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Volkswagen vor wegweisenden Tagen: Tarifkonflikt spitzt sich zu

Der Autobauer Volkswagen AG steht vor wegweisenden Tagen. Im festgefahrenen Tarifkonflikt um drastische Kostensenkungen gelten die Chancen auf eine Einigung bei der fünften Verhandlungsrunde an diesem Donnerstag als gering - damit werden Warnstreiks immer wahrscheinlicher.

dpa-afx HANNOVER. Der Autobauer Volkswagen AG steht vor wegweisenden Tagen. Im festgefahrenen Tarifkonflikt um drastische Kostensenkungen gelten die Chancen auf eine Einigung bei der fünften Verhandlungsrunde an diesem Donnerstag als gering - damit werden Warnstreiks immer wahrscheinlicher. Es steht viel auf dem Spiel: Bei einem Scheitern der geplanten drastischen Kostensenkungen werde es in den nächsten Jahren einen massiven Personalabbau geben, drohte VW - Personalvorstand Peter Hartz. Die IG Metall ihrerseits wirft dem Unternehmen ein "Tarifdiktat" vor, das die Gewerkschaft nicht mitmachen werde. Abseits des Theaterdonners ist aber auch bei der IG Metall zu vernehmen: ein echter Streik soll vermieden werden.

VW habe ein "dramatisches Kostenproblem" an den deutschen Standorten, weil sich die Marktlage nicht verändert habe, sagte Hartz, der sich im Tarifkonflikt öffentlich lange zurückgehalten hatte, in einem Zeitungsinterview. Wegen massiver Absatzprobleme auf seinen wichtigsten Märkten hatte VW bereits Ende Juli seine Gewinnprognose für dieses Jahr deutlich gesenkt - trotz eines millionenschweren Sparprogramms. Auch im dritten Quartal dürfte sich das Geschäft nicht grundlegend gebessert haben: Die Zahlen, die der VW-Vorstand ebenfalls am Donnerstag vorlegt, dürften erneut ernüchternd ausfallen.

Streiks wären angesichts der schwierigen Lage bei VW ein "verheerendes Signal", warnte Hartz. Eine Eskalation des Tarifkonflikts mit echten Streiks will allerdings auch die IG Metall nicht, wie es in Gewerkschaftskreisen heißt. Bis zum 12. November, dem Tag der nächsten Aufsichtsratssitzung, solle eine für beide Seiten akzeptable Lösung angestrebt werden.

'Dann Kriegt VW EIN Problem'

Nach außen hin aber trommelt IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine seit Tagen, schimpft auf den VW-Verhandlungsstil und kündigt massive Warnstreiks an, falls es am Donnerstag keine Einigung gibt. "Dann kriegt VW ein Problem", sagte Meine. "Ich gehe davon aus, dass es möglich ist, durch Warnstreiks einen solchen Druck zu entfalten, dass wir ein für uns akzeptables Ergebnis erzielen." Bereits am Dienstag und Mittwoch beteiligten sich tausende VW-Beschäftigte an Protestkundgebungen gegen den Sparkurs des Unternehmens.

Bei der IG Metall ist man verärgert darüber, dass das VW - Management das Kompromiss-Angebot der Gewerkschaft in der vierten Tarifrunde abgelehnt hat. Darin hat die IG Metall ihre Lohnforderung auf rund zwei Prozent halbiert und sich bereit erklärt, für Neueingestellte und übernommene Auszubildende niedrigere Einkommen zu akzeptieren. VW habe die "ausgestreckte Hand" der IG Metall ausgeschlagen, schimpfte Meine, das Unternehmen halte starr an seinen Positionen fest. Die IG Metall werde ihr Angebot nicht nachbessern. Beim Volkswagen-Management hieß es dagegen säuerlich: "Die haben uns nicht die Hand ausgestreckt, die haben uns den Rücken zugewandt."

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