Volkswirte rechnen mit Stagnation der Wirtschaft im vierten Quartal
Frankreich profitiert vom Konsum

Frankreichs Wirtschaft konnte sich noch einmal gegen den konjunkturellen Abwärtstrend stemmen. Schon im vierten Quartal könnte es damit aber vorbei sein, erwarten Banken-Volkswirte, die dann bestenfalls mit Stagnation rechnen.

ari/pbs DÜSSELDORF. Im dritten Quartal ist die Wirtschaftsleistung um 0,5 % gestiegen, teilte die Pariser Statistikbehörde INSEE mit. Im zweiten Quartal lag das Plus noch bei revidiert 0,2 % (ursprünglich 0,3 %). Damit hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fast doppelt so stark wie ursprünglich erwartet zugelegt - während sich die deutsche Wirtschaft in der Rezession befindet. Die Aussichten für die Euro-Zone, im Quartalsvergleich nicht nur mit einem minimalen Zuwachs von knapp über Null aufwarten zu können, sind damit gestiegen.

Allerdings würde das französische Ergebnis keinen Grund zu übermäßiger Freude geben, meint David Naudé, Volkswirt bei der Deutschen Bank. Auf Jahressicht ist das BIP im dritten Quartal um 2 % gewachsen. Im zweiten Quartal waren es noch 2,2 %. Auch dieser Abschwung war geringer als in Deutschland, wo nur 0,3 % nach 0,6 % Plus erreicht wurden. Banken-Volkswirte gehen davon aus, dass sich das Wachstum im vierten Quartal und in den ersten Monaten des kommenden Jahres abkühlen aber nicht in den Minusbereich abrutschen wird. Frankreich werde aber im Gegensatz zu Deutschland nicht in eine Rezession abrutschen, sagte Volkswirt Nicolas Claquin von der CCF. Wenn das deutsche Wachstum am Boden ist, seien aber auch die Aussichten für die französische Wirtschaft nicht gut, meint Naudé. Schließlich gingen 15 % der französischen Exporte nach Deutschland.

Für das gute französische Ergebnis ist vor allem die Kauflust der Bürger verantwortlich. Der private Konsum stieg im Vergleich zum Vorquartal um 1,2 %. Im zweiten Quartal betrug das Plus dagegen nur 0,3 %. "Die Franzosen lassen sich von der insgesamt gedrückten Stimmung nicht so schnell irritieren", sagt Gabriele Widmann, Volkswirtin bei der DGZ Bank. -Deka Die Deutschen dagegen gelten in schlechten Zeiten als Angstsparer. Neben diesem psychologischen Effekt haben sich auch die Steuererleichterungen, mit denen die Regierung seit Anfang des Jahres den zunächst hohen Energiepreisen entgegensteuert, bemerkbar gemacht. Zusätzlich habe die Beschäftigungsprämie für Geringverdienende, die im September ausgezahlt wurde, den Konsum angeregt, erklärt Widmann. Rund acht Millionen Franzosen hätten bis zu 200 Euro pro Kopf erhalten. Die Prämie soll einen Anreiz bieten, einen gering bezahlten Job anzunehmen, statt Sozialleistungen zu beziehen. Allerdings werden die Verbraucherausgaben voraussichtlich im vierten Quartal nicht weiter steigen, erwartet Emmanuel Ferry von Exane. In Deutschland waren sie schon im dritten Quartal gegenüber der Vorperiode gesunken.

Einen positiven Beitrag zum Wachstum lieferte dank des Konsums auch die Inlandsnachfrage. Ohne Lagerhaltung stieg sie um 0,9 %. Kaum Stütze waren dagegen die Investitionen insgesamt. Sie sind in den Monaten Juli, August und September nur um 0,1 % gestiegen, nach einem Rückgang von 0,3 % im zeiten Quartal. Als kein gutes Zeichen werten Volkswirte den erstmaligen Rückgang der Unternehmensinvestitionen seit dem ersten Quartal 1997. Sie allein sind um 0,2 % gefallen, nach plus 0,1 % im zweiten Quartal. Weil Importe und Exporte in gleichem Ausmaß - um jeweils 1,5 % - zurück gingen, lieferte der Außenhandel keinen Wachstumsbeitrag. Die Auslandsnachfrage werde erst im Sommer 2002 wieder wesentliche Impulse liefern, erwarten die Volkswirte der Commerzbank. Auch der Lagerabbau trug ein Minus von 0,4 % zum BIP bei.

Nach den neuen Zahlen gibt sich das französische Statistikamt, das im Gegensatz zum deutschen auch Prognosen abgeben darf, optimistisch. Die Anfang Oktober von 2,3 auf 2,1 % nach unten korrigierte Prognose könne jetzt selbst bei Stagnation im vierten Quartal aufrecht erhalten werden. Die Commerzbank rechnet mit einem Wachstum von 2 % in diesem und 1 % im kommenden Jahr. In ganz anderer Größenordnung bewegt sich die Regierung: Sie erwartet zwar für 2001 auch mindestens 2 % BIP-Wachstum, 2002 hält sie aber sogar eine Rate zwischen 2,25 und 2,5 % für möglich. Finanzminister Laurent Fabius hat bereits mehrfach bekräftigt, Frankreich werde an einer Rezession vorbeikommen.

Auch Euroland dürfte von der positive Entwicklung in Frankreich profitieren. Volkswirte der Commerzbank erwarten einen "bescheidenen Zuwachs" beim BIP von 0,2 % im dritten Quartal. Von Standard & Poor?s befragte Volkswirte gehen im Mittel allerdings nur von 0,1 % aus. Am kommenden Freitag werden die offiziellen Zahlen für die Euro-Zone veröffentlicht. Bisher mussten Deutschland und die Niederlande ein Schrumpfen ihrer Wirtschaft bekannt geben - um 0,1 bzw. 0,4 % gegenüber dem Vorquartal. Das italienische BIP stieg dagegen nach ersten Schätzungen um 0,2 %.

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