Vom Handel ausgesetzt
Plettac: Gläubigerbanken wenden Pleite ab

Der seit zwei Jahren Verluste schreibende Bauzulieferer Plettac AG hat nur mit Hilfe der Banken eine Pleite abwenden können und will sich nun gesund schrumpfen. Nur durch Forderungsverzicht der Gläubigerbanken auf Besserungsschein sei eine Überschuldung abgewendet worden, teilte Plettac am Freitag mit.

rtr DÜSSELDORF. Das Unternehmen habe nicht nur sein gesamtes Eigenkapital verloren, sondern darüber hinaus im ersten Halbjahr einen Fehlbetrag von 119 Mill. DM festgestellt. Ein bereits aufgestelltes Sanierungskonzept sei von den Banken am Freitag genehmigt worden. Künftig werde man mit dem Gerüstbau und den Gerüstdienstleistungen nur noch ein Standbein haben. Alle anderen Bereiche stünden zum Verkauf, hieß es weiter. Auch vom US-Markt werde man sich zurückziehen, sagte eine Sprecherin.

Die bis 1999 im Nebenwertesegment MDax und inzwischen im Smax gelistete Plettac-Aktie wurde am Freitag ebenso vom Handel ausgesetzt wie die zu 53 % zum Konzern gehörende Röder Zeltsysteme und Service AG. Plettac wurde zuletzt mit 4,37 ? gehandelt.

Schwache Baukonjunktur und Schwierigkeiten bei Sicherheitstechnik

Die schwache Baukonjunktur habe im Bereich Gerüste im Inland zu deutlich geringeren Umsätzen als geplant geführt. Darüber seien durch operative Schwierigkeiten in der elektronischen Sicherheitstechnik höhere Verluste angefallen als vorgesehen. Infolge dessen hätten im Halbjahresabschluss Bewertungsansätze bei Buchwerten und Forderungen korrigiert werden müssen, was zum Verlust des Eigenkapitals in der AG geführt habe, hieß es weiter. Mit der Umsetzung des Konzeptes, das die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Oktober genehmigen sollen, solle der Konzern in wesentlichen Teilen entschuldet werden.

Auf der Verkaufsliste steht nun neben den bereits als nicht Kerngeschäft definierten Sparten Hallen und Zelte (Röder) sowie Umformtechnik auch die Gerüstfirma Bil-Jax in den USA und die Sicherheitstechnik. Man werde sich nur noch auf dem europäischen Markt bewegen, sagte Firmensprecherin Gabriele Knöss.

Des Weiteren sieht das Sanierungskonzept nach den Angaben die Herabsetzung des Grundkapitals auf 9,6 Mill. ? von 61,4 Mill. ? vor und Forderungsverzichte der Banken gegen Besserungsschein von zunächst bis etwa 240 Mill. DM sowie weitere künftige Verzichte auf knapp 90 Mill. DM. Ziel sei es, ein Eigenkapital von etwa 70 Mill. DM zu schaffen.

Emissionspreis 380 DM

Die 1962 von Dieter Buttgereit gegründete Gesellschaft war 1993 unter Führung der Deutschen Bank zu einem Emissionspreis von 380 DM an die Börse gebracht worden. Zunächst galt Plettac als Erfolgsgeschichte mit hohen Zuwächsen und hohen Dividenden für die Aktionäre. Im Zuge der rückläufigen Baukonjunktur in Deutschland geriet der Konzern ab 1996 trotz zahlreicher Akquisitionen im In- und Ausland zunehmend unter Druck.

Nach dem Abgang des ehemaligen Vorstandschefs Jürgen Schwericke übernahm sein Kollege Rolf Hengstenberg den Posten und leitete eine Bestandsaufnahme ein. Die ergab im April 2000 ein verheerendes Bild. Die im Herbst 1999 begonnenen Aufräumarbeiten hätten "viele Dinge zu Tage gefördert, die die Bilanz erheblich in Mitleidenschaft ziehen", hieß es damals. Der Konzern stand eigenen Angaben zufolge ohne Rücklage da. Nach einem Verlust 1999 von 290 Mill. DM sollte 2000 im Zuge eines Konzernumbaus ein Umsatz von 1,2 Mrd. DM und ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt werden. Stattdessen verbuchte plettac erneut einen Verlust von 108,7 Mill. DM. Die früher mit elf Mark verwöhnten Aktionäre gingen in den vergangenen beiden Jahren leer aus.

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