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Volkswirte - EZB-Intervention am richtigen Tag

Reuters FRANKFURT. Für ihre zweite Intervention zu Gunsten des Euro am Freitag hat die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung von Volkswirten genau den richtigen Zeitpunkt gewählt. Gestützt durch schwächere US-Konjunkturdaten hatte sich der Euro bereits in den vergangenen Tagen erholt. Diese Entwicklung habe die EZB am Freitag mit ihrem Eingreifen am Devisenmarkt unterstützt, sagten die Experten. Auch sei der Markt vom Schritt der EZB überrascht worden. Uneinig waren sich die Experten allerdings darüber, ob das Eingreifen zu einer anhaltenden Stützung des Euro führen werde. Mittelfristig werde die Kursentwicklung vor allem von der US-Konjunktur abhängen. Weitere Interventionen könnten durchaus notwendig sein.

"Die Intervention ist zeitlich gut platziert", sagte Steven Saywell von der Fuji Bank in London. "Sie kommt, nachdem es bereits einen leichten Stimmungsumschwung für den Euro gegeben hat.". Die EZB tue offensichtlich das Richtige. Allerdings sei das Volumen der Intervention offenbar nicht allzu groß gewesen, da sich der Kurs der Gemeinschaftswährung nicht allzu stark nach oben entwickelt habe. Klaus Schrüfer von der BFG Bank in Frankfurt verwies ebenfalls darauf, dass Interventionen erfahrungsgemäß vor allem dann erfolgreich seien, wenn es mit dem Wechselkurs bereits aufwärts gehe. Nach der Bekanntgabe der Intervention ging der Kurs des Euro um gut anderthalb US-Cent auf 0,8796 $ nach oben, pendelte sich später aber wieder bei etwa 0,8740 $ ein.

Matthew Clemens von Prebon Yamane in London bezeichnete Interventionen als lediglich kurzfristige Maßnahmen. Bereits am Freitagnachmittag würden vermutlich die US-Konjunkturdaten wieder die Richtung des Euro-Kurses bestimmen. Für den Nachmittag war die Veröffentlichung von US-Arbeitsmarktdaten geplant. "Wenn wir heute Nachmittag sehen, dass die Zahl der neu geschaffenen US-Arbeitsplätze 200 000 oder mehr beträgt, dann kommt der Euro wieder herunter", sagte Clemens.

Der Chefvolkswirt der BHF Bank, Uwe Angenendt, sagte ebenfalls, der Euro habe auf die Intervention nur moderat reagiert. Auch er geht aus diesem Grund von einem insgesamt geringen Interventionsvolumen aus. "Ich kann mir aber vorstellen, dass das nicht alles gewesen ist und im Tagesverlauf noch mehrere Wellen folgen können." Auch Michael Klawitter von der WestLB geht davon aus, dass die EZB zu weiteren Schritten gezwungen sein könnte. Es scheine klar, dass die EZB wirklich einen Boden für den Euro-Kurs ziehen wolle. Das bedeute aber auch, dass sie den Euro wieder verteidigen müsse, wenn er erneut unter Druck gerate.

Über das Volumen der Intervention schwieg sich die EZB ebenso wie bei der vorangegangenen Intervention der Notenbank gemeinsam mit den G7-Notenbanken am 22. September aus. Zentralbanken äußern sich traditionell nicht zu dem Volumen solcher Eingriffe, um bei eventuellen weiteren Stützungskäufen für die Märkte nicht berechenbar zu sein. Die Analysten gehen jedoch davon aus, dass das Volumen bei Intervention vom 22. September deutlich größer war als am Freitagvormittag, da die Kursausschläge deutlicher ausgefallen waren. Der Euro hatte damals zwischenzeitlich über vier Cents auf mehr als 0,90 $ zugelegt. An der damaligen Intervention waren auch die Notenbanken der USA und Japans beteiligt.

Bedenklich stimmte einige Volkswirte, dass sich nach Angaben der EZB keine Notenbanken außerhalb der Euro-Zone an den Euro-Stützungskäufen beteiligt hätten. "Es wird nicht erwähnt, dass andere Zentralbanken sich bislang anschließen, was die Aktion etwas riskant erscheinen lässt", sagte Monique Wong von UBS Warburg. Die EZB hatte mitgeteilt, dass die Notenbanken der USA und Japans zwar informiert, aber nicht an der Aktion beteiligt gewesen seien. Die Intervention sei von der EZB und von Notenbanken der Euro-Zone allein ausgeführt worden.

Bereits vor dem ersten, koordinierten Eingreifen der Notenbanken der G-7-Staaten im September hatte es am Devisenmarkt Zweifel gegeben, ob sich eine gemeinsame Linie zur Unterstützung des Euro finden lasse. Unter anderem hatte sich US-Finanzminister Lawrence Summers immer wieder für einen starken $ ausgesprochen. Dass sich die USA vor der am Samstag stattfindenden Präsidentschaftswahl an einer Intervention beteiligen würden, sei am Devisenmarkt generell ausgeschlossen worden, sagten Volkswirte. Insofern habe der Alleingang der EZB die Märkte noch überraschender getroffen und damit die Erfolgsaussichten noch erhöht.

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