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Vom «Alabama» zur «Zeit» - Der Aufstieg des Giovanni di Lorenzo

Berlin (dpa) - Seine Magisterarbeit schrieb Giovanni di Lorenzo über den Aufstieg von Italiens Medienunternehmer Silvio Berlusconi. Zwar verlief die Karriere des künftigen Chefredakteurs der Wochenzeitung «Die Zeit» nicht so spektakulär - aber ähnlich schnell. Mit 45 Jahren übernimmt di Lorenzo in Hamburg eine der begehrtesten Positionen im deutschen Journalismus. Er gibt dafür in Berlin seine Stellung als Redaktionschef des «Tagesspiegels» auf, bleibt dem Blatt, das ebenso wie «Die Zeit» zu Holtzbrinck gehört, aber als Mitherausgeber verbunden.

Berlin (dpa) - Seine Magisterarbeit schrieb Giovanni di Lorenzo über den Aufstieg von Italiens Medienunternehmer Silvio Berlusconi. Zwar verlief die Karriere des künftigen Chefredakteurs der Wochenzeitung «Die Zeit» nicht so spektakulär - aber ähnlich schnell. Mit 45 Jahren übernimmt di Lorenzo in Hamburg eine der begehrtesten Positionen im deutschen Journalismus. Er gibt dafür in Berlin seine Stellung als Redaktionschef des «Tagesspiegels» auf, bleibt dem Blatt, das ebenso wie «Die Zeit» zu Holtzbrinck gehört, aber als Mitherausgeber verbunden.

Fernsehzuschauern ist der charismatische di Lorenzo schon lange bekannt. Als dienstältester Moderator der Talkshow «III nach neun» steht der Sohn aus deutsch-italienischer Ehe seit 1989 regelmäßig bei Radio Bremen vor der Kamera. Schon zu Beginn seiner Laufbahn hatte sich di Lorenzo mit seinem gewinnenden Lächeln und der mediterranen Art als fernsehtauglich erwiesen. Als Experte für die rechte Szene wurde er zu «Live aus dem Alabama» vom Bayerischen Fernsehen eingeladen, bis er 1984 die Moderation der Jugendsendung übernahm.

Neben seinen TV-Auftritten arbeitete di Lorenzo von 1985 an bei der «Süddeutschen Zeitung» (SZ), wo er sich zunächst um die Neugestaltung des Blattes kümmerte, bis er 1987 politischer Reporter wurde. 1994 übernahm er die Leitung der «Seite Drei» der «SZ».

Im Januar 1999 wurde di Lorenzo zum «Tagesspiegel»-Chefredakteur berufen. Auf dem umkämpften Berliner Zeitungsmarkt sollte er das westlastige Blatt zu einer Hauptstadtzeitung mit nationalem Anspruch ausbauen. Neben einer optischen Erneuerung engagierte di Lorenzo neue Redakteure und Autoren, baute die Wochenendbeilage um und verjüngte die Sprache. Die Auflage stieg langsam auf heute 140 000 Exemplare.

Immer wieder waren Gerüchte um ein Wechsel di Lorenzos zur «Zeit» laut geworden. Doch bisher hatte er einen Absprung abgelehnt und einen Weggang als Verrat angesehen. «Ich schätze die Bereitschaft, es sich schwer zu machen und sich ganz in eine Sache zu verbeißen», erklärte er einmal in der «Zeit». Im altehrwürdigen Hamburger Wochenblatt wird der Hobby-Koch dafür genügend Gelegenheit haben.

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