Vom Finalhelden zur tragischen Figur
"Zizou" im Jammertal

Vier Wochen nach seinem Bilderbuch-Tor im Champions League-Finale gegen Bayer Leverkusen ist Zinedine Zidane zu Frankreichs tragischem Helden geworden. Der zweimalige Torschütze im 98er-WM-Finale gegen Brasilien geht mit seinen "Blauen" unter.

dpa INCHEON. Dem Traumtor im Champions-League-Finale folgte der WM-Albtraum: Vier Wochen nach seinem fabelhaften Schuss gegen Bayer Leverkusen ist Zinedine Zidane zu Frankreichs tragischem Helden geworden. Eine Ewigkeit scheint bereits seit dem WM-Finale am 12. Juli 1998 in St. Denis gegen Brasilien vergangen zu sein, als "ZZ Gott", wie Südkoreas Medien ihn nennen, zwei Mal per Kopf traf und die Seinen nach dem 3:0 im Fußball-Himmel waren.

So wie das Stade de France damals bebte am Dienstag das Munhak- Stadion in Incheon bei Seoul, als der bislang prominenteste WM- Reservist nach seiner Oberschenkel-Verletzung endlich den Rasen betrat und den 48 100 Zuschauern bei den Mannschafts-Aufstellungen sein Foto gezeigt wurde. Selbst seine Einblendung auf den riesigen Videowänden während der "Marseillaise" entfachte einen Jubelsturm.

Doch auf dem schweigsamen Zidane lastete knapp zwei Wochen vor seinem 30. Geburtstag ein ungerechter Druck. Der potenzielle Superstar der 17. Endrunde forderte zwar die Bälle, gewann Zweikämpfe und hätte mit einem herrlichen Schlenzer in der 38. Minute beinahe für das erlösende erste Turniertor des gestürzten Titelverteidigers gesorgt. Aber einmal vermied er in aussichtsreicher Position einen Spreizschritt, um den Ball nicht mit dem linken Fuß annehmen zu müssen und den bandagierten Oberschenkel nicht zu sehr zu belasten. Schon zur Pause schlich er mit hängendem Kopf Richtung Kabine.

"Ich war müde, das ist normal. Wir hatten unsere Chancen. Wenn wir ein Tor gemacht hätten, wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre", kommentierte Zidane mit wie üblich leiser Stimme. "Dänemark 2:0 schlagen zu müssen, ist nicht jenseits aller Möglichkeiten, aber nach dem 0:2 hatten wir keine Chance mehr, zurück zu kommen."

Zidane zollte letztlich der Terminhatz Tribut. Nach dem Champions- League-Sieg mit Real Madrid stand er seiner Ehefrau bei der Geburt des dritten Kindes bei. Mit zwei Tagen Verspätung kam Zidane bei der Mannschaft in Japan an, von dort ging es nach Südkorea, wo er sich beim 3:2 über die ehrgeizigen Gastgeber bei der WM-Generalprobe verletzte - ein fataler Planungsfehler von Trainer Roger Lemerre.

Schon vor der WM hatte Zidane angekündigt, nur noch vier Jahre spielen zu wollen. "Ich hoffe, dass ich bis dahin alles gewonnen haben werde", meinte "Zizou" vor allem mit Blick auf die Champions League. Der stille Ballzauberer will sich danach ein Jahr lang völlig aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Bei der WM 2002 hat er nur als "Man of the match" vom Dienstag seine Spuren hinterlassen.

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