Volkswirte uneinig
Euro wegen Unsicherheit über EZB-Zinspolitik schwach

Der Euro hat am Freitag wegen anhaltender Unsicherheit über die weitere Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) schwach bei Kursen unter 0,85 Dollar notiert. Am Markt herrscht Händlern zufolge weiter Unklarheit darüber, ob und wann die Zentralbank die Leitzinsen in der Euro-Zone senken wird.

Reuters FRANKFURT. Auf die Äußerungen führender EZB-Mitglieder, die Bank sorge sich weiter um die Inflation in der Euro-Zone, hatte der Euro zeitweise mit geringfügigen Kursabschlägen reagiert. Die Gemeinschaftswährung legte wieder etwas zu, nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder die EZB vorsichtig dazu drängte, die Leitzinsen zu senken.

Gegen 18 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,8475/80 Dollar. Am Mittag hatte die EZB den Referenzkurs mit 0,8480 Dollar ermittelt. Der Yen erholte sich von seinem Zehnwochen-Tief vom Vortag, nachdem sich Finanzminister Masajuro Shiokawa und Wirtschaftsminister Heizo Takenaka deutlich gegen einen zu schwachen Yen ausgesprochen hatten. Gegen 18 Uhr MESZ kostete ein Dollar 124,67/74 Yen nach einer New Yorker Eröffnung bei 124,25 Yen.

Volkswirte waren geteilter Auffassung darüber, ob die EZB bereits kommende Woche bei ihrer Zinssitzung die Leitzinsen senken oder weiter unverändert bei 4,5 Prozent belassen würde. Zuletzt hatte die Zentralbank die Zinsen am 10. Mai gesenkt und dies mit nachlassenden Risiken für die Priesstabilität begründet.

Nach Worten von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing dürfte die Inflation in der Euro-Zone im Mai (mit 3,4 Prozent) zwar ihren Höhepunkt erreicht haben. Durch Basiseffekte könne es aber zu Rückschlägen kommen. EZB-Direktoriumsmitglied Sirkka Hämäläinen wurde in einem Interview mit der Aussage zitiert, die Zentralbank erwarte kommendes Jahr einen Inflationsrückgang in der Euro-Zone. "Auf der Grundlage unserer Schätzungen sieht es so aus, als ob wir uns im kommenden Jahr unserem mittelfristigen Preisentwicklungsziel (von 2,0 Prozent) annähern werden", sagte sie. Bundesbankpräsident und EZB-Direktoriumsmitglied Ernst Welteke sagte am Freitag in Mannheim, ein schwacher Euro-Kurs signalisiere die Gefahr importierter Inflation. Die Vertreter der Notenbank seien daher an einem starken Euro interessiert.

Schröder drängte die EZB erneut vorsichtig zu einer Zinssenkung, um die lahmende Konjunktur in Deutschland anzukurbeln. Die EZB habe neben ihrer Verpflichtung zur Stabilität auch die Aufgabe, das Wachstum zu bedenken, sagte er am Freitag in Berlin. Dies werde die Zentralbank auch tun, dessen könne man sicher sein. Der aktuelle Wechselkurs des Euro zum US-Dollar reflektiere nicht die wirtschaftliche Kraft hinter der Gemeinschaftswährung, sagte Schröder.

Der Euro legte nach Schröders Äußerungen wieder bis auf 0,8475 Dollar zu, nachdem er kurz zuvor auf 0,8457 Dollar gesunken war.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%