Volksfeste und Feuerwerke
Millionen feiern die EU-Erweiterung

Europa ist auf dem Weg zu einem Kontinent dauerhaften Friedens und Wohlstands einen epochalen Schritt vorangekommen: Erstmals in seiner Geschichte ist es vom Atlantik bis zur Weichsel friedlich vereint. Mit historischen Festakten vollzog die Europäische Union am 1. Mai die Aufnahme zehn neuer Mitgliedstaaten, darunter acht ehemals kommunistisch regierte Länder. Hunderttausende Menschen begingen die EU-Erweiterung auf nunmehr 25 Staaten mit ausgelassenen Feiern.

HB DUBLIN. Mit der größten Erweiterung ihrer Geschichte besiegelte die Europäische Union das Ende der jahrzehntelangen Spaltung des Kontinents endgültig. Fast 15 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs begrüßten Millionen Menschen mit prachtvollen Feuerwerken und Musik in der Nacht zum Samstag die zehn neuen EU-Staaten: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Ungarn, Malta und Zypern. Den Schlusspunkt dieses historischen Tages setzten die EU-Staats- und Regierungschefs in Dublin mit einer bewegenden Zeremonie: die Flaggen aller nun 25 Mitglieder wurden gehisst.

Europas führende Politiker zeigten sich tief berührt. "Die Spaltung des Kontinents und die Trennung seiner Bürger ist endgültig überwunden", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder bei einer Kundgebung am Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien in Zittau. Schröder feierte mit seinen Kollegen Leszek Miller aus Polen und Vladimir Spidla aus Tschechien. Miller sprach von der Erfüllung eines großen Traums: "Wir gehören jetzt zum gemeinsamen europäischen Haus, egal wo wir wohnen." Spidla zeigte sich von einem Erfolg überzeugt, "wenn wir den Weg gemeinsam beschreiten".

Die irische Präsidentin Mary McAleese, Gastgeberin beim Gipfel, würdigte den Tag als ein besonderes Geschenk an die kommenden Generationen in Europa: "Unser Kontinent ist alt, unsere Union ist jung."

Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern, der derzeit den Vorsitz in der EU führt, sorgte für einen würdigen Rahmen, um die zehn neuen Kollegen offiziell zu begrüßen. Vor der Residenz der Präsidentin übergaben 25 Schulkinder, die in Irland leben, aber einen familiären Bezug zu einem der EU-Staaten haben, den sichtlich bewegten Staats- und Regierungschefs die Flaggen. Soldaten hissten sie dann zu den Klängen der Europa-Hymne, der "Ode an die Freude" aus der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven.

Am Rande des Dubliner Gipfels kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen einige Tausend Demonstranten ein.

Beispielhaft für die vielen bewegende Szenen an den einstigen Grenzen war das Treffen von Bundesaußenminister Joschka Fischer und seinem polnischen Kollegen Wlodzimierz Cimoszewicz auf der Oderbrücke zwischen Frankfurt (Oder) und Slubice (Polen). Als sie gemeinsam über die Brücke nach Slubice gingen, wurden sie von Tausenden von jubelnden Menschen empfangen. "Willkommen im gemeinsamen Europa", rief Fischer. Sein Kollege sagte unter dem Beifall der Menge: "Wir sind jetzt Europa."

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