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Vom Frosch geküsst

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da war die Welt für die Unternehmen noch in Ordnung. Die Geschäfte liefen gut, die Aufträge sprudelten nur so, die Orderbücher quollen geradezu über. Wenn überhaupt, wenn Warnungen, Gewinnwarnungen ausgesprochen wurden, dann nur, um den Anlegern mitzuteilen, dass er höher ausfallen werde als erwartet. Die Rede ist von den Quartalen und Jahren vor dem langsamen Börsenabsturz, der im März letzten Jahres begann. Seitdem haben die Unternehmensgewinne und Aktien den Weg nach unten angetreten. Natürlich trifft das nicht auf alle zu, aber viele Börsenfavoriten kommen aus dem tiefen Fall gar nicht mehr heraus.

Chiphersteller durchschreiten gerade eine schwere Zeit. Sie produzieren und produzieren, doch sie werden all die aufregenden Hightechkomponenten nicht los. Stattdessen wandern sie in die Lager, auf dass sie dort verstauben.

Apple stellt die Produktion des Cubes ein. Ein Rechner, der zwar durch sein Äußeres bestechen konnte, die Kinnlade klappte aber den Interessenten nicht nur wegen des Designs herunter, sondern oftmals auch wegen des verlangten Preises. Also, sagte sich Apple, wir wollen uns nicht lumpen lassen, und senken die Preise. Und noch mal, und noch mal und noch einmal. Das kurbelte zwar den Umsatz an, nicht aber die Gewinne von Apple. Jetzt verabschiedete man sich ganz vom Cube.

Einige Experten sprechen von Übertreibungen. Denn so schlecht sei die wirtschaftliche Lage gar nicht, wie man annehmen könne mit Blick auf den Aktienkurs. Allenthalben ist der Tipp zu hören, Anleger sollten sich auf die Unternehmen konzentrieren, die gute Gewinne erwirtschaften. Solche gibt es noch. Der Ölkonzern Exxon Mobil, der Finanzdienstleister Citigroup, General Electric, das Telekommunikationsunternehmen Verizon, Microsoft - all dies sind die Big Player, die Milliardengewinne einstreichen. Nach wie vor.

Nur ruhig Blut, das zweite Quartal war gar nicht so schlecht, sagen einige Analysten. Ein Märchen, an das die Anleger nicht so richtig glauben wollen? Mag schon sein, dass die Monate April bis Juni nicht so desaströs ausgefallen sind wie das erste Vierteljahr. Aber immerhin lagen auf dem zweiten große Hoffnungen, dass das böse Gespenst Wirtschaftsflaute spätestens im Frühjahr von der Sonne geblendet und den Abgang machen wird. Bloß denkt dieses gar nicht daran. Die Arbeitslosenquote klettert stetig und steht nun bei viereinhalb Prozent.

Der Handel war in diesen Tagen wegen des Independence-Feiertages flau. Aber welch Ironie, von wegen Unabhängigkeit. Gerade der britische Telekommunikationsausrüster Marconi brachte mit seiner Gewinnwarnung Wall Street und Nasdaq ins Wackeln. Dabei schert man sich, USA-fixiert, wie die meisten nun mal sind, normalerweise recht wenig um die Geschehnisse in der alten Welt. Hinzu kam noch die Gewinnwarnung eines niederländischen Chipunternehmens, die die Märkte belastete. Gibt?s ein Happy End? Mal schauen. Für einen guten Ausgang noch in diesem Jahr gibt es nicht soviel Hoffnung. Und wenn die Aktien nicht durch gute Unternehmensnachrichten gestoppt werden, dann fallen sie noch heute. Oder morgen, zumindest noch eine lange Zeit. Der Dow Jones-Index gab im Wochenvergleich 2,4 Prozent auf 10 253 Punkte ab. Die Nasdaq verlor 7,2 Prozent auf 2004 Punkte.

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