Vom Gewinner zum Spielemacher
Erster TV-Millionär erfindet Shows

Der erste Millionengewinner aus Günther Jauchs RTL-Show hat seinen Gewinn nach mehr als einem Jahr ausgegeben und will jetzt Bildungsspiele für das Fernsehen erfinden.

dpa MÜNSTER. Das Ende 2000 bei "Wer wird Millionär?" kassierte Geld habe er für ein Eigenheim und verschiedene mildtätige Zwecke verwendet, sagte der 57-jährige Eckhard Freise.

Nachdem er durch seinen Millionen-Erfolg zahlreiche deutsche TV-Quizmaster und Moderatoren kennen gelernt habe, sei ihm eine Frage nicht mehr aus dem Kopf gegangen, sagte der Geschichtsprofessor aus Münster: "Wie müsste ein wirklich superintelligentes und zugleich unterhaltsames Bildungsspiel aussehen?" Antworten sind ihm auch schon eingefallen: "Ideen für neue Fernsehformate habe ich gleich mehrere." Für die Details brauche er jedoch noch ein paar Monate. "Und vorher werde ich über ungelegte Eier nicht gackern."

So viel sei sicher, betonte der Wissenschaftler: Bei einem Quiz Marke Freise werde es sich nicht um Frontalfernsehen handeln, bei dem jemand kluge Sachen vorträgt, ohne dass sich der Zuschauer selbst aktiv einbringen kann. "Die Stoßrichtung geht vielmehr zum Familienfernsehen, einer Show also, die den Normalbürger mit etwas Allgemeinbildung anspricht - vom Schulkind bis zum Opa."

Als Gast ist Freise bei den Medien nach wie vor ein gefragter Mann. "Ich nehme aber nur Einladungen an, die mich reizen, und lebe insofern so zusagen à la carte", sagt er. "Tingeln wollte ich noch nie." Die Hälfte aller Angebote lehne er deshalb ab.

Für den Millionengewinn interessiert sich mittlerweile kaum noch jemand. "Stattdessen erlebe ich einen ständigen Paradigmenwechsel", schilderte der Hochschullehrer. "Mal will man mich als Superhirn, mal als Bildungsexperten oder - nachdem ich zwei Weltmeister geschlagen habe - als Schach-Spezialisten." Er selbst verstehe sich als Historiker und leidenschaftlicher Schachspieler. Mitnichten sei er, was ihm so Tolles angedichtet werde. "Im Grunde bin ich eine Art Eier legende Milchwollsau - ein blutiger Dilettant, der von allem immer nur ein bisschen versteht."

In Jauchs Quiz war der Mediävist, der als Experte für das Mittelalter an der Universität Wuppertal lehrt, durch eine Wette mit seinem Sohn Florian (14) geraten. Wenn Vater raten führe, so die Wette, würde Florian an seiner Schule in der lateinischen Fassung von Shakespeares Mittsommernachtstraum auftreten. Vater Freise fuhr nicht nur - als er die letzte Frage, wer Edmund Hillary 1953 auf den Gipfel des Mount Everest begleitete, richtig mit Tenzing Norgay beantwortete, hatte er obendrein die Million gewonnen.

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