Volksabstimmung angekündigt
Schicksalswahl in Montenegro entscheidet über Zukunft Jugoslawiens

Der montenegrinische Präsident Milo Djukanovic wähnt seine jugoslawische Adriarepublik mit der Parlamentswahl auf einer Schnellstraße Richtung Unabhängigkeit. "Sehr schnell" werde sein Wahlbündnis Sieg Montenegros mit der Mehrheit der Wähler im Rücken eine Volksabstimmung organisieren, kündigte Djukanovic am Sonntag nach der Stimmabgabe an. Das Wahlvolk soll schon nach einigen Wochen die Abspaltung von Serbien und damit den endgültigen Zerfall Jugoslawiens besiegeln.

dpa BELGRAD/PODGORICA. Djukanovic will, dass Montenegro international bestätigt wird, was im praktischen Alltag der kleineren Teilrepublik schon fast Realität ist - ein Leben ohne die jugoslawische Zentralregierung in Belgrad und in einem eigenen Staat. Montenegro hat die Deutsche DM als Währung eingeführt, es hat eigene Zollgrenzen und eigene Gesetze. Die jugoslawische Armee ist eine der letzten gemeinsamen Institutionen beider Teilrepubliken.

Bei dieser Politik ist die Führung in Podgorica vom Westen mit Millionensummen und politischen Sonderbeziehungen unterstützt worden. Denn Montenegro sollte Bollwerk gegen das Regime des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und zugleich Schaufenster für die Wohltaten einer erfolgreichen Reformpolitik sein.

Mit der demokratischen Revolte in Belgrad und dem Sturz von Milosevic hat sich die Politik geändert, doch in Montenegro scheint die Zeit stillzustehen. Die Republik habe versucht, gute Beziehungen zu Serbien zu entwickeln. Das habe sich aber als unmöglich erwiesen, erklärt Djukanovic das Festhalten an seinem Kurs. Mit seiner Politik hat er sich selbst vom Liebling zum Sorgenkind der Friedensmittler und Aufbauhelfer auf dem Balkan entwickelt.

EU warnt Montenegro vor Abspaltung

Eine Unabhängigkeit Montenegros könnte Schockwellen über Jugoslawien hinaus senden, wird befürchtet. Sicher scheint schon jetzt, dass auch die Albaner im Kosovo den endgültigen Zerfall Jugoslawiens als Unabhängigkeit für die Südprovinz ansehen wollen, denn Kosovo sollte laut UN-Resolution 1244 Autonomie "innerhalb Jugoslawiens" bekommen. Aber auch bei Serben und Kroaten in Bosnien-Herzegowina könnte der Separatismus neuen Auftrieb bekommen.

Auch deshalb hat die Europäische Union Montenegro vor einseitigen Schritten zu einer Abspaltung gewarnt, eine Botschaft, die westliche Außenminister auch persönlich in Podgorica vorgetragen haben. "Es ist klar, dass Präsident Djukanovic mit Belgrad verhandeln muss, um die Verfassung so zu ändern, dass sie (Serbien und Montenegro) zusammen in einer Föderation leben können", erklärte der außen- und sicherheitspolitische Beauftragte der EU, Javier Solana, in Brüssel.

Der pro-serbische Block Gemeinsam für Jugoslawien unter Predrag Bulatovic, bis zuletzt Verbündeter des inzwischen inhaftierten Milosevic, hoffte am Wahlsonntag darauf, dass noch alle Optionen auf dem Tisch liegen. Viel hängt davon ab, welche politischen Spielregeln für das Referendum gelten.

Die montenegrinische Tageszeitung "Vijesti" erschien schon am Samstag im Hinblick auf eine Anerkennung der Unabhängigkeit auch durch Belgrad unter der Überschrift: "Gemachte Sache"

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