Volkswirte sehen schwindenden Einfluss von Direktinvestitionen
Portfolio-Investoren entscheiden über die Euro-Stärke

FRANKFURT/M. Der Verlust an Direktinvestitionskapital wird 2001 den Euro-Kurs weniger stark als in den vergangenen Jahren drücken. Die Bedeutung von Portfolio-Investitionen wird steigen und den Euro gegenüber dem US-Dollar im Wert klettern lassen. Diese Meinung gewinnt unter Analysten und Bankvolkswirten an Bedeutung.

Ian Stannard von BNP Paribas sagte der Nachrichtenagentur Reuters, zum ersten Mal seit zwei Jahren gebe es positive Faktoren, die für den Euro sprächen. In den Jahren vor 2000 hatte der Euro-Raum bei den Direktinvestitionen netto zunehmend verloren. Hiesige Unternehmen investierten mehr im Ausland als an Direktinvestitionskapital zurückkam. Für sich genommen drückt der damit verbundene Kapitalabfluss auf den Euro-Kurs. Im vergangenen Jahr hat dieser Trend gedreht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) weist für 1998 einen Netto-Abfluss von Direktinvestitionskapital in Höhe von 83,2 Mrd. aus, der 1999 auf 120,6 Mrd. stieg. Für Januar bis November 2000 nennt die EZB hingegen ein Plus von 10,4 Mrd., nach einem Minus von 100,9 Mrd. vor einem Jahr. Entscheidend für diese Umkehr der Direktinvestitionsbilanz war allein die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Februar 2000.

Analysten sind dennoch hoffnungsfroh, dass sich der Trend fortsetzt. Mit dem abnehmenden Wirtschaftswachstum in den USA werde es wahrscheinlicher, dass europäische Unternehmen weniger jenseits des Atlantiks investieren.

So berichtet BNP Paribas, dass die amerikanisch-europäischen Merger & Acquisitions - gemessen am Volumen - im Dezember 2000 erstmals seit über einem Jahr zu Gunsten des Euro-Raums ausfielen. Bilal Hafeez von J.P.Morgan Securities verweist jedoch darauf, dass die Unternehmen des Euro-Raums im Dezember die größten Käufer ausländischer Firmen geblieben seien. Die im Dezember angekündigten grenzüberschreitenden Firmenkäufe zeigen ein Minus von rund 9,9 Mrd. für den Euro-Raum.

M&A-Boom findet 2001 vorerst ein Ende

Im Januar 2001, so Hafeez, habe sich dieses Bild geändert. Nach den ersten Schätzungen von J.P.Morgan Securities erzielten die Europäer im Januar netto ein Plus bei M&A-Kapital von rund 4,7 Mrd.. Weltmeister waren hingegen erneut die USA, die netto rund doppelt so viel Direktinvestitionskapital anzogen.

Hafeez glaubt aufs Jahr gesehen, dass der Euro-Raum auch 2001 netto noch M&A-Kapital verlieren werde - wenn auch weniger als in den vergangenen Jahren. Das würde für sich genommen den Euro stärken.

Wie BNP Paribas erwartet aber auch J.P.Morgan Securities, dass der Wachstumsboom der vergangenen Jahre der grenzüberschreitenden M&A-Aktivitäten vorerst ein Ende findet. Jens Dallmeyer von Deutsche Bank Research sagt, das M&A- Volumen werde sich in diesem Jahr stabilisieren.

Damit gewännen für den Euro- Wechselkurs die Portfolio-Investitionen an Bedeutung und könnten der Währung auf die Sprünge helfen. "Die schwache Wirtschaft in den USA wird die Anleger in diesem Jahr eher nach Euro-Land treiben", sagt Dallmeyer. Auch BNP Paribas befindet, dass im schwierigen globalen Umfeld, risikoscheue Investoren sich mehr für die Bond-Märkte interessierten - und damit verstärkt für Euro-Land. Hafeez ist da vorsichtiger: Im ersten Halbjahr 2001 würden europäische Investoren weniger in den USA anlegen als zuvor, meint der J.P.Morgan-Ökonom. Für das zweite Halbjahr will Hafeez aber keine Prognose wagen, wird für den zeitlichen Abschnitt doch schon eine Erholung der US-Wirtschaft erwartet.

Die jüngsten US-Zinssenkungen sprechen jedenfalls nach Ansicht von Carsten-Patrick Meier dafür, dass wieder mehr Anlagekapital in den Euro-Raum fließt. "Das wird der Tendenz nach den Euro-Kurs helfen", sagt der Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Der Weg zu einer Umkehr bei der Portfolio-Bilanz ist für die Euro-Zone weit. Von Januar bis November 2000 flossen netto 142,9 Mrd. Portfolio-Kapital ins Ausland. Das waren 100 Mrd. mehr als noch ein Jahr zuvor. Entscheidend wird sein, ob die Anleger tatsächlich die Euro- Wirtschaft im Vergleich zur USA als einen Hort der Ruhe ansehen. Sicher ist das nicht: Dallmeyer von DBR sagt auf den aktuellen Euro- Kurs anspielend: "Wir hätten schon gedacht, dass sich der Euro im derzeitigen Umfeld stärker erholt."



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