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Volkswirte sehen Preis-Effekt durch Euro-Einführung

Nach Expertenschätzung sorgten neben dem neuen Bargeld auch höhere Steuern und teureres Gemüse für einen deutlichen Anstieg der Inflation.

vwd FRANKFURT. Die Euro-Bargeldeinführung, Steuererhöhungen und verteuertes Frischgemüse haben nach Einschätzung von Volkswirten im Januar für erheblichen Preisauftrieb in Deutschland gesorgt. Von vwd befragte Experten rechnen für Januar mit einem Preisanstieg von 1,1 % gegenüber dem Vormonat. Im Dezember waren die Verbraucherpreise binnen Monatsfrist lediglich um 0,1 % gestiegen. Auf Jahressicht erwarten die Experten für Januar eine Teuerungsrate von 2,3 % nach 1,7 % im Dezember.

Sachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg werden ihre Preisdaten für den Berichtsmonat wegen der Euro-Bargeldeinführung etwas später als üblich am Donnerstag bekannt geben. Die auf Basis dieser Kennzahlen ermittelte vorläufige Teuerungsrate für Deutschland will das Statistische Bundesamt dann ebenfalls noch am Donnerstag oder spätestens am Freitag veröffentlichen. Vergangene Woche hatte das Bundesamt bereits mitgeteilt, dass die Steuererhöhungen in Deutschland den Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vormonat um 0,4 % und auf Jahressicht um 0,1 % erhöhen werden.

Nach Berechnungen der Behörde wirken vor allem die Mineralöl- und die Tabaksteuer preiserhöhend. Aussagen zum Einfluss der Euro-Bargeldeinführung auf die Verbraucherpreise für Januar machte das Amt in der vergangenen Woche wegen der noch laufenden Preisermittlungen nicht.

Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass die Bargeldumstellung stärker als bisher vermutet zu Preiserhöhungen genutzt wurde. Vor allem im Facheinzelhandel wie Bäckereien und im Gastgewerbe seien die Preise seit Jahresbeginn gestiegen. Im Gegensatz dazu seien Preiserhöhungen in Supermärkten wegen der verstärkten Aufmerksamkeit der Kunden ausgeblieben. Ferner erwarten die Volkswirte wegen des harten Winters in Südeuropa erheblich höhere Preise für Frischgemüse, was das Preisniveau um 0,4 % heben werde.

Insgesamt erwarten die Commerzbank-Volkswirte für Januar einen Preisanstieg gegenüber dem Vormonat von 1,3 % und eine Jahresrate von 2,5 %, wobei der Preisschub ihrer Ansicht nach aber nur temporär sein dürfte.

Stefan Bergheim von JP Morgan schätzt den Preisanstieg durch die Euro-Bargeldeinführung als etwas geringfügiger als die Commerzbank-Experten ein. Die meisten Preise im Einzelhandel seien bereits 2001 erhöht worden, meint Bergheim. Preisrundungen im Gastgewerbe dürften dagegen einen stärkeren Effekt auf die Januar-Teuerung gehabt haben. Als Hauptpreistreiber für den Berichtsmonat nennt der Volkswirt Steuererhöhungen, teureres Frischgemüse sowie gestiegene Strompreise.

Krankenversicherungen und Zugtickets seien ebenfalls teurer geworden, fügt Bergheim hinzu. Seine Prognose lautet auf einen saisonbereinigten Preisanstieg von 0,7 % binnen Monatsfrist und 2,0 % auf Jahressicht. Für die kommenden Monate rechnet Bergheim aber wieder mit stark nachlassenden Preisen in Deutschland. Er sieht die deutsche Jahresteuerung zur Jahresmitte bei 1,0 %.

Allerdings bestünden bei diesen Prognosen auch hohe Unsicherheitsfaktoren, räumt Bergheim ein. Dies zeige auch die Diskussion im Vorfeld der Veröffentlichung der Daten. Hintergrund dafür lieferten Gerüchte über interne Schätzungen der Deutschen Bundesbank über ein angebliches Hochspringen der Vorjahresrate auf 3,0 %. Die Bundesbank hat die Gerüchte bereits zurückgewiesen und klar gestellt, dass ein vorübergehender Anstieg der Inflationsrate aber wegen Sonderfaktoren wie witterungsbedingten Verteuerungen von Nahrungsmitteln nicht auszuschließen sei.

EZB-Ratspräsident Wim Duisenberg hatte zudem betont, dass sich die Euro-Bargeldeinführung nicht sofort, sondern erst in ein, zwei Monaten auf die deutschen Preise auswirken wird. Thorsten Polleit von Barclays Capital rechnet Frischgemüse sowie Preiserhöhungen im Hotel- und Gestgewerbe ebenfalls zu den Preistreibern im Januar. Seine Schätzung lautet auf einen Anstieg von 1,0 % gegenüber Dezember und 2,2 % binnen Jahresfrist. Allerdings seien auch Jahresraten bis zu 2,7 % im Bereich des Möglichen, meint er.

Jörg Krämer von Invesco Asset Management schätzt den Anteil der Euro-Bargeldeinführung auf die Preisentwicklung im Januar auf 0,5 %. Für mögliche Preissenkungen großer Einzelhändler auf Grund einer erhöhten Wachsamkeit der Kunden existierten lediglich anekdotische Beweise. Dagegen könne damit gerechnet werden, dass kleinere Unternehmen und Dienstleister wie Frisöre ihre Preise erhöht hätten. Krämer sieht die deutschen Preise im Januar daher im Monatsvergleich um 1,2 % und im Jahresvergleich um 2,4 % klettern. +++ Frances Palgrave

vwd/29.1.

2002/pal/hab 291325 JAN 02 NNNN

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