"Voll abgesichert"
Kirch schuldet Bayern LB 1,9 Milliarden Euro

Die Bayerische Landesbank hat die anderen Gläubiger des angeschlagenen Medienunternehmers Leo Kirch einschließlich der Deutschen Bank zu einer gemeinsamen Lösung aufgerufen. "Wenn wir versuchen, einander auszubooten, führt das zu einer Vermögensvernichtung", sagte Landesbank-Vorstandschef Werner Schmidt am Mittwoch abend in München.

ap MÜNCHEN. Die Bayerische Landesbank habe 1,9 Mrd. ? an Kirch verliehen – "zu banküblichen Usancen und voll abgesichert". Schmidt zeigte sich "überzeugt, dass es in den nächsten Wochen zu einer Lösung kommt". Es gebe jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder steige der australische Medientycoon Rupert Murdoch in den nächsten Tagen oder Wochen als Investor bei Kirch ein, "oder die Banken gemeinsam finden mit Kirch eine Lösung".

"Alles andere wäre Vermögensverschleuderung", sagte der Landesbank-Chef und fügte hinzu: "Wenn alle Banken an einem Strang ziehen, muss die Deutsche Bank mit eingebunden sein." Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hatte gesagt, die Banken seien nicht mehr bereit, Kirch auf unveränderter Basis Geld zu geben. Eine gemeinsame Lösung der Banken mit Kirch hält Schmidt für den besten Weg. "Eine deutsche Lösung wäre die bessere Lösung. Aber wir sind Kaufleute und haben Verantwortung für unser Unternehmen." Maßgeblich beteiligt seien sechs deutsche und zwei ausländische Banken. Bisher habe es noch kein Gespräch gegeben.

"Es geht nicht nur um einen Liquiditäts-Engpass"

Das momentane Problem Kirchs sei ein Liquiditäts-Engpass, ausgelöst durch die 767-Mill.-?-Forderung des Axel-Springer-Verlages. Aber "es geht nicht nur um einen Liquiditäts-Engpass, so einfach sind die Dinge ja nicht", erklärte Schmidt. Kirchs größtes Problem sei das verlustreiche Abo-Fernsehen Premiere World. Auf der anderen Seite habe Kirch erhebliche Vermögenswerte, "einige Perlen, für die es national und international Interesse gibt".

Die Bayerische Landesbank habe Kirch unter anderem für den Kauf der Formel-1-Rechte 1,9 Mrd. ? geliehen, gegen "Sicherheiten in allen Bereichen, die decken die Forderungen nach unterster Bewertung voll ab". Er könne im Namen der Landeszentralbank als Aufsichtsbehörde mitteilen, dass Meldungen falsch seien, wonach der Eintritt des schlimmsten Falles bei Kirch die Landesbank in Probleme bringen könnte. "Wir haben keinerlei Intention, dass wir neue Kredite geben, noch dass wir Alarm geben", sagte Schmidt.

Die Gesamthöhe der Landesbank-Kredite sei seit einem Jahr unverändert. Eine Erhöhung schließe er nicht grundsätzlich aus, wenn das sinnvoll wäre. Als Landesbank habe das Institut eine wirtschaftspolitische Aufgabe, müsse aber zugleich das Geld der Einleger vermehren. Die nächste Forderung der Landesbank werde am 30. Juni fällig. Dieser Termin sei aber nicht maßgeblich, weil die Forderung Springers jetzt nach einer Lösung verlange. Wenn das nicht gelinge und "es zu einer Verwertung käme, würden wir in Ruhe verwerten."

Diese Überlegung spiele aber derzeit keine Rolle. Die Rolle der bayerischen Staatsregierung bei den Krediten an Kirch relativierte Schmidt. "Wir sind keine Befehlsempfänger der Regierung", sagte er. Der Bankvorstand führe die Geschäfte laut Gesetz allein und sei an keine Weisungen gebunden. Die Bayerische Landesbank hatte ihr Betriebsergebnis vor Risikovorsorge 2001 um 30 % auf 1,54 Mrd. ? gesteigert. Die Risikovorsorge wurde aber verdoppelt auf 1,2 Mrd. ?. Der Jahresüberschuss sank um ein Drittel auf 359 Mill. ?.

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