Volkswagen AG
Analysten erwarten Rückgang des VW-Gewinns

Der Volkswagen-Konzern dürfte nach Einschätzung von Analysten im ersten Quartal 2002 erwartungsgemäß einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht haben.

Reuters HAMBURG. Befragte Branchenexperten rechnen im Durchschnitt damit, dass Europas größter Automobilkonzern am Freitag einen Rückgang seines Vorsteuergewinns auf 957 Millionen Euro bekannt geben wird. Dies würde im Vergleich zum ersten Quartal des vergangenen Jahres einen Rückgang von gut 23 Prozent entsprechen.

Im Vergleich zum Schlussquartal 2001 mit einem Vorsteuergewinn von 688 Millionen Euro wäre dies aber eine deutliche Verbesserung. Einige Analysten halten es allerdings für möglich, dass der neue Konzernchef Bernd Pischetsrieder seine Prognose im weiteren Jahresverlauf wegen der anhaltend schwachen Automobilnachfrage noch revidieren muss. Pischetsrieder rechnet bislang für das Gesamtjahr zumindest mit einem stabilen Gewinn.

Die Analysten gehen im Durchschnitt davon aus, dass sich der Umsatz von Volkswagen zum Vergleichsquartal des Vorjahres um 4,1 Prozent auf 21,731 Milliarden Euro verringert haben dürfte. Deutlich höher dürfte allerdings der errechnete prozentuale Rückgang beim Gewinn ausfallen: Die Experten erwarten minus 23,1 Prozent auf 957 Millionen Euro beim Vorsteuergewinn und minus 26,7 Prozent auf 608 Millionen Euro beim Reingewinn. Entsprechend dürfte sich der Gewinn je Aktie nach Analystenschätzungen auf 1,60 von 2,20 Euro verringert haben.

Volkswagen selbst hatte für die ersten drei Monate wegen des insgesamt schwachen Autoabsatzes und wegen eines hohen Restrukturierungsaufwands in Argentinien ein Vorsteuerergebnis unter dem Vorjahreswert von 1,245 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Bei den Auslieferungszahlen für das erste Quartal hatte Volkswagen den erwarteten Rückgang zuletzt auf 6,8 Prozent beziffert. Die größten Einbußen bei den Auslieferungen verbuchte dabei die Markengruppe VW mit minus neun Prozent, wodurch Volkswagen im März in Europa Marktanteile verlor. Einzig die Audi-Gruppe konnte mit 0,3 Prozent ein mageres Plus erzielen. Die Nutzfahrzeugsparte lieferte weltweit 67.000 Stück und damit 8,8 Prozent weniger Fahrzeuge aus.

Spannung vor der Jahres-Prognose

Mit Spannung erwarten die Analysten, welche Aussagen Volkswagen am Freitag zum weiteren Jahresverlauf machen wird. Mehrere Branchenexperten äußern sich inzwischen skeptisch, ob Pischetsrieder seine Prognose eines zumindest stabilen Gewinns für 2002 erfüllen kann. "Diese Aussage halte ich für sehr ambitioniert", sagte Hendrik Emrich von der Hamburger Berenberg Bank. "Die Volumina werden nicht wachsen, und der Umsatz wird wegen des besseren Produktmix leicht zunehmen."

Aus heutiger Sicht halte er es für wahrscheinlich, dass Pischetsrieder sein Ziel nicht erreicht, sagte Emrich. Größter Unsicherheitsfaktor sind die von Pischetsrieder angestrebten Einsparungen, zu denen neben Kostensenkungen auch flexible Produktions- und Arbeitszeitsysteme beitragen sollen. "Es wird sehr spannend zu erfahren, woher die Kostensenkungen stammen. Bisher ist Volkswagen mit Aussagen darüber sehr zurückhaltend", sagte HypoVereinsbank-Analyst Albrecht Denninghoff.

Lars Ziehn von der Deutschen Bank sagte mit Blick auf Pischetsrieders Prognose: "Wir sind da etwas zurückhaltender. Bisher ist nicht erkennbar, dass sich die Märkte besser entwickeln." Für das Gesamtjahr hält die Deutsche Bank einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses um zehn Prozent für möglich, nachdem der Konzern diesen 2001 noch um 18,6 Prozent auf 4,41 Milliarden Euro gesteigert hatte. Krista Kepler vom Bankhaus Merck Finck sagte: "Volkswagen wird seine Gewinnprognose im Jahresverlauf möglicherweise revidieren müssen." Der Konzern rechne mit einer Erholung im zweiten Halbjahr und setzte dabei auf die neuen Modelle Polo, Ibiza und das A4 Cabriolet. Auch wenn VW die Profitabilität von Polo und Ibiza verbessert habe, so könnten diese Modelle geringere Umsätze und Erträge beim Golf doch nicht ausgleichen.

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