bisher wohl wirkungsvollster Wirtschaftsberater, mit dem er sich mehrmals täglich bespricht. Der verwitwete Vater einer Tochter und eines Sohnes ist mit 2 Metern Körperlänge nicht nur ökonomisch ein Riese.

Volcker führte die Fed von 1979 bis 1987. In dieser Zeit zeichnete er sich durch seine Unnachgiebigkeit aus. Er war der letzte Zentralbankchef, der der Wall Street die Stirn geboten hat. Der mit zahlreichen Ehrendoktortiteln dekorierte Princeton-Professor hat seinen Nachfolger Alan Greenspan und den aktuellen Fed-Chef Ben Bernanke heftig für deren laxe Geldpolitik kritisiert. Nachdem sich die Inflation in den Vereinigten Staaten innerhalb von anderthalb Jahrzehnten auf 14 Prozent versiebenfacht hatte und die Wirtschaft kaum noch wuchs, bezwang er die gewaltige Preissteigerung, indem er die Leitzinsen kurz nach seiner Amtseinführung übers Wochenende enorm anhob. Die Tagesgeldzinsen stiegen auf 20 Prozent. Dafür nahm Volcker eine tiefe Rezession Anfang der 80er-Jahre in Kauf. Mit diesem Schritt leitete er die Ära der "Great Moderation" ein. Sie lässt sich charakterisieren mit niedriger Inflation, geringer Konjunkturschwankung und hohem Wirtschaftswachstum.

Volcker sieht in der jetzigen Situation "die Mutter aller Kreditkrisen". Im kleinen Maßstab hat er eine derartige Lage schon gemeistert: den Zusammenbruch der Bank Continental Illinois im Jahr 1984. Mitte September 2008 riet der große alte Mann der amerikanischen Geldpolitik zur Einrichtung staatlicher Rettungsfonds für die Banken – zwei Tage später präsentierte George W. Bushs Finanzminister Henry Paulson das 700 Milliarden-Dollar-Rettungspaket. Und vergangenen Monat hat Volcker im Auftrag der "Gruppe der 30", einem internationalen Club von Notenbankern und Ökonomen, ein Konzept für die Reform der Bankenregulierung auf globaler Ebene vorgelegt. Er fordert darin, die Finanzmarktaufsicht international fundamental zu reformieren, die Regulierung in diesem Bereich sowie die Bilanzierungsregeln weltweit zu koordinieren und die Zusammenarbeit der Notenbanken zu vertiefen.

Banken kennt Paul Volcker durch seine frühere Tätigkeit bei der Chase Manhattan Bank auch von innen. Einen Namen gemacht hat er sich auch durch seine Empfehlungen, wie die Entschädigungen der Schweizer Großbanken in Höhe von 1,25 Mrd. Dollar an Holocaust-Opfer verteilt werden könnten. Außerdem untersuchte er im Auftrag der Vereinten Nationen, ob es im Programm "Oil for Food" Korruption gegeben hatte und kritisierte in diesem Zusammenhang Kojo Anan, Sohn des damaligen Uno-Generalsekretärs.

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