Vom Bezahlfernsehen Premiere zum profitablen Satellitenbetreiber Astra
Ferdinand Kayser: Der Heimkehrer

Eine solche Chance hätten sich auch Nicht-Luxemburger nicht entgehen lassen. Ziemlich überraschend geht der bisherige Premiere-Chef zum Satellitenprimus SES.

HB LUXEMBURG. "Ich verlasse kein sinkendes Schiff", beteuert Ferdinand Kayser. Und doch hat es mehr als eine Welle geschlagen in der europäischen Medienwelt, als der 43-jährige Volkswirt vor genau vier Wochen überraschend seinen Wechsel verkündete: von Leo Kirchs angeschlagenem Bezahlfernsehen Premiere zum Satellitenbetreiber SES Astra nach Luxemburg. Schließlich saß der Luxemburger Kayser damals erst seit einem Monat an der Spitze der Premiere-Gesellschaft.

Man habe die Personalie sehr schnell auf den Punkt gebracht, heißt es aus der SES-Führung. Fiel die Entscheidung für Kayser schon vor dessen Amtszeit bei Premiere? Keine Antwort. Er sei der Wunschkandidat für den Chefposten bei der europäischen Satellitentochter SES Astra, heißt es nur.

Kayser seinerseits bekräftigt, er verlasse Premiere in Freundschaft: "Ich habe meine Hausaufgaben gemacht." Dann zeigt Kayser wie so oft sein nettes Jungenlächeln, gerade so, als könne er keinem Taxifahrer ein lautes Wort sagen. Der Balztanz auf Münchener Schickeria-Partys ist seine Sache ohnehin nie gewesen. Rhetorische Brillanz sucht man vergebens. Stattdessen überzeugt er mit Sachverstand und schnellen Entscheidungen. So war er gerade erst Premiere-Chef, als er den Abschied vom verlustreichen Technik-Geschäft mit der unseligen D-Box – einst Leo Kirchs Hätschelkind – bekannt gab.

"Eine einmalige Chance"

"Die SES ist eine einmalige Chance für mich", begründet er den raschen Wechsel. So dürfte selbst der Münchener TV-Patriarch Verständnis dafür gehabt haben, dass sein Spitzenmann Kayser zu einem in der Heimat einzigartigen Unternehmen wechselt. Zudem: Im Großherzogtum leben Kinder und Freunde Kaysers, hierher zog es ihn stets an den langen Wochenenden ohne Premiere-Sorgen.

Der Empfang, den SES Astra ihrem neuen Chef im November bei seiner Vorstellung bereitet, erinnert an die Rückkehr des heiß geliebten Sohnes in den Schoß der – reichen – Familie. Auch Romain Bausch, als Präsident und CEO der SES-Astra-Mutter SES Global einer der Mächtigen im Großherzogtum, nennt ihn schon vertrauensvoll "Ferd".

Vier Jahre bei Premiere hat "Ferd" nun insgesamt hinter sich, verglichen mit der SES war der Sender ein tolles Armenhaus. Zuletzt war der operative Verlust mit etwa 1,6 Mrd. DM so hoch wie der Jahresumsatz. Die Strategiewechsel waren fast so häufig wie der Austausch des Spitzenpersonals, vorläufig einzige Konstante ist das Minus.

Die SES dagegen ist Erfolg pur. Dank des boomenden Privatfernsehens in Europa brummen die Astra-Satelliten – und erzielen hohe Renditen. Dies verlieh der SES die Kraft, im Frühjahr für 4,3 Mrd. $ den US-Rivalen GE Americom zu kaufen. Jetzt ist SES größter Satellitenbetreiber der Welt.

Vom Zweckbau ins beschauliche Schloss

Wenn eine Beschreibung zutrifft für den Wechsel, dann die, dass sich Kayser verbessert. Das stimmt schon äußerlich: Den Premiere-Zweckbau im Münchener Medienvorort Unterföhring tauscht der TV-Experte offiziell ab Januar gegen das ebenso feine wie beschauliche Ambiente von Schloss Betzdorf, irgendwo zwischen Trier und Luxemburg-Stadt.

"Ferd kehrt heim", sagt ein Landsmann. Das stimmt in mehrfacher Hinsicht. Kayser beginnt seine Karriere 1984 als Chef der Coronet Aktiengesellschaft, eines Vorläufers der SES Astra. Dann folgt der Wechsel zur CLT, dem Vorläufer des heutigen TV-Konzerns RTL Group. In den Boomjahren des Privatfernsehens lernt er das europäische Fernsehgeschäft kennen wie kaum ein Zweiter. So ist der Start von Super RTL eine seiner Ideen.

Sein neuer Chef Bausch ist sich sicher: "Seine Erfahrung und Managementkenntnisse werden sich für SES Astra als sehr lukrativ herausstellen." Keine Frage, Kaysers Verbindungen in die Schaltzentralen des Privatfernsehens sind für SES schon Geld wert. Kayser selbst hat mehr vor: "Ich will mit SES den Erfolg des digitalen Fernsehens in ganz Europa beschleunigen."

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