Vollständige Veba-Oel-Übernahme ab 2002 möglich
BP übernimmt von Eon die Aral-Tankstellen

Der BP-Konzern und die deutsche Eon haben einen milliardenschweren Tausch ihrer Öl- und Gas-Geschäfte vereinbart, mit dem BP die Nummer Eins auf dem deutschen Benzinmarkt werden könnte.

Reuters DÜSSELDORF. Die Konzerne teilten am Montag mit, zum Jahreswechsel werde der britische Ölkonzern 51 % an der Eon-Tochter Veba Oel mit deren Tankstellennetz Aral übernehmen. Eon erhalte im Gegenzug 51 % der BP-Tochter Gelsenberg und so Einfluss auf den größten deutschen Gasversorger Ruhrgas AG. BP kündigte an, nach der Aral-Übernahme sei ein Abbau von 1 500 Stellen zu erwarten. Analysten sagten, BP und Eon gäben Randbereiche ab und stärkten dafür ihr Kerngeschäft. Das Vorhaben berge aber für BP ein hohes kartellrechtliches Risiko. Nach Firmenangaben entsteht durch den Tausch eine Tankstellenkette mit 3 500 Stationen in Deutschland.

Vor einigen Wochen hatte bereits der Essener RWE-Konzern die Zusammenlegung seiner DEA-Tankstellen mit denen der niederländisch-britischen Shell angekündigt, wodurch Aral von der Spitzenposition in Deutschland verdrängt würde. Branchenexperten gehen davon aus, dass das Zusammengehen von BP und Aral den Druck auf kleine Tankstellenpächter weiter erhöht.

BP-Chef John Browne nannte den Tausch in Düsseldorf "ein hervorragendes Geschäft". Eon-Chef Ulrich Hartmann sprach von einem angemessen Preis für Veba Oel. Außerdem beinhalte das Vorhaben "sehr interessante Wachstumsperspektiven". Veba Oel wird nach den Angaben bei dem Tauschgeschäft mit insgesamt 6,5 Mrd. ? bewertet. BP zahlt nach eigenen Angaben neben der Abgabe der Gelsenberg-Anteile 1,63 Mrd. Dollar und übernimmt Verbindlichkeiten von 950 Mill. Dollar. Nach der Übernahme von zunächst 51 % an Veba Oel könne BP im zweiten Quartal 2002 Alleineigentümer werden. Im Falle der Zusammenführung sollten die Kosten um 15 % gesenkt werden. Ein Abbau von 1 500 Arbeitsplätzen würde rund einem Zehntel der Belegschaft von Veba Oel und BP in Deutschland entsprechen.

Einsparungen von 200 Mill. Dollar

Die Einsparungen bei der Zusammenführung der Geschäfte von Aral und BP sollen nach Brownes Angaben pro Jahr mindestens 200 Mill. Dollar betragen. Aral unterhalte 2 560 Tankstellen in Deutschland, BP verfügt im Inland über rund 950 Tankstellen. Nach Brownes Worten würden beide Konzerne damit in Deutschland auf einen Marktanteil von gut 25 % kommen und damit den von DEA und Shell zusammen von knapp 25 % übertreffen. DEA und Shell betreiben insgesamt rund 3 200 Tankstellen im Inland. In Europa werde BP mit dem Tauschgeschäft seinen Marktanteil von zehn Prozent auf 16 % ausbauen, sagte Browne.

Im Gegenzug für die Abgabe der Veba Oel erhält Eon unter anderem die Mehrheit an der BP-Tochter Gelsenberg, in der die 25,5-Prozent-Beteiligung der BP am größten deutschen Gasversorger Ruhrgas gehalten werden. Eon-Chef Hartmann sagte, damit erreiche sein Konzern nun bei der Ruhrgas eine maßgebliche Position. Ruhrgas zähle zu den drei großen europäischen Gasunternehmen. Die Ruhrgas-Aktivitäten in der Fernversorgung ergänzten die gute Stellung von Eon in der Endverteilung ideal. Konkurrenten von Ruhrgas sind beispielsweise die British Gaz und die Gaz de France.

Komplizierte Besitzverhältnisse bei Ruhrgas

Die Besitz- und Stimmrechtsverhältnisse bei der Ruhrgas sind kompliziert. Größter Anteilseigner mit mehr als einem Drittel der Anteile ist die Bergemann GmbH, an der der britische Mobilfunkkonzern Vodafone und Thyssen-Krupp, aber auch der RWE-Konzern über die RWE-DEA mit 3,5 % beteiligt sind. Auf den RWE-Anteil an Ruhrgas hat Eon nach Hartmanns Worten eine Option. Zu konkreten Gesprächen mit den anderen Anteilseignern wollte er sich nicht äußern.

Analysten werteten die Vereinbarungen übereinstimmend positiv. Matthias Heck vom Bankhaus Sal. Opp sagte: "Eon hat einen sehr guten Preis für Veba Oel erzielt und bezahlt hingegen für die Gelsenberg-Anteile an der Ruhrgas nur den Marktpreis." Merck Fink-Analyst Phillip Bonhoeffer hob hervor, das Geschäft passe trefflich in die Eon-Strategie. Vor allem im Gasbereich eröffneten sich für Eon gute Chancen. Eon könne nun versuchen, von den anderen Gesellschaftern Ruhrgas-Anteile aufzukaufen, um damit die Kontrolle über den größten deutschen Gasversorger zu gewinnen. Beide Experten wiesen aber darauf hin, für BP sei das Risiko sehr groß, dass die Kartellbehörden Einwände gegen das Vorhaben vorbringen könnten.

Beim Bundeskartellamt in Bonn hieß es auf Anfrage, die Pläne von BP und Eon seien dort nicht angemeldet worden. Dies sei auch eher ein Fall für die europäischen Wettbewerbshüter in Brüssel, sagte ein Sprecher der Behörde. Eon-Chef Hartmann kündigte an, der Antrag werde noch in diesem Monat eingereicht. Die Juristen des Konzerns gingen davon aus, dass Brüssel sich sehr wahrscheinlich mit dem Ölgeschäft und das Bundeskartellamt sich mit dem Gasgeschäft befassen würden.

Die Aktienkurse beider Unternehmen reagierten am Montag kaum auf die Bekanntgabe der Tauschpläne. Die BP-Aktie lag am Nachmittag mit 572 Pence unverändert auf dem Schlusskurs vom Freitag. Die Aktie von Eon legte um fast ein Prozent auf 64,30 ? zu. Die Aktie entwickelte sich damit etwas besser als der Gesamtmarkt, der mit 0,6 % im Minus lag.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%