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Volkswagen will 2005 negativen Trend drehen

vwd WOLFSBURG. Seit drei Jahren sinkt der operative Ertrag der Volkswagen AG - von 5,4 Mrd Euro im Jahr 2001 auf voraussichtlich 1,5 Mrd Euro im laufenden Jahr. Doch erst 2005 werde sich die "wirkliche Ertragskraft" von VW zeigen, hatte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch bereits vor mehr als einem Jahr angekündigt. Ganz sicher, dass die Talsohle bereits 2004 erreicht ist, sind sich Analysten dagegen nicht. Denn neben einem Anziehen der Automobilkonjunktur müssen auch die internen Weichenstellungen Wirkungen zeigen.

Wunde Punkte: Nordamerika und Dollar

Für Volkswagen wird 2005 der Turnaround im US-Geschäft im Mittelpunkt stehen. Vor dem Hintergrund von Verkaufszahlen, die prozentual zweistellig Rückläufig sind, benötigen die VW-Händler in Nordamerika die Erneuerung des Jetta. Auch die Modelle Passat und New Beetle gehören zur Riege der älteren Modelle. Vom "Stufenheck-Golf" Jetta, in Deutschland als Rentnermodell verschrien, verkaufte VW in den vergangenen 24 Jahren immerhin über 2,2 Mio Exemplare. Die Präsentation des neuen Jetta Anfang Januar auf der Los Angeles Motor Show wird für VW also ein wichtiger Indikator für die künftige Entwicklung.

In Nordamerika, wo 2004 wohl ein Verlust von rund 1 Mrd Euro auflaufen wird, hat VW für 2005 daher eine "deutlich bessere" Ertragslage prognostiziert. "Schlechter als mit einem Minus von 250 Mio Euro sollte es aber nicht ausfallen", sagt Analyst Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim. Starken Einfluss auf die Entwicklung hat der Dollarkurs. Zwar erhöht der Konzern allmählich das sogenannte "Natural Hedging", also Fertigung und Einkauf von Waren im Dollarraum, die dort auch abgesetzt werden. Beim "Financial Hedging", also der reinen Währungskursabsicherung, gibt es aber weiter Risiken.

Der schwache Dollar hat den Konzern in den vergangenen zwei Jahren mehr als 2 Mrd Euro gekostet. Sollten sich die Prognosen einiger Volkswirte bestätigen, dass sich die US-Währung auch 2005 dauerhaft über 1,30 Euro festsetzt, hat der Konzern mit der derzeitigen Währungsabsicherungspolitik ein erhebliches Risiko an Bord.

"ForMotion" soll Bewegung in die Rentabilität bringen

Die größten positiven Effekte dürfte Volkswagen mit dem Effizienzsteigerungs- und Kostensenkungsprogramm "ForMotion" erzielen. Um 3,1 Mrd Euro soll die Kostenbasis 2005 gesenkt werden, 2004 wird wohl bereits mehr als eine Mrd Euro gespart. "Es wird interessant sein, ob es mit den Kosten- und Personaleinsparungen gelingen wird, die anhaltende Marktschwäche auszugleichen", sagt M.M. Warburg-Analyst Marc Rene Tonn. Bei einem Umsatz von 94,2 (90,8) Mrd Euro erwartet er für den Konzern ein Wachstum des operativen Ergebnisses auf 2,43 (1,57) Mrd Euro.

Die Durchschnittserlöse je Fahrzeug werden sich seiner Ansicht nach aber "nur leicht nach oben entwickeln". Hoffnungsträger ist auch die Modellpalette des Konzerns. "Durch die in diesem Jahr neu in den Markt eingeführten Modelle wie Skoda Octavia, Audi A6 oder Seat Altea und die im nächsten Jahr anstehenden Nachfolger von Jetta/Bora und Passat sowie den dann anstehenden Vertrieb des VW Fox in Euroopa sollte der Konzern neue Impulse erhalten", prognostiziert Analyst Frank Schwope von der Nord/LB. Er erwartet einen operativen Gewinn von 2,2 Mrd Euro.

Auch Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim meint, dass es für VW "modellseitig sehr gut aussieht". Sollte der Konzern 2005 von dieser Situation aber nicht profitieren, "dann hat er ein Problem". Der Analyst erwartet einen operativen Ertrag von 2,39 (1,50) Mrd Euro. Zudem haben die Wolfsburger bereits verlauten lassen, dass bei der brasilianischen Tochter 2005 zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder ein Gewinn herausspringen soll. Und die verlustträchtige Nutzfahrzeugsparte will ebenfalls operativ den Turnaround schaffen.

Konjunkturschwäche drückt

VW als Massenhersteller ist allerdings von der konjunkturellen Entwicklung im Allgemeinen und der automobilen Nachfrage im Besonderen abhängig. Vor allem der deutsche Markt hat seit Jahren keine positiven Tendenzen erkennen lassen. Zwar hat der Konzern keine Marktanteile verloren, doch die Fahrzeuge lassen sich hier mittlerweile ebenso wie in den USA nur noch mit hohen Rabatten verkaufen. "Das Rabatt-Niveau ist nach wie vor auf historischem Höchststand", sagt Automobil-Experte Professor Ferdinand Dudenhöffer, der den Studiengang Automobilwirtschaft an der FH Gelsenkirchen leitet.

Auch die Situation auf dem für VW zweitwichtigsten Markt China werde "eher durch Preisdruck geprägt sein", sagt Analyst Tonn. Volkswagen selbst hat sich bislang - wohl auch aufgrund der negativen Erfahrungen mit Gewinnprognosen - nur sehr zurückhaltend zum Ausblick geäußert. Pötsch erklärte, dass VW beim operativen Ergebnis "klar besser" dastehen will als 2004. Dies gelte aber nur unter der Bedingung, dass sich die Märkte im nächsten Jahr nicht negativer entwickeln als bisher. Die VW-Ergebnisqualität 2005 "hängt von der Realisierung der Kosteneinsparpotenziale und der Preisentwicklung an den Märkten ab", resümiert Analyst Juchemich.

Wobei es das nicht zu vernachlässigendes Risiko gebe, dass ein Teil der ForMotion-Einsparungen durch die Notwendigkeit weiterer Preiszugeständnisse aufgezehrt wird. "Es gibt ein gewisses Risiko, dass die Talsohle 2004 noch nicht gesehen worden ist", warnt Analyst Tonn. VW würde allerdings eine positive Überraschung gut zu Gesicht stehen, zum Beispiel eine Gewinnprognose für 2005, die höher ausfällt als im Markt erwartet. Dann wären sicherlich auch für die VW-Aktie Kurse von über 40 Euro wieder in Sichtweite.

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