Volle Sicherheit ist weder machbar noch bezahlbar
Verhaltene Nachfrage nach Sicherheitstechnik

Die Terroranschläge in den USA werden nach Ansicht von Fachleuten keinen wirklich großen Sicherheitsboom auslösen. Zuwächse sind nach der Erfahrungen der Berliner Sicherheitsmesse SiTech nur bei Videotechnik und biometrischen Erkennungssytemen zu erwarten.

HB/dpa BERLIN. Auf der SiTech, der Messe für Sicherheit und Sicherheitstechnik, die am Sonntag in Berlin zu Ende ging, sprachen die Aussteller einhellig von gestiegenen Aufträgen. Allerdings, betonen die Produzenten von Metalldetektoren, Überwachungs- oder Erkennungssystemen, ging der Trend auch schon vor dem 11. September zu mehr Sicherheit. "Die kriminelle Energie ist über die Jahre einfach wahnsinnig gewachsen", begründet Jürgen Meyers von der Kölner Sicherheitsfirma Ebinger Prüf- und Ortungstechnik, die unter anderem die deutschen Flughäfen mit Handmetalldetektoren beliefert und Minensuchgeräte vertreibt.

Von der neuen Sicherheitsdebatte nach den Terroranschlägen profitieren hauptsächlich die hochtechnischen und-mathematischen Überwachungs- und Erkennungssysteme, die erst vor kurzem die Marktreife erreicht haben. Dazu zählen unter anderem die so genannten biometrischen Verfahren, mit denen das Auge, der Fingerabdruck oder das Gesicht zur Identifizierung überprüft werden. Sie sollen nach dem Willen von Innenminister Otto Schily bald auch bei Personalausweisen und Pässen eingesetzt werden.

Ein kurzer Blick in den kleinen Spiegel reicht. Die Kamera sucht sich aus der Iris die rund 250 Merkmale, die sie braucht, vergleicht sie mit dem abgespeicherten Schwarz-Weiss-Bild, und unter leichtem Summen öffnet sich die Sicherheitspforte. Was vielen bisher nur aus Spionage- und Actionfilmen bekannt war, gibt es heute schon in vielen Hochsicherheitstrakten von Unternehmen und auf einigen Flughäfen für Vielflieger zur erleichterten Abfertigung.

Marktführer für die Iriserkennung in Europa ist nach eigenen Angaben die Firma SD Industries aus Gundelfingen. "Wir gehen fest davon aus, dass der Irisabdruck auf dem Ausweis kommt", sagt SD-Geschäftsführer Dietmar Fischer zuversichtlich. Der Fingerabdruck sei fälschbar, seine Identifizierung fehleranfälliger. Bekäme Fischer den Auftrag der Regierung, würde sein Unternehmen ganz neue Dimensionen erreichen. Daneben sorge das anziehende Geschäft mit den Flughäfen für starkes Wachstum.

Eine weitere Neuentwicklung ist der Sicherheitsroboter MOSRO I. Nach Geschäftsschluss soll er auf in großen Gebäuden unerwünschte Eindringlinge suchen. Eine Kamera überträgt die Bilder, ein Mikrofon die Geräusche an einen Wachmann. Die Stimme des nach Herstellerangaben weltweit ersten Sicherheitsroboters klingt noch ein bisschen blechern, aber dafür überprüft MOSRO jeden, der sich im Gebäude aufhält, per Fingerabdruck. Kamerasysteme, die am Autokennzeichen überprüfen, wer vorüberfährt, sollen Schrankenwärtern die Arbeit erleichtern.

Mit einem Sicherheitsboom rechnen Branchen-Kenner aber trotz der Terrorangst und neuer Technik nicht. Volle Sicherheit ist weder machbar noch bezahlbar, begründet die SiTec-Veranstalterin Messe- und Ausstellungsgesellschaft Lübeck.

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