Volkswagen will Aktien so erfolgreich verkaufen wie Autos
Analysten sehen VW in schwieriger Phase

Vielmehr als auf die Ertragslage des vergangenen Jahres werden Börsianer am Dienstag nächster Woche bei der Bekanntgabe der Zahlen aber darauf achten, was der Wolfsburger Konzern zum Ausblick für das laufende Geschäftsjahr sagt.

rtr HAMBURG. Denn der weitere Verlauf ist wegen der Marktschwäche in Westeuropa und den USA zurzeit kaum vorhersehbar. Analysten erwarten, dass ein Markteinbruch vor allem Volkswagen als europäischen Marktführer treffen würde. Hoffnungen - und damit auch Börsenfantasie - richten sich auf den Wechsel an der Konzernspitze von Ferdinand Piech auf den früheren BMW-Chef Bernd Pischetsrieder im April.

17 von Reuters befragte Analysten gehen im Mittel davon aus, dass Volkswagen im vierten Quartal einen Vorsteuergewinn von 815 Mill. ? erzielt hat, das sind 546 Mill. ? weniger als im Quartal davor. Der Umsatz dürfte zugleich auf 21,95 Mrd. ? gestiegen sein, im Vergleich zum dritten Quartal entspricht dies einer Zunahme um knapp sechs Prozent.

Gewinnrückgang im vierten Quartal 2001

Im Gesamtjahr dürfte der Konzern den Vorsteuergewinn den Analysten zufolge auf 4,512 Mrd. ? gesteigert haben. Das wären rechnerisch zwar fast 700 Mill. mehr als im Vorjahr, doch war der Vergleichswert durch Rückstellungen für die Altautoverordnung niedriger ausgefallen. Ohne diese Belastung könnte es nach Einschätzung von Analysten für VW knapp werden, den für Piechs letztes Amtsjahr angekündigten erneuten Rekordgewinn zu erzielen.

Analysten erwarten schwieriges Jahr 2002

Für 2002 rechnen die Branchenexperten mit einem schwierigen Jahr für Volkswagen. Neben der Marktschwäche in Westeuropa und den USA führen die Experten zur Begründung den Modellzyklus des Wolfsburger Autokonzerns an, in dem das aktuelle Golf-Modell in sein letztes Jahr tritt. Potenzielle Käufer könnten sich nun zurückhalten, bis Mitte 2003 das neue Modell auf den Markt kommt, oder sogar zu einem Produkt der Konkurrenz wechseln. Hendrik Emrich von der Berenberg Bank in Hamburg erwartet, dass Volkswagen Marktanteile vor allem an den Fiat-Stilo und den Peugeot 307 verlieren wird.

Volkswagen selbst geht bisher davon aus, dass er bei stabilen Verkaufszahlen das Konzernergebnis halten kann. Belastungen durch den stärkeren Wettbewerb sollen durch entfallende Anlaufkosten des neuen Polo, die Einführung des neuen A4 in den USA und weitere interne Kostensenkungen aufgefangen werden. Eine konkrete Prognose erscheint wegen der unsicheren Situation an den Automobilmärkten diesmal besonders schwer. "Es war noch nie so schwierig, eine Prognose zu stellen wie in diesem Jahr", sagte Finanzchef Bruno Adelt Reuters.

Im Januar brachen die Auto-Neuzulassungen von VW in Europa nach Branchenangaben im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 % ein. Im gleichen Zeitraum legte der schärfste Rivale von VW, der französische Autohersteller PSA Peugeot Citroen um 9,3 % zu und rückte beim Marktanteil näher an die Wolfsburger heran.

Hoher Preisdruck erschwert die Prognosen

Ein Faktor, der Vorhersagen erschwert, ist der sehr hohe Preisdruck in der Branche. Sollte sich der Absatz nicht wie erhofft entwickeln und der Umsatz wegen sinkender Preise zurückgehen, dürfte es nach Einschätzung von Lars Ziehn von der Deutschen Bank für VW schwer werden, die Erträge wie geplant stabil zu halten.

Sebastian Stein von der Bankgesellschaft Berlin rechnet beim Vorsteuerergebnis sogar mit einem Rückgang um zehn Prozent. Positiv werde sich allerdings die neue Konzernstruktur auswirken, mit der Volkswagen in zwei Markengruppen aufgeteilt wurde. Wie Stein begrüßen auch andere Analysten, dass Volkswagen damit die interne Konkurrenz zwischen einzelnen Modellen aufgibt. Bislang war wegen der Gleichteile-Strategie von VW von hausinterner "Kannibalisierung" zwischen einzelnen Konzernmarken die Rede, die die Gewinne schmälere. Dies soll mit der von Pischetsrieder eingeführten Aufteilung beendet werden.

Vom designierten Konzernchef erhoffen Analysten auch eine Verbesserung des Verhältnisses von Volkswagen zu Investoren. Analyst Emrich glaubt, dass der frühere BMW-Chef mehr Wert auf den Aktienkurs legen wird als sein Vorgänger Piech dies getan habe und sich Volkswagen damit den Informationsbedürfnissen der Börse weiter öffne.

VW will Aktien so erfolgreich verkaufen wie Autos

Finanzchef Adelt ließ bereits erkennen, dass bei Volkswagen eine neue Zeit beginnt: "Es ist ganz klar spürbar, dass der gesamte Vorstand jetzt erkannt hat, wir müssen nicht nur Autos verkaufen, sondern auch Aktien", sagte er in einem Reuters-Interview.

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