Volkswirte zum Ifo-Index und Geldmengenwachstum
Pessimistische Erwartungen erfüllt

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland ist nach Angaben des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts im August auf 88,8 Zähler von 89,9 im Juli zurückgegangen.

Reuters FRANKFURT. Das für die EZB-Zinspolitik relevante Geldmengenwachstum in der Euro-Zone hat sich im Juli auf hohem Niveau stabilisiert. In der Jahresrate habe die Geldmenge M3 im Juli wie schon im Vormonat um 7,1 % zugenommen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in Frankfurt mit.

Volkswirte sagten dazu in ersten Reaktionen:

Stefan Bielmeier, Deutsche Bank:
"Der Ifo-Index entwickelt sich entsprechend unserer Erwartungen. Der Ifo-Rückgang wurde vor allem durch einen starken Rückgang der Erwartungen verursacht, allerdings fiel auch die Lagekomponente. Das deutet auf eine Eintrübung des konjunkturellen Umfelds hin. Wir erwarten, dass sich das Wachstum in Deutschland nicht mehr beschleunigt und sich auf dem jetzigen Niveau weiterentwickelt. Das läuft auf ein Jahreswachstum von 0,4 % in diesem Jahr hinaus. Trotz eines schwachen Aktienmarktes kam es zu keiner Beschleuinigung in der Jahresrate des Geldmengenwachstums. Dies könnte ein erstes Indiz für ein Abflauen der Portfolioumschichtungen sein. Dementsprechend sollte von der letzten M3-Entwicklung keine Inflationsgefahr ausgehen, da das in M3 geparkte Geld vermutlich nicht für Konsum genutzt wird. Dementsprechend erwarten wir auch keine EZB-Zinsanhebung in diesem Jahr."

Volker Nitsch, Bankgesellschaft Berlin:
"Unter dem Strich ist der Ifo-Wert schlechter, denn ich hatte einen geringeren Rückgang erwartet. Wichtig ist jetzt der Septemberwert. Die Faustregel mit den drei Monaten Rückgang ist keine Universalgesetz, sondern nur eine Faustregel. Der Juni-Wert war weitestgehend stabil, also haben wir eigentlich erst zwei Monate Rückgang. Aber ein Rückgang um mehr als einen Punkt ist schon recht deutlich." Auf diesem Niveau zu bleiben ist für M3 eigentlich doch ein ganz positives Zeichen, vor allem bei den Turbulenzen an den Aktienmärkten. Die EZB wird die Entwicklung weiter beobachten. Der Wert hat momentan aber keinen Einfluss auf die (Zins-)Entscheidungen der EZB. Erst wenn die Konjunktur wieder anzieht, wird der Wert wieder relevant."

Bernd Weidensteiner, DZ Bank:
"Der Ifo-Index kam etwas schwächer als allgemein erwartet und hat unsere pessimistische Erwartung damit erfüllt. Inwieweit das Hochwasser mitverantwortlich dafür ist, lässt sich schwer beurteilen. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft nach wie vor nicht stattfindet. Einen Hinweis auf ein erneutes Abknicken der Konjunktur geben die Zahlen aber noch nicht her, da man nicht weiss, welche verzerrenden Effekte das Hochwasser mit sich brachte. Aber der Gegenwind für die deutsche Wirtschaft wird stärker. M3 war mehr oder weniger im Rahmen der Erwartungen. Interessant ist die Abschwächung des Kreditwachstums an den privaten Sektor, die bereits seit geraumer Zeit anhält. Das deutet allmählich schon auf eine wirtschaftliche Schwächephase hin. Die Daten sprechen insgesamt nicht für ein großes Inflationsrisiko in der Euro-Zone. Die EZB wird daher die Zinsen zumindest in absehbarer Zeit nicht erhöhen."

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